Krankheiten

 

 

 

 

 

Der Spirit in uns ist der einzige allwirksame Arzt, und sich ihm anheimzugeben ist für den Körper das einzige wahre Allheilmittel. 

 

Sri Aurobindo

 

 

Vielfältige Macht der neuen Schöpfung

(Die spirituelle Bedeutung der Blumen; Mutter) 

 

 

Ursachen und Bewusstseinswandel

 

Äußere Ursachen für gesundheitliche Störungen sind inzwischen ausreichend erforscht: 

Ungesunde Ernährungsweise, Genussmittelsucht, exzessiver ermüdender Lebenswandel, das ständige Beschäftigen mit negativen Gedanken des Grolls oder der Befürchtungen, der sogenannte „sekundäre Krankheitsgewinn“ und viele mehr.  

Innere Ursachen in dem Zusammenspiel von Organen und Bewegungsapparat können vielfältige Auslöser haben. Darüber zu spekulieren ist wenig zielführend, da die meisten unserer Funktionen nicht der bewussten Kontrolle unterliegen. 

Karmische Ursachen können sich als angeborene Behinderung oder Krankheit zeigen oder zu einem späteren Zeitpunkt manifestieren. 

Zudem sind wir vielfältig vernetzt in diesem irdischen System und mannigfaltigen Suggestionen ausgesetzt.  

Etliche Seelen wählen momentan ein nach außen hin tragisch erscheinendes Schicksal,  um die nötige Kraft für die spätere Transformation zu entwickeln. 

 

Grundsätzlich ist eine Krankheit ein Ungleichgewicht in unserem Sein und seiner Funktion und kann im vitalen, mentalen oder körperlichen Bereich ihren Ursprung haben. Selbst Unfälle können durch ein solches Ungleichgewicht ausgelöst werden. Man denke an vitalen Übermut oder Geltungssucht, die leicht zu einem Sturz führen können – in jeder Hinsicht. 

Wo und wodurch auch immer die erste entartete Schwingung in uns auftritt: Durch „Ansteckung“ werden meist kurze Zeit danach andere Bereiche unseres Systems miteinbezogen, die eine Krankheit als solche erst manifestieren. Wir sind es evolutionsbedingt seit dem Auftreten von Vital und Mental gewohnt, aus einem Symptom eine „tragische Geschichte“ zu kreieren und damit alles zu verschlimmern und festzuschreiben. Eine ganze Industrie lebt davon, diese angeblichen „Naturgesetze“ am Laufen zu halten und durch „wissenschaftliche Erkenntnisse“ zu untermauern.

 

Trotzdem setzen sich sogenannte alternative Heilmethoden immer mehr durch:

Ein Dr. G. Hamer zeigte auf, dass ungelöste Konflikte krank machen und Tumore als Heilungsgeschehen des Körpers betrachtet werden können. Er wurde dafür als Arzt geächtet. Russische Forscher kamen zu demselben Ergebnis, noch differenzierter ausgearbeitet. Sie mussten untertauchen, um zu überleben.

Mutter erwähnte das Beispiel eines eingewachsenen Haares, um das herum der Körper vermehrt Zellen bildete, um es "loszuwerden" und einzukapseln. Ein Tumor...?! 

Fereydoon Batmanghelidj schrieb wunderbare Bücher über die Heilkraft des Wassers.

Russlands Präsident Wladimir Putin will die Sicherheit von Impfstoffen in Zukunft durch eigene, konzernunabhängige Studien in Russland untersuchen lassen. In Russland hatten sich in den letzten Jahren Meldungen gehäuft, die das Auftreten von chronischen Erkrankungen und Fehlentwicklungen von Kindern, insbesondere Autismus, in Zusammenhang mit Impfungen brachten. Die Nachrichten über verunreinigte Impfstoffe u.a. nehmen auch bei uns stetig zu und der Sinn von Impfungen wird immer häufiger hinterfragt.  

Claudia Rainville schrieb eines der besten Bücher über Metamedizin. 

Dr. Johanna Budwig behandelte über 40 Jahre lang erfolgreich Krebskranke und war mehrfach für den Nobelpreis nominiert. Sie befasste sich mit der Auswirkung lebensnotwendiger und ungesunder Fette (Transfette), die in unserer heutigen Fertignahrung zuhauf enthalten sind und uns krank machen.

