"Versuchen wir's! " (Satprem)

Er war jemand, der viele Wege beschritt und bis zur Selbstaufgabe verfolgte: Satprem, mit bürgerlichem Namen Bernard Enginger. Was anfänglich als Flucht erscheinen mag war eine zutiefst aufrichtige Suche, durch die ihn das Göttliche Bewusstsein führte, gleich einer Erschütterung bis in den innersten Wesenskern. Dieses Aufbrechen des ganzen Wesens einschließlich des Körperlichen und seiner eingeborenen Trägheit scheint eine der Vorbedingungen zu sein für die Supramentale Transformation. 

Es war bereits auf höherer Ebene beschlossen, dass er letztlich bei jenen ankam, wo er finden durfte.

Im Lauf der Jahre wurde er zu Mutters Schüler und Vertrautem, begleitete sie bis zu ihrer eigenen Verwirklichung und zeichnete die Berichte während ihres unermüdlichen transformativen Ringens und ihre Erkenntnisse fast 15 Jahre lang auf. Daraus entstand die sogenannte "Agenda", Zündstoff für die althergebrachten yogischen Wege.  Etwas vollkommen Neues, nie Dagewesenes in diesem Ausmaß macht Angst und bedroht herkömmliche Herrschaftsstrukturen.  

Nach Mutters Weggang zog sich Satprem zurück und stürzte sich selbst in das langwierige und phantastische Abenteuer der Transformation des eigenen Körpers.  

 

 

"Der Evolution ist die Kunst zu eigen, sich des Schlechten ebenso zu bedienen wie des Guten: Alles dient zum Vorwärtsgehen, die schlimmsten Katastrophen sind ihre besten Anlässe für Erfindungen und Entdeckungen (Ent-deckungen). Alles Verneinende und Widerstrebende wird ebenso ihren Ofen heizen wie ihre Propheten." (aus "Evolution II") 

 

"Das ist vielleicht gerade die Gnade unserer Zeit, unseres Jahrhunderts, unseres ... (die Gnade unseres Schreckens, könnte man sagen): Wr haben einen so fürchterlichen Punkt erreicht, dass wir eine Chance haben, dass es brechen wird und wir daraus auftauchen. Nicht durch ihre Bomben – all das ist noch der Triumph des alten Todes – nein, aber dass etwas im Bewusstsein der Welt BRICHT. Vielleicht ist das die Gnade dieser schrecklichen Epoche. 

Früher war der Schrecken schön retuschiert, er war in schöne Literatur gekleidet, in schöne Religion, schöne spirituelle Dinge. Er war vergoldet und annehmbar – jetzt ist er nackt. Das ist auch eine Gnade, man kann sich nicht mehr täuschen. Eine ganze Illusion, die niemand mehr haben kann; all das ist weggefallen. Das sind begnadete Augenblicke, eben weil die Illusion großenteils zerplatzt ist." (aus "Leben ohne Tod", S. 178, 179)

 

 

 

 

 


Über Satprem und Sujata

Auszug aus einem Interview mit Nirmal Nahar (älterer Bruder von Sujata) von Anurag Banerjee. (Eigene Übersetzung ins Deutsche)

 

... Erzählen Sie uns von ihrem Leben ab 1978,  nachdem sie sich in Kotagiri niederließen. 

 

"Zunächst hatten wir mehrere Jahre keinen Kontakt. Nach vielen Jahren erst begann ich, sie zu besuchen. Manchmal erhielt ich Briefe von Sujata. Satprem schrieb nicht. Nur wenn er mir Bücher schickte schrieb er eine Zeile hinein. Ich begann mit den Besuchen wohl in den Achtzigern oder 1990ern ... Zu dieser Zeit erzählte Satprem mir von seiner Sadhana und den Schwierigkeiten, denen er gegenüberstand. Er war sehr beunruhigt, als er das sich verschlechternde politische Geschehen in Indien sah. Und er bestand immer darauf, dass dies vollkommen zerbrochen werden musste, so zerschlagen (Geste, die linke Handfläche mit der rechten Faust zu schlagen). Drei oder vier Jahre vor seinem Fortgang wurde uns geraten, nicht hinzufahren, denn es ging ihm nicht gut, und, weil Sujata sich um ihn kümmerte und keine Zeit für etwas anderes aufbringen konnte. Für gewöhnlich kommen die Familienmitglieder von Monsieur Baron, um Satprem zu sehen. Er wurde von ihnen sehr geschätzt. Er war in Frankreich hoch angesehen. Nachdem er den Körper verlassen hatte, widmeten ihm Frankreich und andere europäische Länder eine Menge öffentliche Aufmerksamkeit, aber in Indien erhielt er keine Publicity …"

 

Wie haben Sie die Entwicklung von Satprems Sadhana erlebt?

