Zukunftsangst begegnen

 

 

 

Gott im Innern führt uns immer richtig, sogar, wenn wir des Unwissens Ketten tragen; doch dann wird das Ziel, obwohl es feststeht, in Kreisläufen und auf Umwegen erreicht.

 

Sri Aurobindo

 

 

 

Wir leben in einer Zeit der Zersetzung (Mutter)

 

 

„Ich habe Angst um meine Kinder und Enkel, nur noch Angst!!“

 

Dieser Satz wurde wortwörtlich wiedergegeben ob der geopolitischen Situation und ist nur wenige Tage alt. Man bedenke: Wir leben in Deutschland, im Jahr 2018. 

 

Wer sich im Netz kundig macht und den Zustand begreift, in dem wir uns als Menschheit befinden,  wird leicht von Zukunftsangst beschlichen. Viele Menschen sind von den Folgen direkt und auf tragische Weise betroffen und erkennen, dass wir aus eigener Kraft da nicht mehr herauskommen. Viele haben resigniert, hadern mit Gott oder verleugnen Ihn. Wie es aussieht, werden wir bewusst an diesen Punkt gebracht, um zu erwachen. 

„Bevor sie abtritt, erhebt sich die Lüge mit all ihrer Macht,“ stellten Sri Aurobindo und Mutter schon vor Jahrzehnten fest und beschrieben die Folgen für die Zukunft recht detailliert. Sie erklärten uns auch die Hintergründe und den Weg da heraus. Anfänglich und zeitgleich mit der Entstehung von Auroville, der Stadt der Morgenröte, waren sie noch öffentlich "im Gespräch" und wurden auf der ganzen Welt bis hinauf in die höchsten Regierungskreise um Rat gefragt.  

Inzwischen ist es still geworden. Auch das sahen sie voraus. Die Zeit des Redens ist vorbei, sagte Sri Aurobindo. Und Mutter mahnte: Versteht ihr nur die Katastrophe? 

 

 

Gott wird Gestalt annehmen, während die weisen Männer reden und schlafen. 

Sri Aurobindo

 

 

Wie angekündigt arbeiten Sri Aurobindo und Mutter weiterhin daran, dass sich die Neue Welt verwirklicht – für die, die sich dafür öffnen. Das beinhaltet u.a. das Versprechen,  die Regierungen der Nationen dem direkten Einfluss des Supramentals zu unterstellen. Wer die globalen Interaktionen aufmerksam beobachtet, erkennt, wo und in welchem Umfang das bereits der Fall ist.  

Viele Menschen spüren das Zusammenziehen und Wirken immenser Kräfte  hinter den Kulissen und das wütende Aufbäumen jener, die dabei ans Licht gezerrt und entmachtet werden. Sind sie empfänglich für das Supramentale Bewusstsein, empfinden sie eine permanente unerklärliche psychische und körperliche Anspannung. Denn die Trennung der Materie von allen anderen Bewusstseinsebenen ist eine Illusion. 

Weshalb wissen nur so wenige Menschen über die Hintergründe Bescheid? Und wenn sie davon hören, weshalb finden sie es so ungeheuerlich, dass sie es als Unsinn abtun? Und: Cui bono? 

Es ist wie mit jeder Wahrheit. Es wird immer irgendeine Seite geben, die glaubt, davon zu profitieren, dass alles bleibt, wie es ist. Aber so funktioniert Evolution nicht. Und Angst muss man nur dann haben, wenn man zu jener Seite der "Gestrigen" gehört, die sich nicht weiterbewegen wollen. 

 

  

Das vom Göttlichen vorhergesehene Ziel wird immer erreicht, aber geradewegs und wissentlich nur von solchen, deren Bewusstsein mit dem des Göttlichen vereint ist; die anderen – die überwiegende Mehrheit jener, die nur ihres äußeren Wesens bewusst sind – erreichen dies Ziel erst nach vielen Abirrungen, wobei sie ihm bisweilen geradezu den Rücken zu kehren scheinen.

 

Mutter

 

 

Die Welt ist ein gefährlicher Ort geworden, wenn man sie nur nach der äußeren Erscheinung beurteilt und sich nicht in den großen Zusammenhang eingebettet fühlt, bzw. nichts davon weiß. Uns wurde gesagt, dass schwere Zeiten auf uns zukommen und dass es für eine Weile so bleiben wird. Die Widerstände gegen das Kommen der neuen Erde sind enorm. Bis wir bereit sind, unsere kleinen Egos zu überwinden. Die neue Welt und unser neues Sein werden von einer anderen Beschaffenheit sein. Die bisherigen Machtinstrumente und materiellen Reichtümer sind dort wirkungslos. Und doch werden wir ganz materiell weiter existieren, auch, wenn es eine neue Form der Materie sein wird.  

Nur ein kleiner Teil der Menschheit verfügt über eine stabile Glaubensgrundlage, auf der er lebt. Ein unumstößliches Vertrauen in die Führung einer Göttlichen Macht, die alles stützt und aus diesem Chaos in nächster Zukunft etwas Gutes erwachsen lässt. Bewusste Menschen erkennen auch dafür die ersten Anzeichen. 

Noch brauchen wir Geduld und Durchhaltevermögen. Wenn wir unser Bewusstsein entsprechend ausrichten, sind wir geschützt und haben schnellstmöglich daran teil. Es ist zuweilen herausfordernd, aber das neue Sein ist es wert, durchzuhalten. "Wartet auf den letzten Akt", gab der Höchste den Zweiflern und Strauchelnden als Antwort. 

 

Leider zeigt die Erfahrung, dass manche das gar nicht hören und glauben WOLLEN. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Vielerorts bestimmt Trägheit die Lebensführung. Man gibt sich mit materiellem Wohlstand und Genuss zufrieden.  

Der Gedanke, die Kontrolle abgeben und sich eingestehen zu müssen, dass man NICHTS weiß und NICHTS mehr im Griff hat, ist unerträglich für das Ego. 

Groß sind die Zweifel, an einen falschen Guru zu geraten. Diese Angst ist durchaus berechtigt und wird entsprechend ausgenützt.    

Die gefühlte Ohnmacht gegenüber den äußeren Lebensbedingungen führt zu Resignation und Stillstand der inneren Entwicklung.