Auf seine Gedanken zu achten, da sie danach streben, sich zu verwirklichen, wissen wir seit dem Aufkommen des sogenannten "Positiven Denkens". Verbunden mit Namen wie K.O. Schmidt oder Joseph Murphy, mehrfach "nacherzählt" durch andere Autoren.

Wir rauben uns gegenseitig Lebensenergie, weil wir nicht wissen, dass wir sie mit etwas Übung selbst aus dem uns umgebenden vitalen Feld schöpfen können. Dafür gibt es gute Bücher über Pranaheilung und Kurse in Tai Chi oder Qigong. Sri Aurobindo merkte an, dass man damit Erschöpfungszustände korrigieren und Heilung beschleunigen könne. 

  

Wer wirklich sucht, wird fündig (siehe Lit.) und kann dadurch bereits eine anhaltende Bewusstseinserweiterung erreichen. Allerdings sollte man sich dabei nicht an eventuell einengende, dahinterstehende Ideologien oder Personen binden und auf seine eigene Intuition hören, wie man damit in der Praxis verfahren soll. Die nötige Instanz dafür tragen wir mit unserem seelischen Wesen in uns. 

 

 

Der Mensch war einst von Natur aus gesund und könnte in jenen Urzustand zurückkehren, wenn man ihn ließe; aber die medizinische Wissenschaft verfolgt unsern Leib mit einem unzählbaren Rudel von Medizinen und bestürmt unsre Einbildung mit räuberischen Mikrobenhorden. 

 

Sri Aurobindo

 

 

 

Krankheit aus der Sicht des Integralen Yoga

 

Betrachtet man das Ganze aus der Sicht der Supramentalen Transformation, liegt die Ursache für Krankheiten darin, dass manche Bereiche in uns immer noch unbewusst sind und sich dem neuen Bewusstsein nicht geöffnet haben. Selbst karmische Folgen, die von Geburt an bestehen, können durch das Supramentale Bewusstsein aufgelöst werden. 

 

 

7. Juli 1965: (Mutter über ihre letzte Erkältung.)

 

"Ich weiß nicht, wie es anderen ergeht, aber während einer ziemlich langen Zeit in meinem Leben vergaßen die Zellen sofort alles – ihre ganze Sadhana, alles –, sobald sich eine Krankheit entwickelte (egal welche Krankheit), und erst, wenn man aus der Krankheit herauskommt, erinnern sie sich wieder allmählich. Deshalb war mein Bestreben (ich weiß noch, es war vor langer Zeit, vor vielen Jahren), dass die Zellen sich auch erinnern sollten, während sie krank waren – was absurd ist, denn es wäre besser gewesen, danach zu streben, gar nicht erst krank zu werden! Aber eine Zeitlang war es jedenfalls so. Als sich dann die Zellen zum ersten Mal erinnerten, freute ich mich so... Aber jetzt ist es genau umgekehrt: Sobald die Störung kommt, fangen die Zellen an... Zuerst waren sie etwas ängstlich: "Oh, wir sind so unfähig, dass wir immer noch Krankheiten auflesen" – das ging eine Weile so; später hatten sie den Eindruck: "Oh, Du willst uns eine Lektion erteilen, wir haben etwas daraus zu lernen!" – das war schon viel besser: eine Art Begeisterung. Und jetzt herrscht eine intensive Freude, eine Art Kraft, eine Kraft der Aspiration und der Verwirklichung, die mit dem Gefühl einhergeht: "Wir erringen einen Sieg, wir erringen einen neuen Sieg…“

Das ist der Zustand dieser letzten Tage.

Ich weiß, wie es zu dieser Erkältung kam, sie entwickelte sich nur aus Nachlässigkeit – nicht genau das... man ist unvorsichtig.

