Die Neue Welt existiert bereits

"Nichts kann sich aus der Materie entwickeln, was nicht bereits in ihr enthalten ist."

 

Sri Aurobindo


Der Begriff der Neuen Welt ist in spirituellen Kreisen bekannt. Jahrhunderte lang schon wurde ihr Kommen von den Mystikern prophezeit. In der biblischen Offenbarung heißt es unter 21,1: Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. 

Sie ist bereits hier, aber noch ist sie für unsere begrenzten Sinne nicht greifbar. 

In der anwachsenden spirituellen Szene wird sie ebenfalls gern thematisiert. Man spricht vom Aufstieg der menschlichen Rasse in eine höhere Dimension, dem Kommen einer kosmischen Welle und nicht selten wird man für besondere "Einweihungen", die Durchgaben angeblich aufgestiegener Meister oder die Aufnahme in sogenannte geschlossen Kreise heftig zur Kasse gebeten. Der Esoterik-Jahrmarkt boomt, allerlei Hilfswerkzeuge, Amulette oder Elixiere werden angepriesen, die uns den Übergang erleichtern sollen, und vieles mehr.  

Nicht alles davon ist Unsinn und es findet sich dort der eine oder andere aufrichtige und erfahrene Lehrer, um zum Beispiel an der Öffnung unseres spirituellen Herzens zu arbeiten. 

Doch niemand in diesen Kreisen kann einem so recht sagen, wie sie denn nun aussehen wird, diese Neue Welt.

 

Ist man auf den Pfad des Integralen Yoga berufen, was auf höherer Seelenebene beschlossen wird, taucht man immer tiefer in den Prozess der körperlichen Umwandlung ein. Dann erst werden einem erste Einblicke in das neue Sein gewährt, die sich nur schwer in Worte fassen lassen. Grundsätzlich ist wahres Wissen nur das, was man am eigenen Leib erfahren hat. Alles andere ist Reden über die Erfahrungen anderer oder Spekulation.  

  

 

"Durch ihre Unglaubhaftigkeit entzieht sich die Wahrheit dem Erkanntwerden."  

Heraklit, um 500 v.Chr. 

 

 

   Auf diesem Weg wird man immer wieder mit Fragen konfrontiert wie:

 

 "Wer waren dieser Sri Aurobindo und Mutter?"

 "Wie kannst du sicher sein, nicht einer Sekte aufzusitzen?" 

 "Materie vergöttlichen ...? Noch nie gehört. Wie soll das gehen?"

 "Das ist mir zu abgehoben, glaub ich nicht." 

"Bist du dir sicher, dass du dir das nicht einbildest?"

 

Darauf gibt es nur diese Antwort: "Gib dich Gott* und Seinem Willen für dich aufrichtig und ausdauernd hin und warte ab, was passiert." 

*Unabhängig von Kulturkreis oder Herkunftsreligion, die für das Göttliche eigene Begrifflichkeiten oder Namen verwenden.

 

Jeder aufrichtig Strebende weiß, dass man immer deutlicher von der Göttlichen Wahrheit angezogen und geführt wird, sobald sich das spirituelle Herz zu öffnen beginnt und wir in Kontakt mit unserem seelischen Wesen treten. Wer Antworten sucht, dem werden sie gegeben: ob in christlichen, buddhistischen, hinduistische o.a. Schriften, indem man "zufällig" ein bestimmtes Buch geschenkt bekommen, in eine Schicksalskrise gerät und das Leben sich plötzlich eklatant verändert, und vieles mehr. Damit ist der Anfang gemacht. 

In die Vereinigung mit dem Göttlichen einzugehen, ist unser angestammtes Recht. Wenn wir danach aufrichtig bis in jede Faser unseres Seins dürsten, werden wir es früher oder später erleben, denn es ist das evolutionäre Ziel. Die sogenannten "mystischen Wege" wurden ausführlich beschrieben. Es gab sie schon immer und in allen Kulturkreisen und Religionen. Vereinfacht zusammengefasst unter dem Begriff der "Erleuchtung". (Auf die verschiedenen Yogawege wird hier nicht eingegangen, da sie für das Verständnis der Praxis nicht wirklich relevant sind. Wer sich damit tiefer auseinandersetzen möchte, wird in der Literaturliste fündig.) Jene Wiedervereinigung mit dem Göttlichen geschah auf einer höheren mentalen Ebene, indem man durch yogische Konzentration und Meditation in die leuchtende Stille des Samadhi eintauchte. Nirwana ist eine gängige Bezeichnung geworden.