Unsere unbewusste Kindheitsprägung erlaubt es nicht, "gescheiter" und bewusster zu sein als unsere Eltern, um weiterhin von ihnen geliebt zu werden. Aber wir haben nicht nur die Erlaubnis, sondern die Bestimmung, unser Bewusstsein über das unserer Eltern und Vorfahren, also auch über unsere Kindheitsprägungen hinaus, weiter zu entwickeln. Deshalb sind wir nicht schlechter oder besser als sie, dieses Denken entspringt dem Ego. Es ist einfach nur Teil der Evolution. Vielleicht fällt es uns leichter, weiterzugehen, wenn wir die Vorstellung zulassen, dass wir schon Teil vieler verschiedener Ahnenreihen waren. Es besteht auch die Möglichkeit, dass wir in der momentanen Familienlinie schon eine Inkarnation vor unseren Eltern gelebt haben und jetzt wieder darin inkarnieren, aus vielerlei Gründen.

Immer noch klammern sich viele Menschen an eine Erlösung durch oder nach dem Tod. Aber nach welcher Inkarnation soll das sein? Wir werden wiedergeboren, sehr wahrscheinlich auf diesem Planeten, das ist Fakt. Was also bringt es, den Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten? Leben und Tod sind Teil ein und derselben Medaille. Was auf uns wartet, ist jenseits von beiden.

 

Können wir dann überhaupt aktiv etwas tun?

 

 

"Hingabe in der Aktion" richtig verstehen

 

"Du mit deiner ewigen Hingabe! Wo ist dein Gott denn heute? Wir müssen selbst etwas tun!" Nach dem Motto: Entweder, Gott tut etwas, oder wir packen es selbst an.

Nicht nur mir schlägt dieser Satz oft entgegen, weil die Bedeutung von Hingabe und integraler Spiritualität nicht verstanden wird. Jeder projiziert in diese Begriffe hinein, was seiner Lebensprägung entspricht, und für viele sind Hingabe und Glaube ein Widerspruch zum Tätigsein im Alltag. 

Schon Sri Aurobindo und Mutter beklagten das Unverständnis, die Überlegenheit der Göttlichen Macht zu akzeptieren und auf die rechte Weise in das Leben zu integrieren. "Ohne Ihn sind wir hilflose Wesen", sagte Mutter immer wieder. Betrachtet man den Zustand der Welt, kann man nur beipflichten. 

Hingabe ist im Grunde sehr leicht, man muss es einfach nur tun. Sie tut nicht weh, beansprucht nur minimale Zeit und kostet keinen Cent. Trotzdem funken Zweifel und die Sucht unseres Egos nach Anerkennung und Erfüllung seiner niederen Begierden ständig dazwischen. Auch tendiert das Ego zu Ungeduld und erwartet baldige Ergebnisse.  

Selbst auf dem Weg der Transformation bricht die Bereitschaft, seine Störungen zurückzuweisen, immer wieder ein. Das ist nicht weiter verwunderlich, weil man dabei gegen die Übermacht der gesamten irdischen Natur anschwimmt. Die Stärke zur Überwindung bekommen wir allein durch die Arbeit des Göttlichen Bewusstseins in uns. 

Hingabe  oder Überantwortung mit "unserem" TUN in Einklang zu bringen, gelingt nicht sofort. Viele Menschen verwechseln Hingabe mit Passivität: „Der Herr wird’s schon richten“.  Nicht selten verharren sie in purer Anbetung. Aber durch wen soll ER denn handeln, wenn nicht durch uns? Hier ist das zielgerichtete, das Kommen der Neuen Welt beschleunigende Handeln gemeint, denn der Höchste nutzt einen jeden von uns, um Sein Ziel zu erreichen. Die Verwirklichung eines Ziels, dem wir alle vor langer Zeit zugestimmt haben. 

 

 

Sri Aurobindo:"Das ist ein dekadentes Mental, wenn die Menschen mehr an ihre Sicherheit und Bequemlichkeit denken und um jeden Preis in Frieden leben wollen."

 

Schüler: "Zeigt sich bei diesen Nationen nicht die Wirkung des Karma-Gesetzes?"

 

Sri Aurobindo:"Ja, es ist ihr Karma. Aber wenn sie durch das Leiden gehen können und den Preis bezahlen, können sie ihr Karma abstreifen.

Aber wenn sie den Kampf aufgeben, bedeutet es ihren Untergang.

...

Keine Nation kann durch das Prinzip der Erhaltung ihrer Existenz groß sein, außer, diese steht für eine große Sache, ein Ideal oder sonst etwas Großes. (In diesem Fall ist das Unwägbare wichtiger als das Abschätzbare.)" 

 

(aus den Abendgesprächen, 17. und 18. Juni 1940)

 

 

Esoterische Kreise haben das bereits aufgegriffen und sprechen davon, „in die Aktion zu gehen“. Doch Vorsicht ist geboten: Neben einem lukrativen Markt und daraus resultierenden negativen Abhängigkeiten an menschgewordene "spirituelle Egos" erhebt sich die Frage: Welcher Wahrheit folgen wir? Welcher Instanz sollen wir dabei als Grundlage für unser Handeln vertrauen? Dem, was uns ein menschlicher, selbsternannter spiritueller Lehrer rät, der in seinem Zellbewusstsein dieselben Begierden trägt wie wir? Oft gibt er für teures Geld (Halb-)Wahrheiten und alte Weisheiten weiter, die uns an anderer Stelle kostenlos, umfassender und unverfälschter zugänglich sind. Sie wurden uns seit Tausenden von Jahren von den Avataren, Weisen und Mystikern überliefert, basierend auf realen Erfahrungen.

Oder vertrauen wir besser unserem eigenen inneren Guru, unserem seelischen Wesen? Glauben wir überhaupt an seine Existenz?

 

Für eine gewisse Zeit mag es sinnvoll sein, sich einem menschlichen Führer anzuvertrauen, der spirituell weiter fortgeschritten ist als wir. Ob er aufrichtig dient, erkennt man zum einen daran, dass er kein Bedürfnis nach Bewunderung hat oder danach, Schüler um sich zu scharen. Er wird uns in erster Linie dabei helfen, die seelische Führung in uns selbst zu finden, also an der Öffnung unseres eigenen spirituellen Herzzentrums zu arbeiten. Damit wir ihn nicht mehr brauchen. Dabei kann uns schon das einmalige, schweigende Sitzen in seinem tatsächlich erweiterten Bewusstseinsfeld helfen.