Zum Beispiel war der Arzt erkältet, was ich sofort erkannte. Sofort tat ich das Nötige und wurde nicht angesteckt. Aber jemand anderer hatte eine Erkältung, ich passte nicht auf, und beim Berühren seiner Sachen las ich sie auf – ich merkte dies erst, als sie in mich eindrang: da war es bereits zu spät. Ich sagte "gut", und so nahm sie ihren Lauf. Ich glaube, sie war deshalb besonders heftig, weil die Zellen fühlten: "Ah! (zuerst Freude) Ah, jetzt können wir einen Fortschritt machen!" Dann stellte sich mit der Krankheit eine Art Kraft ein, eine starke Kraft der Transformation, und so entwickelte sich die Krankheit ungehindert. In einem gewissen Augenblick aber wäre ein bestimmtes Maß überschritten worden, was sich für die Arbeit sehr störend ausgewirkt hätte. Daher sagte ich: "Nein, nein! Pass auf, ich kann meine Arbeit nicht einfach unterbrechen." Als ob man sagte: "Genug des Unfugs, ich will nicht mehr krank sein". Eine Kraft kam, so etwas... wie ein Boxer.

Das war sehr interessant.

Das Spiel des Willens mit den Zellen, die Art, wie die Zellen dem Willen gehorchen, ist sehr interessant. Denn selbstverständlich handelt es sich nicht um einen individuellen Willen (es ist kein persönlicher Wille, nichts, was den alten Geschichten von einst gleichen würde), sondern... es ist der Wille zur Harmonie in der Welt: der Herr unter seinem Aspekt der Harmonie. Der Herr existiert sowohl unter seinem Aspekt der Transformation als auch unter seinem Aspekt der Harmonie. Und unter seinem Aspekt der Harmonie ist der Herr bestrebt zu harmonisieren, und so macht sich dieser Wille zur Harmonie bemerkbar und sagt: "Nicht alles dem Willen zur Transformation unterstellen! Nicht zu schnell vorangehen, sonst zerstört man alles! Es bedarf auch des Willens zur Harmonie, damit sich die Dinge gemäß einer rhythmischen und harmonischen Bewegung entwickeln", und so kommt alles wieder in seine Ordnung.

Offen gestanden (das Ergebnis einer sehr intensiven Studie der letzten Tage), weiß ich nicht, was mit "Krankheit" gemeint ist. Man spricht von Viren, von Mikroben, von... aber wir sind doch völlig aus diesen Dingen aufgebaut! Einzig ihr Zusammenspiel, ihre Art der Anpassung und Harmonisierung macht den ganzen Unterschied aus. Eine "Mikrobe" oder ein "Virus" als solche gibt es nicht – man bezeichnet die Dinge, die man nicht mag, mit hässlichen Namen, aber es ist doch alles dasselbe!... Für die Zellen stellt sich das Problem jedenfalls nicht so, denn entweder folgen sie dem Willen zur Transformation (der manchmal ein wenig brutal ist – heftig für etwas so Kleines wie ein Körper), oder sie folgen dem Willen zur Harmonie, der immer angenehm und immer da ist, auch wenn sich die Dinge äußerlich auflösen.

Das ist eine treffendere Erklärung, die den Sachverhalt besser erläutert als alle medizinischen Begriffe von Krankheit.

Ich glaube nicht eigentlich an Krankheiten.

Es gibt keine zwei identischen Krankheitsfälle.

Ich bin sicher... ich bin kein Wissenschaftler, aber ich bin mir sicher, dass es keine zwei identischen Mikroben gibt."

 

 

Aus einer späteren Unterhaltung vom 15. Juni 1968; es geht um ein altes Gespräch aus dem Entretien vom 24. Juni 1953:

 

Satprem: Du sagst folgendes: "Eine Krankheit ist in jedem Falle – selbst wenn die Ärzte behaupten, es handle sich um Mikroben – schlicht und einfach ein Ungleichgewicht im Wesen: ein Ungleichgewicht zwischen verschiedenen Funktionsweisen, ein Ungleichgewicht zwischen den Kräften ..."

Ich weiß nicht, "ein Ungleichgewicht zwischen verschiedenen Funktionsweisen" erweckt einen rein physischen Eindruck. Für mein Gefühl fehlt da etwas, das zum Ausdruck bringt, daß es sich um ein Ungleichgewicht im PSYCHOLOGISCHEN Aspekt des Wesens oder in der PSYCHOLOGISCHEN Funktionsweise handelt…

 

Mutter: "Seit einigen Tagen wird der Eindruck immer deutlicher, dass Gesundheit oder Krankheit nur eine Frage der Wahl sind (um es vereinfacht auszudrücken). Eine Entscheidung, die in jeder Minute getroffen wird. Auf jeden Fall ist das für meinen Körper so.