Dabei stieß man immer schon auf Hindernisse, die aus dem Bereich der vitalen Begehrlichkeiten des Körpers emporstiegen. Man begann, ihn als etwas nicht Transformierbares abzulehnen und strebte danach, ihn abzulegen und dieser obskuren Welt zu entfliehen. Aber dafür wurde die Erde nicht erschaffen. Jener Weg bedeutet die Rückkehr an den Ausgangspunkt als rein geistiges Wesen, überlässt diesen Planeten seinem Schicksal und ist nicht (mehr) das Ziel der Evolution. All diese Wege kann man als "Vorboten" des menschlichen Strebens bezeichnen.  

 

"Zum Göttlichen zurückkehren, ja, das ist das Nirvana.

Nur, sobald man dort ist und in Kontakt mit dem Göttlichen, sagt es einem: "Geh wieder hinab! Bleib nicht hier, dies ist nicht dein Platz!"

Aber in dieser Hinsicht führe ich einen verzweifelten Kampf gegen all diese Leute, die sich das spirituelle Leben so vorstellen: Brrt! und man geht weg.

Dabei ist das erst der Anfang. Ich halte dem immer die Geschichte Buddhas entgegen: Als er im Begriff war, ins Nirvana einzutreten, wurde ihm schlagartig klar, dass die Erde verändert werden musste... worauf er blieb.

Dazu fällt mir etwas ein im Zusammenhang mit Madame David-Neel. Sehr interessant. Sie war gekommen, um einen Vortrag zu halten. Ich kannte sie bis dahin nicht und lernte sie erst dort kennen. Ich glaube, es war im Rahmen der Theosophischen Gesellschaft. Ich besuchte den Vortrag, und plötzlich, während sie sprach, sah ich Buddha – ganz deutlich: nicht über ihrem Kopf, sondern ein bisschen seitlich. Er war zugegen. Nach dem Vortrag machte man uns dann miteinander bekannt. Ich wusste noch nicht, was für eine Art Frau sie war, und sagte ihr: "Oh, Madame! Während Sie sprachen, sah ich Buddha!" Sie antwortete (wütende Stimme): "Ach, das ist völlig unmöglich, Buddha ist im Nirvana!" (Mutter lacht) Oh! Nun denn... Ich dachte mir: "Sei lieber still!"

Aber er war wirklich da, was sie auch denken mochte.

Und genau dies bedeutet wegzugehen.

(Mutters Agenda, 9. November 1966) 

 

Mutter sprach von einer "Umkehrung des Bewusstseins". Zu diesem Zweck muss das Supramentale Bewusstsein durch unser spirituelles Streben nach unserem Aufstieg in einer umgekehrten Bewegung aus den höheren Bereichen des Mentals herab und in diese Welt hinein gebracht werden, in alle unsere alltäglichen Handlungen und Interaktionen. Es allein ist in der Lage, bis in die materiellen Tiefen vorzudringen, diese von innen heraus zu verwandeln und ihnen damit eine neue Bewusstseinsqualität zu verleihen.  

"Alles Leben ist Yoga" sagte Sri Aurobindo. 

Wo auch sollte das Göttliche Bewusstsein nicht sein?

 

An dieser Stelle sei anzumerken, dass es laut Sri Aurobindo weiterhin Seelen geben wird, die es anstreben, in das Göttliche Nirwana einzugehen.  

 

 

Wohin führt der Weg der Supramentalen Transformation?  

 

"Was also war der Anfang aller Dinge?

Dasein, das sich aus reiner Freude am Sein vervielfältigte und in Millionen und abermals Millionen von Formen stürzte, um sich selbst unzählige Male wiederzufinden.

 

Was war die Mitte?

Teilung, die um die Einheit in der Vielheit ringt, Unwissen, das sich um eine Kaskade regenbogenfarbigen Lichts müht, Leiden, das für die Berührung mit unvorstellbarer Ekstase schult. Denn all das sind dunkle Zustände und dissonante Schwingungen.

 

Und wie wird das Ende sein?

Wie wenn Honig, sich selbst kostend, doch auch jeden seiner Tropfen kosten könnte, und alle seine Tropfen könnten einander und auch die ganze Honigwabe als sich selbst genießen, so könnte es am Ende sein mit Gott, der Menschenseele und dem Weltall."

 

                                                                                Sri Aurobindo, Kaskaden des Lichts 

 

 

Es geht weiter auf unserem evolutionären Weg, indem jetzt der Körper in die Vergöttlichung miteinbezogen wird. Ziel ist dabei nicht, dass sich all die Individualitäten, die sich im Laufe der Inkarnationen herausgebildet haben, nach dem Tod wieder in der "Göttlichen Ursuppe" auflösen. Wozu dann unser ewiges Ringen unter Schmerzen und Entbehrungen? 

"Erhofft euch nichts vom Tod! Im Leben ist euer Heil. In ihm muss man sich transformieren. Auf der Erde schreitet man fort, auf der Erde verwirklicht man. Im Körper selbst erringt man den Sieg", merkte Mutter an, die in ihrer eigenen Transformation unzählige Male die globale Formation des Todes besiegen musste, dass auch wir nachfolgen können. 