Ist er integer und seine Anleitung selbstlos, wird er uns nicht weismachen, dass wir dafür immer wieder in seine Seminare kommen müssen, um sogenannte Aufbaukurse zu machen oder besondere, geheimnisvolle Einweihungen zu durchlaufen. An Gott gibt es nichts Geheimnisvolles. Das haben Menschen daraus gemacht: in ihrer Unwissenheit oder um andere zu manipulieren. In die Göttliche Führung muss man nicht eingeweiht werden, sie ist unser natürliches Recht, genauso wie das Atmen. Wir müssen sie nur annehmen. 

Auch wird er nicht versuchen, sich über Jahrtausende alte Weisheiten zu erheben, sie anzuzweifeln und sie und ihre Verkörperungen und Vermittler in irgendeiner Form zu kritisieren. Denn er hat sie entweder bereits als wahr erfahren oder weiß, dass er noch ein Stück Weg zur vollkommenen Verwirklichung zurücklegen muss.   

Ist man auf seinem spirituellen Pfad fortgeschritten und durchläuft trockene Läuterungsphasen, in denen Gott sich vor uns verbirgt, fühlt sich das zuweilen tatsächlich an, als würden wir ersticken. So sehr fehlt uns Seine Gegenwart. Diese Zeiten müssen wir aushalten. Die erhaltene Bewusstseinskraft muss von unserem Körper erst assimiliert werden. Gleichzeitig werden wir, metaphorisch ausgedrückt, geprüft, ob wir bisher alles verstanden haben und wie aufrichtig wir es meinen mit dem Weitergehen. Ist es in weltlichen Prüfungen nicht ebenso? Wird der Prüfling befragt, darf der Lehrer nicht helfend eingreifen.   

Besteht eine oben geschilderte Abhängigkeit, sollte man sich also ab einem gewissen Punkt der spirituellen Suche fragen, ob man nicht einfach nur Angst hat, der unsichtbaren höchsten Führung zu vertrauen, die in Form des psychischen Wesens in unserem Inneren wohnt und uns von allen Seiten umgibt. Man ahnt vielleicht, dass damit zwangsläufig das Übernehmen von mehr Eigenverantwortung einhergeht und die tatsächlich anwachsende Kraft größere Lebensaufgaben mit sich bringt. Es kann sogar für eine Weile recht turbulent werden und "Staub aufwirbeln" in unserem Leben. Alles Widergöttliche wird mit einem Mal auf uns aufmerksam, empfindet uns als Bedrohung seiner Existenz und stürzt sich auf uns. Doch dieses Risiko muss man eingehen, das nennt man gelebten Glauben.

Irgendwann wird man mit höheren Erfahrungen belohnt, tritt zunehmend ins wahre Wissen ein und erfährt machtvolle Unterstützung, die sich weder in Worte fassen, noch beweisen lässt.  Dann nimmt auch die Unterscheidungsfähigkeit zu, wahre Lehrer von nicht integeren zu unterscheiden. 

 

Im Integralen Streben ist „alles Leben Yoga“ sagte Sri Aurobindo. Das Supramentale Bewusstsein in die alltägliche Arbeit und unser Handeln hineinzubringen, das Göttliche Bewusstsein durch uns handeln zu lassen, darum geht es. Und das bis hinein in das Bewusstsein der Körperzellen, die es durch ihre Arbeit weiter verströmen in die globale Materie, mit der wir vernetzt sind. 

Nichts ändert sich dabei an unseren alltäglichen Anforderungen. Wir müssen uns weiterhin auf der Arbeit mit Herrn XY arrangieren, zuhause den Müll rausbringen, das Bad putzen und die Einkäufe erledigen. Doch mit der Zeit erfahren wir, dass etwas in uns das alles tut. Vertrauen wir IHM, geschieht das besser, ökonomischer, reibungsloser und ermüdungsfreier, als wenn wir unsere eigene begrenzte Energie dafür einsetzen. Und das wichtigste: Es besitzt eine andere, wesentlich machtvollere Qualität als unser bisheriges Agieren aus rein persönlichen Motiven. Dann leben wir genau diese von vielen geforderte Bewusstseinsveränderung, die Voraussetzung dafür, dass sich auf unserem Planeten etwas verändern KANN. Das ist es, was Sri Aurobindo damit meinte, das Supramentale Bewusstsein in diese Welt hineinzubringen, anstatt ihr zu entfliehen. 

Selbst, wenn das anfänglich oder in manchen Situationen nicht durchgängig gelingt, wird man veranlasst, zu jeder Zeit die entsprechende Initiative zu zeigen, das Bestmögliche zu tun und zu sagen, eine Erwiderung runterzuschlucken und zu schweigen, Zivilcourage einzusetzen oder wegzugehen, zu diskutieren, zuzuhören und die eigene Meinung zu revidieren, sich abzugrenzen oder helfend einzugreifen, richtige Entscheidungen zu fällen, sich aus unliebsamen Abhängigkeiten zu befreien, neue Wege zu versuchen, belastende Lebensumstände auszuhalten, u.v.m  

Die einzige Schwierigkeit ist, dass es Zeit braucht, um zu lernen, unsere innere Führung von den Begierden unserer niederen Natur, äußeren Einflüssen oder Einflüsterungen zu unterscheiden. Doch es ist diese ständige Ausrichtung auf die Göttliche Führung, die eben jene Unterscheidungsfähigkeit zur Folge hat. Ebenso wie die Fähigkeit, auch im Außen Lüge von Wahrheit zu unterscheiden. Das gilt für das persönliche Lebensumfeld ebenso wie für globale Ereignisse.  

 

Vielleicht projizieren manche Menschen in die Begriffe "Hingabe" und "Überantwortung" etwas hinein, das einen Widerstand in ihnen auslöst. Eine Art Hilflosigkeit, Entmündigung oder Lähmung unseres Seins in dieser Welt, etwas, das uns schwächt und dazu führt, den täglichen Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein?  Die Angst, "unterzugehen", uns und unsere Individualität in Gott zu verlieren? Wobei das eher auf das Nirvana zutrifft.