Dies bedeutet, dass man sich von der allgemeinen Funktionsweise der physischen Substanz und des Körpers lossagt; es ist nicht mehr eine Frage von Krankheiten, die geheilt werden oder nicht, in Abhängigkeit von... anderen Gesetzen als den physischen, sondern in jeder einzelnen Minute besteht die Möglichkeit, das wahre Bewusstsein zu wählen, und wenn man es nicht tut, kommt es zu einer Störung oder einem Ungleichgewicht. Es ist stets etwas da, das der Bewegung der fortschreitenden Harmonie nicht folgen kann oder ihr mitunter nicht folgen will. Ich spreche hier von Zellen und Zellgruppierungen.

Meistens liegt es an einer Art Faulheit: etwas, das die Anstrengung scheut, keinen Entschluss fassen möchte, also die Verantwortung anderen überläßt. Auf englisch würde ich sagen, es handelt sich um the remnant, das Überbleibsel der Unbewusstheit. Eine Art Schlaffheit (Geste der Schwäche), die ein allgemeines unpersönliches Gesetz akzeptiert: man suhlt sich in der Krankheit. Gleichzeitig besteht in jeder Minute innen als Antwort darauf das Gefühl der wahren Haltung, das sich mit großer Einfachheit in den Zellen überträgt: "Der Herr ist der allmächtige Meister." Etwas in der Art: "Es hängt voll und ganz von Ihm ab. Wenn man Ergebenheit zeigen möchte, ist Er es, dem man sich ergibt." Dies sind bloß Phrasen, aber für die Zellen sind es natürlich keine Phrasen. Für sie ist es eine winzige Regung, die sich durch die Wiederholung des Mantras übersetzt. So ist das Mantra voll – voller Kraft –, und augenblicklich entsteht die Ergebenheit: "Möge Dein Wille geschehen", und eine Ruhe – eine leuchtende Ruhe –, und man sieht, dass es überhaupt keine zwingende Notwendigkeit gibt, krank zu sein oder ein Ungleichgewicht entstehen zu lassen.

Dieses Phänomen wiederholt sich HUNDERTE von Malen am Tag, in Bezug auf die geringsten Kleinigkeiten.

Das erzeugt einen wachsenden Eindruck der Unwirklichkeit – der grundsätzlichen Unwirklichkeit – der Krankheiten. Deswegen sagte ich [in dem Entretien]: Es handelt sich ausschließlich um ein Ungleichgewicht. Aus Gewohnheit unterwirft man sich einer Art unpersönlichem Kollektivwillen der allermateriellsten Natur, welcher die Dinge DEM ANSCHEIN NACH regelt.

Mit dem Zunehmen des wahren Bewusstseins verstärkt sich bei mir jetzt immer mehr dieser Eindruck des Fließens und der Plastizität. Die Verhärtung scheint nur eine Folge der Unbewusstheit zu sein. Der Mangel an Fluidität und Geschmeidigkeit scheint das Resultat der Unbewusstheit zu sein. Nicht nur im Körper: dieser Eindruck gilt für alles. Durch das Wachsen des Bewusstseins entwickelt sich eine Geschmeidigkeit und Fluidität, welche die Beschaffenheit der Substanz vollkommen verändern, und der Widerstand stammt einzig vom Grad der Unbewusstheit und ist diesem proportional.“ 

  

 

Gott im Innern ist unendlicher und selbstvollbringender Wille. Kannst du Ihm deine Leiden überlassen, unberührt von Todesfurcht, und zwar nicht als Experiment, sondern völlig ruhig und vertrauensvoll? Du wirst finden, dass Er schließlich das können von Millionen von Ärzten übertrifft. 