 

"Er war immer in tiefer Konzentration. Manchmal lief er, mit der Hand auf meine Schulter abgestützt, aber meist war es Sujata, die ihn unterstützte. Weil er nicht auf sich selbst aufpassen konnte. Er war sich seines körperlichen Wohlergehens nicht bewusst. Und manchmal saß er auch vor der Haustür; wir saßen dort und er redete oder meditierte einfach. In der Nähe eines Strauches im Garten stand ein kleiner Shiva-Lingam, den er regelmäßig anbetete. Und am Eingang war ein Abbild von Nandi [ein Buckelstier der hinduistischen Mythologie, das Reittier und treuer Diener des Hindu-Gottes Shiva.] Jeden Morgen ging er hin und bot ihm Blumen dar." 

 

2006 hatte Satprem eine Nachricht an Kireet Joshi geschickt, in der er schrieb: "Ich habe das Ziel erreicht." Auf welches Ziel bezog er sich? War es die Vollendung des Prozesses der physischen Transformation oder die Fixierung des supramentalen Bewusstseins in seinem physisches Bewusstsein?

 

"Das weiß ich nicht. Zuvor schrieb er mir, dass er das Ziel erreicht habe. Was ich weiß ist, dass das supramentale Licht in seinen Körper gekommen war. In seinem ganzen Körper war eine besondere Strahlkraft.  Das habe ich beobachtet. Die Art, wie er spazieren ging, zeigte, dass er sich seines physischen Körpers nicht bewusst war, deshalb musste Sujata auf ihn aufpassen."

 

Erzähl uns etwas über Sujata-dis Sadhana.

 

"Sujata hüllte sich sehr in Schweigen, was ihre Sadhana betraf. Sie hatte ein sehr hohes Niveau in der Sadhana erreicht. Aber sie zeigte es nie, bis auf das, was sie in privaten Gesprächen erwähnt hatte. Sie erzählte einige ihrer Erfahrungen und diese bewiesen, dass sie ein sehr hohes Niveau erreicht hatte. Wir konnten verstehen, dass ihr Bewusstsein auf einem sehr hohen Niveau war. Das supramentale Bewusstsein war in ihr präsent, aber sie lebte auf eine so einfache Art und Weise und sie konnte sich so gut anpassen, dass man es sehen musste, um es glauben zu können. Sie hatte tiefes Mitgefühl, und das kam dann zum Vorschein." 

 

Im November 2006 erhielt ich einen Brief von Sujata-di, in dem sie über Satprem schrieb: "Er ist tief in seinen neuen Erfahrungen ... da er den Spuren von Sri Aurobindo und der Mutter folgt." Aber innerhalb der nächsten fünf Monate erfuhren wir vom Fortgang Satprems, gefolgt von Sujata-di. Bitte erzählen Sie uns, was Sie über ihre letzten Tage wissen.

 

"Satprem wurde nicht krank. Er hatte vollständig das Bewusstsein seines physischen Seins verloren. Er selbst wusste nicht, was er tat. Deshalb musste sich Sujata Tag und Nacht um ihn kümmern, denn der Zustand war sehr intensiv in den letzten sechs Monaten, bevor er ging. Sujata machte kein Auge zu. Wenn sie nachts zu Bett gegangen war, rief Satprem plötzlich "Ma Douce" (Meine Liebe), so musste sie natürlich ständig nach ihm sehen. Allmählich verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand und auch sie wurde bettlägerig. Laut meinem Neffen Pratip, der sie vor ihrem Tod gesehen hatte, war sie nicht einmal in der Verfassung, in ein Krankenhaus gebracht zu werden, und sie war nicht sehr bei Bewusstsein. Meine Schwester Suprabha und Pratip waren die letzten, mit denen sie sprach."

 

Hast du nicht mit ihr geredet?