Schwäche war im Tierreich etwas Fatales. Schwache und kranke Tiere wurden ausgestoßen aus dem Rudel und waren meist dem Tod geweiht. Diese Erfahrungen schlummern heute noch in unseren Körperzellen. Hinter dem menschlichen Bestreben, Alphatier zu sein und andere zu kontrollieren, verbirgt sich nicht selten eine tief verwurzelte Existenzangst. 

Tatsächlich bedeuten Hingabe oder Überantwortung an die Göttliche Führung das Gegenteil: Wir werden uns IN IHM wiederfinden, mit unserer seelischen Individualität. Nichts geht von uns verloren, wir gewinnen das Göttliche Bewusstsein und Seine allumfassende Schau dazu. Es ist das Ego mit seiner verzerrten Sicht, das dabei im Weg steht, das zerlegt wird, sich schwach fühlt und leidet. 

 

Vielleicht ist eine andere Vorstellung hilfreicher: Haben wir als kleine Kinder nicht jeden Schritt unserer Eltern genau beobachtet und imitiert? Um von ihnen zu lernen und irgendwann genauso "groß", "stark" und "klug"  zu werden?

Wollen wir eine neue Fertigkeit erlernen, bleiben wir dann nicht anhaltend und intensiv an den Personen dran, die sie perfekt beherrschen? Studieren ihre Werke und beobachten jeden ihrer Schritte? Hören auf ihre Anweisungen? Bewundern wir sie nicht sogar und identifizieren uns insgeheim mit ihnen? Sind ihnen gegenüber absolut offen und aufnehmend? 

Genau dem gleicht die Hingabe oder Überantwortung an das Göttliche: Wir werden still und lauschen Seinem Impuls, schmiegen uns zu jeder Tages- und Nachtzeit ganz dicht an Ihn, um von Ihm und durch Ihn zu lernen, uns weiterzuentwickeln, Ihm immer ähnlicher zu werden. Er befreit uns dabei nachhaltig von allen Hindernissen, beschützt uns gegen feindliche Einflüsse, die uns daran hindern wollen und weitet unser gesamtes Bewusstsein bis in die Körpermaterie hinein mit sanfter Unbeugsamkeit, bis es mit dem Seinen vollkommen in Resonanz geht und wir Seine Schau erreicht haben. Unser individuelles Seelenbewusstsein tastet er nicht an, im Gegenteil: Er fördert seine Stärke, um diesen Weg durchzuhalten. Genau dafür haben wir den langen, evolutionären Individualisierungs-Prozess auf uns genommen.  

 

  "Wenn man mit aller Aufrichtigkeit auf der Seite des Göttlichen steht, IST man alles, was man sein soll.

Sri Aurobindo hat das immer gesagt: Wenn die Menschen doch nur wüssten, dass sie, wenn sie sich in aller Aufrichtigkeit dem Göttlichen hingeben und auf die Seite des Göttlichen stellen, alles sein werden, was sie sein sollen.

Es mag lange dauern, es mag Aufruhr und Schwierigkeiten geben, doch man muss unbeirrbar sein: "Ich bin für das Göttliche und die göttliche Manifestation, komme was wolle!" Dann ist es die Allmacht – SOGAR ÜBER DEN TOD.

Ich sage nicht morgen, ich sage nicht unverzüglich, aber... das ist eine Gewissheit."

(Mutter, 4.April 1972)

 

 

Unsere Vorstellung von Gott

 

In Gottes Namen wurden so entsetzliche Gräueltaten begangen, dass allein der Begriff "Gott" bei vielen Menschen eine bewusste oder unbewusste ablehnende Haltung hervorruft. Wer die wahren Absichten jener, denen wir das verdanken, nicht erkannt hat, bei dem bleibt tatsächlich ein Funke negativer Ehrfurcht oder Abneigung gegen Ihn zurück, weil er das alles "mitgespielt" oder zugelassen hat. Es ist inzwischen zur festen Redensart geworden, dass man eine Lüge nur lang genug wiederholen muss, damit sie geglaubt wird. Weil sie in unser Unterbewusstsein absinkt und von dort heraus wirkt, wenn wir sie nicht hinterfragen und entlarven.

 

Der wahre Gott ist nicht der Gott der Religionen, denn er unterliegt keinerlei Begrenzung. Er beinhaltet diese und geht über sie hinaus. Einschränkungen, Bedingungen und Wertungen derselben sind menschengemacht.  

Er ist weder nachtragend, noch bestrafend. Er kann nicht beleidigt werden und Er ist nicht rachsüchtig. Er ist immer, zu jeder Zeit und in jeder Situation zu erreichen und bereit, unser Leiden abzumildern. Wir brauchen nicht auf eine uns versprochene Ankunft oder Wiederkunft zu warten. Im Gegenteil: Wir müssen uns auf diese vorbereiten, um sie ertragen zu können, ohne uns zu entkörpern. Denn unser evolutionärer Bewusstseins-Prozess erklimmt eine Stufe nach der anderen.  Wir müssen ihn mitvollziehen, damit der Abstand nicht unüberbrückbar wird.

 

Es braucht Zeit, bis die alte Gewohnheit abdankt, zu glauben, Gott verstünde unser Schicksal und unser Eingebundensein in die alltäglichen Verpflichtungen nicht in dem Maße, wie wir das tun. Oder wir seien zu schlecht, verdorben oder minderwertig, als dass er uns unter diesen Umständen erhört. Er tut es in jedem Fall bis zur letzten Sekunde unseres irdischen Daseins und darüberhinaus. Es ist die widergöttliche Seite, die uns bis zuletzt einflüstert, es nicht wert zu sein. Wir sind es, die sich Ihm gegenüber (wieder) öffnen müssen, um uns aus der Hypnose der niederen Energien zu befreien.   

Das Göttliche braucht keine Lobhudelei, keine besondere Sprache, Riten oder Unterwürfigkeit in der Annäherung, nur unser Wollen und unsere beharrliche Aufrichtigkeit. Wir können Ihm gar nicht nahe genug sein. Sehr oft werden wir uns mit Ihm sogar gewaltig reiben, im Läuterungsprozess mit Ihm ringen und kämpfen. Das erst befähigt uns am Ende, Seine unermessliche Liebe zu ertragen, vor allem in den Körperzellen. Doch dazu muss der Tempel reingefegt und unser gesamtes Sein von den alten Verkrustungen und Verhärtungen befreit werden.  