 

Sri Aurobindo

 

 

Diese Müdigkeit und Trägheit, sich in eine körperliche Störung "hineinfallen" zu lassen, erfährt man hunderte Male auf dem Weg des Integralen Yoga. Der permanente Druck, den das Supramentale Bewusstsein auf unser System ausübt, bringt die Trägheit der Zellen zum Ausdruck, die sich oft als massive Erschöpfung in unser Tagesbewusstsein übersetzt und dann von Mental und Vital in gewohnter Weise seine Zustimmung erfährt.

Basierend auf der Erinnerung aus Tausenden von Leben durch die Zeiten der Evolution, in denen die Körperzellen Leid und Schmerz ausgesetzt und hilflos immer demselben Ende ausgeliefert waren: dem Tod. Das Körperbewusstsein erwartet seitdem grundsätzlich das Schlimmste, wonach alles schlecht endet, und es ist nur schwer und nach etlichen Wiederholungen zu etwas anderem zu bewegen.

Die abgespeicherten Eindrücke, die sich im Unterbewussten eingelagert haben, ersticken es wie unter einem Bann: 

 

"In unserem Yoga verstehen wir unter dem "Unterbewussten" jenen völlig vergrabenen Teil unseres Wesens, in dem es keine bewusst erweckten und zusammenhängenden Gedanken, Willensregungen oder Gefühle und zielgerichtete Reaktionen gibt, der aber nichtsdestoweniger auf trübe und verkapselte Weise alle Eindrücke empfängt und speichert; von daher können im Traum oder im Wachzustand alle möglichen Reize und gewohnte und hartnäckige Regungen aufsteigen, die sich auf gröbste Weise wiederholen oder sich auch unter seltsamen Formen verkleiden können. Diese Eindrücke steigen vor allem im Traum auf unzusammenhängende und unorganisierte Weise auf, sie können jedoch auch ständig in unserem Wachbewusstsein als mechanische Wiederholung alter Gedanken, alter mentaler, vitaler und physischer Gewohnheiten, oder als kaum merkliche Reize von Empfindungen, Handlungen oder Gefühlen auftauchen, die weder von unserem bewussten Denken noch von unserem bewussten Willen herrühren und die sich sogar deren Wahrnehmung, Wahl und Anordnungen widersetzen. Im Unterbewussten gibt es ein trübes Mental voll von hartnäckigen samskaras – Eindrücken, Assoziationen, fixen Vorstellungen und Gewohnheitsreaktionen –, die durch unsere Vergangenheit geformt wurden; ein trübes Vital voll von Keimen der gewohnheitsmäßigen Begierden, Empfindungen und nervösen Reaktionen; ein sehr obskurer Stoff, der beinahe alles regiert, was den Zustand des Körpers berührt. Es ist in großem Maße für unsere Krankheiten verantwortlich; die chronischen oder sich wiederholenden Krankheiten gehen in der Tat prinzipiell auf das Unterbewusste zurück, auf sein hartnäckiges Erinnerungsvermögen und seine Gewohnheit, alles zu wiederholen, was das Bewusstsein des Körpers geprägt hat. Es gilt, dieses Unterbewusste klar und deutlich von den "subliminalen" oder unterschwelligen Teilen unseres Wesens zu unterscheiden – so wie dem inneren oder subtilen physischen Bewusstsein, dem inneren vitalen oder dem inneren mentalen Bewusstsein, die in keiner Weise trübe oder unzusammenhängend und auch nicht unorganisiert sind, sondern allein vor unserem Oberflächenbewusstsein verhüllt. Unsere Oberfläche empfängt beständig innere Anstöße, Nachrichten oder Einflüsse aus diesen Quellen, ohne die meiste Zeit über recht zu wissen, woher dies kommt.