 

"Nein, wir haben uns nicht unterhalten. Fast anderthalb Monate, bevor Sujata verstarb, ging sie ans Telefon, als ich sie versehentlich angerufen hatte. Das war das letzte Mal, dass wir miteinander sprachen. Wir tauschten nur Höflichkeiten aus. Bevor sie ihren Körper verließ, war sie für einige Tage in einem halbbewussten Zustand. Ich war zu dieser Zeit in Palitna. Ich rief jeden Tag an und erkundigte mich nach ihrer Gesundheit. Am 3. Mai 2007 kehrte ich nach Kalkutta zurück. Am nächsten Morgen erzählte mir Suprabha, dass Sujata gegangen sei."

 

Was ist mit den sterblichen Überresten von Satprem und Sujata passiert?

 

"In Land's End, also in der Wiese an ihrem Haus in Kotagiri, sind beide, Satprem und Sujata, nebeneinander begraben, in der Nähe des Gebüschs, wo der Shiva-Lingam steht." 

 

Erzähl uns etwas über die Rolle, die Sujata-di im Satprems Sadhana gespielt hat.

 

"In einem Satz kann ich sagen: Ohne Sujata war Satprem unvollständig. Und ohne Satprem hätte Sujata vielleicht nicht so viel erreicht. Im Grunde hatte Sujata seit ihrer Kindheit eine schöne Seele, die sich unter der Mutter und Pavitra entwickelte und dann in der Gesellschaft von Satprem erblühte."

 

 

Nachtrag

 

Was folgt, ist eine kurze Beschreibung der letzten Tage von Satprem und Sujata Nahar, die mir von Shrimathi Suprabha Nahar, der jüngsten Schwester von Sujata Nahar und von Shri Kireet Joshi berichtet wurde. Zwei Monate, bevor Satprem seinen Körper verließ, hatte er gesagt: "Die Arbeit ist getan." Sein Ende kam am Morgen des 9. April 2007. Das letzte Wort, das er während des Frühstücks sagte, war: "MA". Die Dame, die sich um ihn kümmerte, half ihm, vom Bett aufzustehen und sich auf das Sofa in der Nähe des Feldbettes zu setzen. Als sie wegging, die Vorhänge zu öffnen, um Licht ins Zimmer zu lassen, hörte sie zwei kehlige Laute. Sie ging zu Satprem und sah, dass er seinen Körper in der sitzenden Position verlassen hatte, ein Auge geschlossen und das andere Auge auf ein Foto von Sri Aurobindo gerichtet. In der Nacht darauf wurde sein Körper in seinem Garten zur Ruhe gelegt. 

Sujata Nahar war bereits bettlägerig, als Satprem seinen Körper verließ. Sie hatte aufgehört zu reden und deutete nur an, ob sie die flüssige Nahrung, die man ihr gab, zu sich nehmen wollte oder nicht. Gelegentlich rief sie: "Ma, Ma."

Am 4. Mai 2007, genau fünfundzwanzig Tage nach dem körperlichen Weggang von Satprem, las ihr die Dame einen Abschnitt aus Mutters Agenda vor (20. April 1966, zu Anousouyas Tod). Danach bekam sie etwas Wasser zu trinken, das sie annahm, und kurz danach verließ sie ihren Körper. 

 

(Auszug aus "Sujata Nahar - Loving Hommage", herausgegeben von Nirmal Nahar & Anurag Banerjee)

 

 "... es geht nicht darum, einen mit wunderbaren und strahlenden Kräften begabten Geist hervorzubringen, diesem Körper ein höheres Gesetz als das seinige aufzuzwingen, nicht einmal, die Physis bis an den äußersten Grad ihrer Verfeinerung zu treiben, sondern eine neue physische Natur zu schaffen, aber dennoch ausgehend von unserem Körper; diesem armen, hinfälligen animalischen Körper; denn er ist unsere Basis, unser Instrument der Evolution.

Das neue Wesen wird nicht vorgefertigt vom Himmel fallen: Wir müssen es bauen! Wir müssen in unserer Substanz den Schlüssel für die eigene Transmutation finden, das Geheimnis aller Geheimnisse, im unendlich Kleinen, in der kleinsten Zelle." (aus: "Der Sonnenweg", S. 180)

 

 

 

Zuletzt bearbeitet am 25. Juni 2018

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