 

 

Gott wirklich zu fürchten heißt, Abstand von Ihm zu wahren; Ihn aber spielend zu fürchten, gibt der Seligkeit zusätzliche Würze. 

 

Wenn du Gott nicht dazu bringen kannst, dich zu lieben, bringe Ihn dazu, mit dir zu kämpfen. Will Er dich nicht in Liebe umarmen, zwinge Ihn, dich zu umarmen im Kampf. 

 

Wenn du nicht lernen kannst, mit Gott zu kämpfen wie ein Ringer mit seinem Sparringpartner, wird dir deine Seelenstärke auf ewig verborgen bleiben. 

 

Sri Aurobindo

 

 

Für manche Menschen ist es unglaublich, dass wir es der Enthüllung Seiner unendlichen Möglichkeiten in Raum und Zeit verdanken, dass so etwas wie Internet, Handys, Waffen aller Art, Sexspielzeug oder Genmanipulation entwickelt wurden. ER ist moderner und humorvoller, als wir es uns vorstellen können. Ist Er doch alles was ist, einschließlich dessen, was die Zukunft für uns bereithält und was wir erst noch ent-decken werden – alles zu Seiner Zeit und vor allem nach der Notwendigkeit für unser Wachstum. Dem widerspricht nicht, dass Er jetzt all das aus der irdischen Schöpfung entfernt, von dem Er nicht mehr will, dass es sei. 

Das Göttliche Bewusstsein ist nicht dazu da, uns zu Diensten zu stehen und alle unsere Wünsche zu erfüllen. Das käme einer Leinwand gleich, die dem Filmapparat vorschreibt, was er darauf zu projizieren hat und was nicht. Manchmal gewährt er uns, um was wir bitten, manchmal nicht. Und hin und wieder gesteht er uns Dinge zu, die uns schaden. Um uns zu zeigen, wovon wir uns abwenden sollen, weil sie uns auf unnötige und leidvolle Umwege führen. 

 

 

 Dies habe ich erkannt: Was auch immer Gott mir vorenthalten hat, Er enthielt es mir vor in Weisheit und Liebe. Hätte ich trotzdem danach gegriffen, dann hätte ich etwas sehr Gutes in etwas sehr Giftiges verwandelt. 

Und doch gibt Er uns manchmal, wenn wir darauf bestehen, Gift zu trinken, damit wir lernen, uns davon abzuwenden und Nektar und Ambrosia* aus Seiner Hand wissend zu kosten. 

 

Sri Aurobindo 

 

* Nektar und Ambrosia: Getränk und unsterblich machende Speise der Götter 

 

 

 

Ist Gott für uns tatsächlich direkt erreichbar? 

 

Er ist uns näher als unser eigenes Hemd. Aber immer noch schlummert in manchen von uns die Vorstellung, Er befände sich weit „über“ uns, getrennt von uns, alles aus einem vollkommen anderen und eigenen Blickwinkel betrachtend. Das stimmt sogar, aber nur in der Hinsicht, als das Göttliche sowohl unseren Blickwinkel einnehmen kann als auch gleichzeitig alle Blickwinkel eines jeden Menschen auf diesem Planeten, sowie von jedem Punkt der Materie und darüberhinaus bis hinein in die astralen Welten und Universen bis hin zu Seiner gnostischen Schau, die nur die Harmonie des Ganzen wahrnimmt, und darüber hinaus. Was sich uns vollkommen entzieht. Alles ist vernetzt mit Allem, auch wir. Aber nur Er sieht das ganze Bild und kann es somit zum Besseren verändern. Sind wir uns dieser Ganzheit wieder bewusst, endet alles Leid und wir treten in Seine Harmonie und Freude ein. 

Und trotzdem trauen wir Ihm nicht zu, uns zu verstehen und die Dinge für uns in die richtige Bahn zu lenken. Oder wir meinen, dass unsere Sorgen und Nöte zu gering oder zu festgefahren und unabänderlich wären, um uns damit an Ihn zu wenden. Manchmal tut er das scheinbar auch nicht oder erst viel später, weil er andere Pläne mit uns hat. 

Davon abgesehen, dass unser Körpersystem es gar nicht ertragen könnte, wenn sich die Göttliche Macht auf einen Schlag in uns manifestieren würde, "denkt" der Ewige in anderen zeitlichen Kategorien als wir: „Er hat keine Eile“ sagte Mutter. Wüssten wir, dass auch wir ewig sind, würde das zu unserer „Entschleunigung“ beitragen und den nötigen Gleichmut zum Durchstehen dieser stürmischen Zeit fördern. Damit wir unserem Leben und allem, was darin geschieht, mit Vertrauen begegnen und entsprechend besonnen und angstfrei handeln. Ohne unsere kleinen Egoismen und in jeder Situation zum Wohle aller Menschen. Das beinhaltet auch den zeitweiligen Rückzug von der Außenwelt, wenn es unserem Schutz und unserer Hingabe dient. Diese Prioritäten müssen wir treffen, wenn wir dem Integralen Yoga folgen. 

 

Befinden wir uns in einer schmerzhaften Situation, wollen wir schnellstmöglich da heraus. Die Absicht unseres seelischen Wesens, Erfahrungen zu machen, sich weiter zu entwickeln, einen Kraftzuwachs zu erreichen und dafür vielleicht ein Schicksal zu akzeptieren, das uns zunächst als leidvoll erscheint, bleibt unserem äußeren Sein so lange verborgen, bis wir anfangen, einen spirituellen Pfad zu beschreiten. Diese permanente Ausrichtung auf das Göttliche Bewusstsein bringt es mit sich, dass wir mehr und mehr eins mit dessen wahren Absichten werden und die höhere „Logik“ erkennen hinter allem, was passiert. Die bisherige Trennung zwischen Ihm und uns schmilzt und wir wachsen unmerklich in Seine weitere, höhere und tiefere Sichtweise hinein. Damit beginnt die Akzeptanz unserer Lebensumstände und Führung, setzt sich fort mit Bereitwilligkeit und führt letztlich zur absoluten Überantwortung. 