Um seinen Willen im Schlaf zu behaupten, genügt es, das Unterbewusste daran zu gewöhnen, dem Willen zu gehorchen, den man ihm durch das wache Mental am Vorabend vor dem Einschlafen auferlegt hat. Es geschieht zum Beispiel sehr häufig, wenn man dem Unterbewussten den Willen einprägt, zu einem bestimmten Zeitpunkt am Morgen zu erwachen, dass das Unterbewusste gehorcht und man automatisch zur besagten Zeit erwacht. Das kann sich auf andere Bereiche ausdehnen. Nicht wenige Menschen haben festgestellt, wenn sie vor dem Einschlafen dem Unterbewussten einen Willen gegen sexuelle Träume oder Handlungen auferlegen, dass nach einer gewissen Zeit (dies gelingt nicht immer von Anfang an) eine automatische Reaktion entsteht, die sie vor der Beendigung des Traums oder selbst vor seinem Beginn zum Aufwachen bringt oder die unerwünschte Sache auf irgendeine Weise verhindert. Man kann ebenfalls einen bewussteren Schlaf entwickeln, in dem eine Art inneres Bewusstsein intervenieren kann." (Sri Aurobindo, 24.6.1934)

 

Die Überwindung dieser Trägheit und der mannigfaltigen unbewussten, destruktiven Erinnerungsrückstände ist auf dem Weg des Integralen Yoga eine der schwierigsten Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. 

Gepaart mit dem Gespür dafür, wann der Körper tatsächlich der Ruhe bedarf, um die gegebene Dosis an Licht zu assimilieren und sich an sie anzupassen, um nicht zusätzlich aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Wie schon erwähnt wirkt Mutters Mantra stabilisierend. Ab einem bestimmten Zeitpunkt der Transformation wurde als unerlässlich empfunden, seine Worte durch permanente Wiederholung in den Körper "einsinken" zu lassen. Das waren insbesondere die Zeit vor dem Einschlafen, da hartnäckige Anfechtungen aus den unterbewussten Bereichen ständig den Schlaf unterbrachen. Außerdem die Aufwachphase, die zeitweise in einem dumpfen Zustand der Negativität erfolgte, um dem sofort gegenzusteuern und sich wieder auf das Göttliche Bewusstsein auszurichten.

Mit der Zeit begann der Körper selbst, das Mantra unvermittelt oder in schwierigen Situationen zu wiederholen. Es ist das Bewusstsein der Körperzellen selbst,  das lernen muss, und das tut es. 

 

 

Selbstheilung wird lange brauchen, um die Medizin abzulösen, weil Furcht, Mangel an Selbstvertrauen und unnatürliche Abhängigkeit von Mitteln, welche die ärztliche Wissenschaft unserm Geist und Körper beigebracht hat, uns zur zweiten Natur geworden sind. 

 

Sri Aurobindo

 

 

 

 Gesund werden WOLLEN

 

Hin und wieder werden wir alle bestimmt von der unbewussten Gewohnheit, sich in Selbstmitleid und Bedauern zu flüchten, wenn wir krank werden. In der Kindheit erfuhren wir (bestenfalls) viel Zuwendung und Liebe, wenn das geschah. Wir wurden fürsorglich mit Aufmerksamkeit bedacht und hatten genügend Zeit und Raum, wieder zu gesunden.

Inzwischen erwachsen würde etwas in uns diesen Zustand gern zurückrufen und sich umsorgen lassen, wenn es uns schlecht geht. Unbemerkt übertragen wir diese Rolle heute zu sehr der Medizin und den Ärzten, anstatt die Energie aufzubringen, diese Störung von uns zu weisen und dem Körper die Zeit für Erholung und Regeneration zu gönnen. Gesellschaftlich wird das aus oben erwähnten Gründen gern unterstützt. Zudem wird erwartet, dass man so schnell wie möglich an den Arbeitsplatz zurückkehrt.

All das hat sich leider im globalen Bewusstsein verfestigt und leistet erbittert Widerstand gegen die neue Sichtweise und den Einfluss des Supramentalen Bewusstseins. Durch unsere Vernetzung müssen wir auf unserem Weg ausdauernd dagegen ankämpfen.  

 

Das wird einem schnell klar, wenn man zum Beispiel jemanden davon überzeugen möchte, dass Chemotherapie kein Heilmittel ist, sondern oft die Ursache, dass Menschen an einer Krebserkrankung sterben. Während andere trotz Chemotherapie überleben, weil sie an ihre Selbstheilungskräfte glauben, sich zurückziehen, mit positiven Gedanken und gesunder basischer Ernährung arbeiten, ihren Wasserhaushalt auffüllen, gezielt gesunde Öle, Vitamine und Minaralstoffe zu sich nehmen und sich viel in der Natur aufhalten. 