Ziel ist, unsere ausgearbeitete Individualität innerhalb dieser Vereinigung zu behalten in einem fließenden, elastischen Körper, der sich jeder Bewegung des Göttlichen Bewusstseins anpassen kann. Wir werden darin sowohl unseren einzigartigen Standpunkt als auch den des Einsseins mit allem was existiert einnehmen können, beides zugleich. Man kann das punktuelle Bewusstsein, als das wir uns einst auf die Reise begaben, als den Farbklecks auf dem Pinsel des Malers betrachten. Immer wieder taucht er in eine andere Farbe ein, mischt neue zusammen, variiert sie und lässt daraus in einer virtuosen Komposition ein wundervolles Bild entstehen. Am Ziel angekommen werden wir in unserer Farbgebung ein einzigartiger, unverwechselbarer und unverzichtbarer Teil des ganzen Bildes sein und erfahren, dass wir nicht nur in jeden der anderen Farbkleckse hineinfließen können, um das Bild aus seinem Blickwinkel zu betrachten. Wir werden in der Lage sein, in alle unzähligen Farben gleichzeitig einzutauchen, um das ganze Bild zu betrachten.

Plötzlich werden wir uns erinnern, dass wir selbst das ganze Bild SIND, während jemand den Rahmen des Bildes stetig vergrößert – denn wir sind ewig ...


Der vergöttlichte Körper

 

 

 

Mutter zu einer ihrer SchülerinnenSavita D. Hindocha, genannt Huta:  "Ich habe die Schönheiten und Wunder der Höheren Welten gesehen. Nun denke ich daran, sie auszudrücken durch Malen in verschiedenen Farben - Blautöne, Goldtöne, Rosatöne und Weißtöne - mit bestimmten Schwingungen von Licht - die alle in Harmonie die neue Welt formen. 

Ich möchte diese Neue Welt auf die Erde herabbringen. Da mir dazu keine Zeit mehr auf Erden bleibt, werde ich durch dich malen..." (‘Pictures of Sri Aurobindo’s Poems’, SABDA Publications, Indien)

  

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Nach einer unzähligen Reihe von Toden und Wiedergeburten ist die Menschheit an einem Punkt angekommen, an dem die Körper weit genug entwickelt sind, um die Transformation zu vollziehen. Die ursprünglichen Chakren als Kraftzentren werden wiedererweckt, gereinigt und vollkommen geöffnet. Sehr wahrscheinlich treten sie wieder an die Stelle der großen Organe, die zurückgebildet werden.

Die Starrheit unserer jetzigen Körper wird abgelöst werden durch eine materielle Fluidität und Anpassungsfähigkeit, die jeder Bewegung des Göttlichen Bewusstseins folgen kann.  Sri Aurobindo sagte über das Supramentale Bewusstsein, es sei  flüssiger als Gas und gleichzeitig härter als Diamant. 

Das Herz-Kreislaufsystem wird ersetzt werden durch das Kraftzentrum des Herzchakras und die Atmung erfolgt nicht mehr allein über die Lungen. Wir werden vom Göttlichen Licht sowohl geatmet als auch ernährt. Dies erfolgt in einem bestimmten, wellenartigen Rhythmus mit einer kurzen Pause dazwischen, wobei sich das neue Bewusstsein spürbar im ganzen Körper ausbreitet. 

Entsprechend werden sich die Verdauungsorgane zurückbilden. "In der Nahrung ist bereits der Keim des Todes enthalten", stellte Mutter im Laufe ihrer eigenen Transformation fest. 

Den Tod in der herkömmlichen Form wird es nicht mehr geben, die bisherige Fortpflanzung durch Geburt in einen neuen Körper entfällt. Die Geschlechtsorgane bilden sich zurück, wir werden geschlechtslos sein.

Wir werden die Fähigkeit besitzen, die Materie aus eigener Kraft und nach unserer Vorstellung umzuformen. 

 

Sri Aurobindo sprach von einem Zeitrahmen von etwa 300 Jahren, bis eine Gruppe supramentaler Wesen auf der Erde "erscheint" und als erstes supramentales Geschlecht die nächste Stufe der menschlichen Evolution begründet. Sie werden mit der entsprechenden Macht ausgestattet sein, jeglichem Angriff von vitaler oder menschlicher Seite zu widerstehen. 

Es ist möglich, dass dies der Augenblick des Umbruchs ist, auf den sich Sri Aurobindos Vorhersage über Europa bezieht.    

 

Hier gibt Mutter einen der schönsten Einblicke in die Zukunft unseres Seins.

 

 

 

 

 

Zuletzt bearbeitet am 25. Juli 2018