Vergleichbar mit einer werdenden Mutter, deren hormonelle Umstellung im Körper (im Idealfall) dafür sorgt, dass sie von freudiger Erwartung erfüllt ist und ihr Kind bereits liebt, wenn es auf dem Ultraschallmonitor noch gar nicht sichtbar ist und nur aus ein paar winzigen organischen Bausteinen besteht. Sie bereitet liebevoll das Kinderzimmer für seine Ankunft vor, kauft hübsche und bequeme Kleidung ein, ernährt sich gesund und übt Verzicht in manchen bisherigen Gewohnheiten, die dem ungeborenen Leben schaden könnten.     

 

*

 

 Satprem liest Mutter aus einem alten Entretien vom 15. Juli 1953 vor, in dem sie sagte:

 

"Ihr werdet sehen, dass eure ganze Vorstellung und Auffassung [vom Paradies und von der Hölle] auf einer Sache oder einem Wesen beruht, das ihr Gott nennt, und auf einer Welt, die ihr seine Schöpfung nennt, bei welchen es sich, wie ihr glaubt, um zwei verschiedene Dinge handelt. Das eine, welches das andere schuf, und das andere, das dem ersten untergeordnet ist und der Ausdruck dessen ist, was das erste schuf. Und darin besteht der ursächliche Irrtum.

Könntet ihr zutiefst spüren, dass es keine Trennung zwischen dem gibt, was ihr Gott, und dem, was ihr Schöpfung nennt, wenn ihr euch sagen könntet: "Es ist genau dasselbe", und wenn ihr SPÜREN könntet, dass das, was ihr Gott nennt (vielleicht ist es ja nichts als ein Wort), auch leidet, wenn ihr selbst leidet, auch unwissend ist, wenn ihr selbst unwissend seid, und dieses sich durch die gesamte Schöpfung langsam aber sicher, Schritt für Schritt, selbst wiederfindet, sich mit sich selbst wiedervereint, sich selbst verwirklicht, sich selbst ausdrückt, und dass die Schöpfung in gar keiner Weise etwas ist, das es auf willkürliche Weise wollte und auf willkürliche Weise schuf, sondern vielmehr ein wachsender, sich stetig entwickelnder Ausdruck eines Bewusstseins, das sich selbst objektiviert ... Anstatt nun wie ein kleines Kind zu sein, das sich auf die Knie wirft, die Hände faltet und sagt: "Mein Gott, ich bitte Dich, mach mich brav, damit ich meiner Mutter keine Sorgen mache"... (das ist sehr leicht und, mein Gott, ich kann nicht sagen, dass es schlecht wäre!) Anstatt eine Kerze anzuzünden und dich mit gefalteten Händen davor hinzuknien, zünde eine Flamme in deinem Herzen an und hege eine große Aspiration für "etwas Schöneres, Wahreres, Edleres, Besseres als alles, was ich kenne; ich bete, dass ich morgen all diese Dinge zu erkennen beginne, dass ich alles, was ich jetzt nicht tun kann, morgen zu tun beginne – und jeden Tag ein wenig mehr."

Wenn man die Sache ein wenig stärker objektiviert und aus dem einen oder anderen Grund mit viel Elend in der Welt konfrontiert wird, wenn man Freunde hat, die unglücklich sind, oder Eltern, die leiden, oder sonstige Schwierigkeiten, was es auch sei, wenn man dann bittet, dass sich das gesamte Bewusstsein GEMEINSAM zu dieser Vollkommenheit, die sich manifestieren soll, erheben möge und dass all diese Unwissenheit, die die Welt so unglücklich gemacht hat, sich in eine erleuchtete Erkenntnis verwandeln möge und dass all dieser böse Wille sich in Wohlwollen klären und transformieren möge ... Wie schön wären doch solcherlei Gebete!"

 

Mutters Anmerkung dazu: 

 

"Ich erinnere mich, dass ich bei diesen "Unterrichtsklassen" an bestimmten Tagen wusste, dass das Psychische sprach, und an anderen Tagen allein das Mental. Und ich erinnere mich noch, dass an diesem Tag die psychische Präsenz besonders stark war.

Das ist interessant."

 

So notwendig das Mental für unseren evolutionären Fortschritt war, so sehr steht es uns heute im Weg, gepaart mit Stolz. Wir sind regelrecht verliebt in „unsere“ Gedanken.

"Werdet wie die Kinder" ist keine bloße Metapher, um ein Machtverhältnis auszudrücken. Diesen Rat bekamen wir schon vor über 2000 Jahren. Er beschreibt einen tatsächlichen Zustand, eine ausdauernde Haltung dem Göttlichen Bewusstsein gegenüber, um die wir uns ständig bemühen müssen. Kinder schmiegen sich voller Vertrauen an ihre Eltern, lauschen ihren Worten, ahmen sie nach und erwarten von ihnen Schutz, Führung und Liebe.

So klein, hilflos oder ausgeliefert sich das Ego dabei fühlen mag: ER wird uns in diesem Prozess ständig herausfordern und wir werden Phasen durchlaufen, die denen des menschlichen Erwachsenwerdens ganz ähnlich sind: Anspruchshaltung, Trotz, Selbstmitleid, Wut, Trauer, Aufbegehren, Verweigerung, Anzweifeln, Sich-entziehen-wollen und mehr. Das Agni wird unser ganzes Sein tatsächlich so lange bearbeiten, bis wir zum Kämpfer erwachen, mit seiner Hilfe alles zurückweisen, was uns an der Vereinigung mit dem Göttlichen hindert und dadurch endlich unsere eigene Seelenstärke ent-decken.  

Diese Erkenntnis fußt auf Erfahrung.  

 

 

Ein angstfreies Leben ist möglich

 

Beim Lesen im Netz kann man den Impuls manchmal nur schwer unterdrücken, in den Kommentaren oder Foren auf Sätze wie den eingangs zitierten zu antworten. Man empfindet tatsächlich bis ins Körperbewusstsein hinein die Not dahinter. Sie  ruft unendliches Mitgefühl und Traurigkeit hervor. Man verfügt zweifelsfrei über das Wissen, das Leid und Ängste verringert und Antworten auf manch verzweifelte Frage bereithält. 