Das soll nicht bedeuten, auf jegliche medizinische Versorgung zu verzichten. Solange der Körper mit Verbesserung des Zustands auf bestimmte Medikamente und Maßnahmen reagiert, zum Beispiel bei Asthma oder schmerzhaften rheumatischen Schüben, ist es nötig, sie ihm zuzugestehen. Das trifft auf viele sogenannte chronische Erkrankungen und auf Unfälle zu, die eine sofortige Notfallmaßnahme erfordern.  

Im Laufe der Transformation ändert sich das von selbst, wenn man aktiv daran arbeitet.  Es wird nicht erwartet, bis dahin unnötig zu leiden. 

 

 

Die medizinische Wissenschaft ist eher ein Fluch als ein Segen für die Menschheit gewesen. Sie hat zwar die Macht von Epidemien gebrochen und eine wunderbare Chirurgie entwickelt, aber auch die natürliche Gesundheit des Menschen geschwächt und individuelle Krankheiten vermehrt; sie hat in Geist und Körper Furcht und Abhängigkeit eingepflanzt und unsrer Gesundheit beigebracht, nicht auf natürlichem Wohlsein zu beruhen, sondern sich auf eine wackelige und widerwärtige Krücke zu stützen, die aus dem Tier- und Pflanzenreich zusammengesetzt ist. 

 

Sri Aurobindo

 

 

Abgesehen von der Prägung der Körperzelle selbst durch den Bann des evolutionären Unbewussten, die nur durch das Einwirken den Supramentalen Kraft verändert werden kann, ist es möglich, aktive Glaubensmuster zu erkennen und zumindest mental zu zerlegen: 

 

"Möchte ich wirklich gesund werden, auch wenn ich dann in meinen belastenden Job zurückkehren muss? ... eine schwere Prüfung ansteht?  ................ ?

Weiche ich unterschwellig aus oder strebe ich es wirklich an, vollkommen gesund und belastbar zu sein, was auch immer kommen mag?  

Oder aber brauche ich tatsächlich Zeit für Regeneration? "

 

"Will die Krankheit mir sagen, dass ich im Leben eine andere Richtung einschlagen soll? Habe ich es selbst schon länger geahnt, nur nicht den Mut dazu gehabt, aus Angst Ausreden angeführt?"

 

"Muss ich eine destruktive Denkweise verändern? Habe ich mir oder anderen irgendetwas nicht vergeben und grolle heute noch?  

Möchte ich jemanden damit bestrafen, damit er sich Sorgen um mich macht? "

Wer jemandem etwas nachträgt ist derjenige, der trägt! 

 

"Kann ich mich ungehemmt am Leben erfreuen, auch wenn mich andere dafür beneiden?"

Es ist eine erfahrbare Tatsache, dass wir problemlos mit Zuwendung bedacht werden, wenn es uns schlecht geht. Aber können sich die Menschen in unserem Umfeld aufrichtig mit uns freuen, wenn wir glücklich sind?

Liegen hier vielleicht schädliche Kindheitsmuster oder Schuldgefühle zugrunde, weshalb wir uns selbst "kleinmachen"? Die Krankheit der Eltern, unter deren Augen wir uns als Heranwachsende aus Mitgefühl gescheut haben, unsere Lebensfreude offen zu zeigen? 

 

"In meiner Familie bis zurück zu den Urgroßeltern ist Rheuma/Nierenbeckenentzündung/Athrose/Herzschwäche ......... genetisch verankert. Das war schon immer so, deshalb hab ich es auch. Oder ist es wirklich möglich, das bei mir zu heilen?"

Oft übernehmen Kinder aus Loyalität die Krankheit eines Elternteils.

 

"Halte ich unbewusst die Menschen emotional auf Abstand durch meine Krankheit, mein "schweres unabänderliches Schicksal"?  Weil mir ja eh niemand helfen kann?"

Das selbstzentrierte "Einsamer-Wolf-Syndrom", das sich dadurch aufbläht und wichtig fühlt, oft Ängste und Minderwertigkeitsgefühle überdeckt, in Wirklichkeit stumm um Hilfe schreit und durch seine Widersprüchlichkeit nicht selten sein Umfeld manipuliert, sich ihm gegenüber "adäquat" zu verhalten?