Wurde man jedoch lange genug mit Ignoranz und einer ablehnenden Haltung konfrontiert, sobald man den Namen Sri Aurobindo erwähnt – und vor allem die praktischen Erfahrungen und Erkenntnisse der Mutter –, lässt man es. Diese Problematik war auch Sri Aurobindo, Mutter und Satprem bekannt. 

Darüberhinaus nimmt man sein Gegenüber sehr differenziert wahr, ungeachtet seiner Worte. Mancher hilfreiche Impuls oder Hinweis wird als negative Kritik und "spirituell unangemessen" bewertet. Denn leider wird von "spirituellen Menschen" in irriger Annahme meist erwartet, dass sie durchgehend lächeln, bereitwillig ihre Liebe und ihr Wohlwollen auf jeden ausgießen und das Ego mit zustimmenden freundlichen Worten bedienen. Ungeachtet dessen, wie man ihnen selbst begegnet. Nur gehört das zum sogenannten "Gutmenschentum" und ist in der heutigen Zeit wenig zielführend. Was nützt es einem Verhungernden, der neben einem Fischweiher wohnt, wenn ich ihm einen Fisch schenke?  Eine Angel und die rechte Anleitung sind hilfreicher.

 

Was wir heute brauchen, ist in erster Linie schonungslose Wahrheit. Nicht umsonst kann die von uns so schmerzhaft ersehnte Göttliche Liebe erst dann in uns erblühen, wenn das supramentale Wahrheitsbewusstsein seine Arbeit in allen Ebenen unseres Seins getan hat.  

 

Satprem liest aus einem Text von Sri Aurobindo vor: 

 

"Das Übermental ist gezwungen, die Freiheit des Individuums zu respektieren ..."

 

Mutter: "Ach! Das ist eine Offenbarung! Das kannte ich noch nicht."

 

"... einschließlich seiner Freiheit, pervers, dumm, widerspenstig und dickfellig zu sein. Das Supramental liegt nicht einfach eine Stufe höher als das Übermental: es liegt auf der anderen Seite der Grenzlinie; es handelt sich um ein anderes Bewusstsein und eine andere Kraft, jenseits der mentalen Grenze."

(es folgt eine Frage:)

"Wollen Sie damit sagen, dass das Supramental gegenüber Personen keinen Respekt hat?"

(Sri Aurobindo antwortet:)

"Aber sicher! genau das will ich sagen. Es respektiert allein die Wahrheit des Göttlichen und die Wahrheit der Dinge." (18.9.1935)

 

 Mutter: "Das ist hochinteressant. Wie wunderbar er das ausdrückt!" 

 

 (Agenda, 27.07.68)

 

 

Als Schüler des Integralen Yoga ist es in Ordnung, seine eigene Sichtweise darzulegen, vor allem, wenn man danach gefragt wird. Die anderen tun das ja auch. Doch man sollte im persönlichen Miteinander nie darauf beharren und in vitale Anspannung geraten. Das öffnet den widergöttlichen Energien die Tür. Jeder hat das Recht auf seinen eigenen Weg, das hat man zu respektieren. Selbst, wenn man erkennt, dass der andere dadurch leidet. 

Es ist schwer, zu akzeptieren, dass das menschliche Ego so sehr in sich selbst verliebt ist, dass es lieber vermeintlich Recht behält, seinen selbstgefälligen Skeptizismus hätschelt und Schmerz in Kauf nimmt, ja sogar den Tod als unumstößliche und naturgegebene Notwendigkeit verteidigt, anstatt sich der allwissenden wohlwollenden Göttlichen Macht zur Verfügung zu stellen, die uns schnellstmöglich aus unserer leidvollen menschlichen Existenz herausführen möchte.

Während der Supramentalen Transformation wird einem dieses Ego sanft und nachhaltig entrissen, bis aus der letzten Körperzelle; die nichts lieber tut, als Altbekanntes immer und immer wieder abzuspulen und sich in Erwartung der allerschlimmsten Szenarien badet.

 

Wie leidvoll unser gegenwärtiges  menschliches Dasein ist, erfährt man deutlich, wenn man ein Stück weit fortgeschritten ist und von einem Zustand in den anderen überwechselt, was dann ständig passiert. Vor allem in der Aufwachphase kehrt das alte Bewusstsein zurück und bringt sich spürbar Schicht für Schicht von oben nach unten durch den Körper in den Vordergrund. Neben einer gewissen Reibung und Überhitzung, dadurch hervorgerufen, dass man nicht mehr im neuen Sein IST, sondern den permanenten Druck des Lichts auf die Körperzellen wieder auf die alte Weise wahrnimmt,  macht sich in manchen Körperregionen ein deutlicher Schmerz bemerkbar. Je nach momentanem Arbeitsfeld und Widerstand ist er stärker oder schwächer, bleibt für längere Zeit oder verschwindet nach ein paar Minuten der Anpassung wieder. 

An anderen Tagen, vor allem dann, wenn man sehr schnell erwacht,  wird der ganze Körper einschließlich der "Psyche" sofort von einem heftigen Unwohlsein erfasst, als würde man in eine Art unwirklichen Alptraum auftauchen. Der zutreffendste Ausdruck, der dafür gefunden wurde ist, "Übelkeit im Gehirn". Dann war man nachts definitiv in einem anderen Bewusstseinszustand. 

Anfänglich dauert diese Übergangsphase nur wenige Sekunden, später mehrere Minuten und länger. Kann man das selbstständig losplappernde Mental abwehren, das einen im Tagesbewusstsein augenblicklich von allen Seiten anfällt, lässt sich die Phase hinauszögern und verlängern.

Es braucht Zeit, bis der Körper in der Lage ist, das neue Bewusstsein auch im Wachzustand aufrecht zu erhalten. Zumal ab einem gewissen Moment die Dosis des Supramentalen Lichts, das durch unseren Körper fließt, täglich erhöht wird. Doch die wenigen Minuten, in denen man diese neue Luft atmet, wie es Satprem ausdrückte, genügen, um die Leichtigkeit unseres neuen Seins zu erfühlen und in Erinnerung zu behalten. 

 

Noch braucht es Zähigkeit und Ausdauer, bis die Widerstände beseitigt sind. Der allseits zitierte Satz "Die Dunkelheit ist vor der Morgenröte am größten" trifft absolut zu auf die heutige Zeit. Gleichzeitig leben wir in "Zeiträumen, in denen schon eine geringe Anstrengung zu großen Ergebnissen führt und das Schicksal ändert ..." (Sri Aurobindo) 

Weshalb nur nutzen wir das uns seit Jahrzehnten überlieferte Wissen nicht als gesamte Menschheit?

Weil viele Menschen noch nicht spirituell auf der Suche sind; weil sie noch nie von der Supramentalen Transformation gehört haben oder es nicht glauben können; weil es Mächte gibt, die dieses Wissen unterbinden und gegen die Verwirklichung ankämpfen.

Somit erinnert die Frage an die Wunschvorstellung "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin..."

Und doch entwickeln wir uns auch dieser Möglichkeit immer mehr entgegen. Die Supramentale Transformation findet inzwischen überall da statt, wo in der Materie Empfänglichkeit gegeben ist.  Mit und ohne unser Einverständnis.  

 

"In fünfzig Jahren wird die Welt, der ganze empfängliche Teil (ich sage nicht "intellektuell", sondern "empfänglich"), der ganze empfängliche Teil der Welt erfasst worden sein – nicht "erfasst": absorbiert von der Macht von Sri Aurobindos Denken. 

Jene, die es bereits jetzt sind, haben den Vorteil, die ersten zu sein. Das ist alles. 

(Schweigen)

Weißt du, das ist sehr interessant: die Mehrzahl der Menschen leben in der Vergangenheit; eine beträchtliche Anzahl (und das sind die interessanteren) leben in der Gegenwart; und einige wenige (vielleicht eine winzige Anzahl) leben in der Zukunft. 

Wenn ich die Leute und die Dinge betrachte, habe ich immer den Eindruck, rückwärts zu gehen. (Mutter macht eine Bewegung, sich rückwärts zu wenden) Und ich weiß ... es ist nicht einmal ein "Wissen", auch nicht ein "Fühlen": ich BIN voraus. In meinem Bewusstsein bin ich im Jahr 2000. Ich weiß, wie es da sein wird, und... (Mutter lacht) das ist sehr interessant.

(langes Schweigen)

Dreiviertel der Menschheit sind zurückgeblieben. ..." 

(Mutter, 16.02.1972)

 

 

Das gute Ende ist gewiss

 

Was in unserem Leben geschieht, im Großen wie im Kleinen, ist nicht wirklich entscheidend. Es passiert und wir haben es abzuarbeiten. Was dabei zählt ist, auf welcher Seite wir stehen. Was unsere Zukunft als Menschheit angeht, dürfen wir die evolutionäre Verantwortung dafür gern dem Göttlichen Bewusstsein überlassen. Es ist schwer genug, sie innerhalb unseres Aktionsradius für uns selbst und die uns für eine gewisse Zeit anvertrauten Menschen zu übernehmen. In dem Maße, wie es unserem Seelenauftrag entspricht, denn jeder Mensch bringt einen vorgefassten Lebensplan mit in diese Welt und hat das Recht auf seine eigene Verwirklichung. Diesen kann dem Einzelnen nur das ihm eigene seelische Wesen enthüllen. Einen besseren Führer gibt es nicht. 

Vertrauen wir uns Ihm an, oder dem, was wir als Göttliche Führung akzeptieren wollen, verschwindet jede Angst. Sogar die vor dem Tod, den wir immer mehr als reines Durchgangsstadium erkennen. Bis auch er nicht mehr nötig ist.   

In der globalen Situation erkennen wir das Spiel höherer Mächte, in dem Wissen, dass die lichtvolle göttliche Seite der Freude, Wahrheit und Liebe trotz des äußeren Anscheins den Sieg bereits errungen hat. Der Durchgang, heraus aus dem alles umspannenden Netz der irdischen Natur in das neue Sein, ist schmal und herausfordernd, aber er ist freigelegt.  

 

Die seit Jahrhunderten prophezeite Neue Welt ist nicht länger ein Mythos, sie ist dabei, augenscheinlich Wirklichkeit zu werden. Sie ist bereits hier. Um in sie eintreten zu können, muss jedes Individuum jedoch die Supramentale Transformation bewusst durchlaufen.

Aussitzen allein reicht nicht.   

 

 

 Die widrigen Verhältnisse der Welt habe ich bereits erwähnt; in diesem Zusammenhang vertreten die Okkultisten gewöhnlich die Auffassung, dass das Eintreten einer Intervention oder einer neuen Offenbarung von oben um so wahrscheinlicher wird, je schlimmer die Verhältnisse werden. 

Der normale Verstand kann nicht wissen – er muss entweder glauben oder nicht glauben, oder abwarten und sehen. 

Was die Frage angeht, ob das Göttliche ernsthaft will, dass etwas geschehe, so glaube ich daran, dass dies seine Absicht ist. Ich weiß mit absoluter Gewissheit, dass das Supramental eine Wahrheit ist und dass aufgrund der Natur der Dinge sein kommen unumgänglich ist. Die Frage ist nur wie und wann. 

Auch dies wird von oben entschieden und vorbestimmt; doch hier wird es inmitten eines ziemlich grimmigen Zusammenstoßes widerstreitender Kräfte ausgefochten. Denn in der irdischen Welt bleibt das vorbestimmte Ergebnis verborgen, und wir sehen nur den Wirbel der Möglichkeiten und der Kräfte, die etwas erreichen wollen, während das wahre Schicksal dem menschlichen Auge verborgen bleibt. 

Gewiss ist jedoch, dass eine bestimmte Anzahl Seelen herbestellt wurden, um sicherzustellen, dass es jetzt geschehe. 

 

Sri Aurobindo, 28.12.1934

 

 

  

Anm: Vor allem der Gesichtspunkt der Hingabe oder Selbstüberantwortung zieht sich durch sämtliche Blogeinträge, unter den jeweiligen Schwerpunkten thematisiert.

Diese Wiederholungen sind beabsichtigt.  

  

 

 

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Zuletzt bearbeitet am 10. August 2018


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