Nicht umsonst schreibt man "Opfern" große Macht über andere Menschen zu, da sie als solche von vielen gar nicht wahrgenommen werden. 

 

"Überschreite ich tatsächlich immer wieder die Grenzen meiner Belastbarkeit, weil ich zum Leistungskind erzogen wurde? Tu ich das heute noch, nur um geliebt zu werden?  Weil ich es als Kind nicht erfahren habe?"

 

"Weise ich den spirituellen Ruf zurück, aus Angst, alles zu verlieren, was mir lieb und teuer ist?"

Diese Haltung kann zu psychischen Beschwerden wie z.B. Depressionen führen. 

  

Es ist in Ordnung, sich mit den Ursachen zu beschäftigen und mental eine entsprechend zielgerichtete, sinnvolle Haltung einzunehmen.

Auf Dauer jedoch ist ein permanentes Kreisen um die möglichen Gründe und Symptome schädlich und verstärkt sie nur. Zudem ist es einfacher, darüber zu diskutieren anstatt aktiv zu werden. Deshalb ist die Versuchung groß, damit fortzufahren und sich selbst zu bemogeln: "Ich tu doch was..., schau, ich beschäftige mich ständig damit ..."

 

Erste Schwingungsmuster eines (körperlichen) Ungleichgewichts machen sich bemerkbar durch innere Unruhe oder einer leichten Vibrationen bis hin zu einem deutlichen Zittern in einem bestimmten Körperareal. Nimmt man das wahr, sollte man sich und die entsprechende Körperregion zur Ruhe und Reglosigkeit ermahnen, wie man einen vorlaut kläffenden Hund zurückpfeift – man kann tatsächlich auf diese Weise mit seinem Körper sprechen – und diese Fehlfunktion dem Göttlichen darbieten. Dies ist die beste Möglichkeit, sie schon in den Anfängen zu unterbinden, bevor sie sich als Krankheit manifestieren. Wie schon erwähnt, kann man Mutters Mantra dafür nutzen.

 

Aus diesem Grund riet Dr. David R. Hawkins, das Ego nicht zu hassen oder zu bekämpfen, sondern es wie ein Haustier zu behandeln. Dazu eine kleine Anekdote:

Mein Körper entwickelte schon in früher Kindheit chronische Beschwerden. Eine davon manifestierte sich in der Jugend als Asthma und konnte im Lauf der Jahre nie vollkommen zum Verschwinden gebracht werden, trotz gesunder Lebensweise. Bei einem der üblichen Besuche in der heimischen Arztpraxis wegen asthmatischer, schwerer Bronchitis war mit der üblichen Wartezeit von einer Stunde zu rechnen. Und so ergab sich der Körper, ungeduldig vor sich hin leidend und bei jedem Atemzug pfeifend und rasselnd, in sein Schicksal. 

Auf dem Nebenstuhl saß eine freundliche Dame mittleren Alters, die als nächste an der Reihe war. Nach einer Weile drehte sie sich mir zu, legte ihre Hand sanft auf meinen Arm  und meinte: "Mein Gott, sie Arme bekommen ja kaum Luft! Gehen doch Sie bitte vor mir rein!" 

Fast augenblicklich löste sich die Verkrampfung der Bronchien und die Atmung war wieder frei. Es war das Bewusstsein des Körpers selbst, das augenblicklich auf die liebevolle und mitfühlende Geste reagiert hatte. Ich zog ernsthaft in Betracht, auf die Sprechstunde zu verzichten, die Praxis wieder zu verlassen und mir nur noch schnell ein Rezept für weitere Notfälle ausstellen zu lassen.

Zum damaligen Zeitpunkt folgte ich bereits aufrichtig einem spirituellen Weg, hatte aber noch nichts über Sri Aurobindo oder die körperliche Transformation gehört. Was ich daraus jedoch lernte war, mich liebevoll mit meinem Körper zu unterhalten wie mit einem kleinen, verzogenen Kind, anstatt verärgert und ungeduldig auf seine Störungen zu reagieren. Es erwies sich als wirksamer. 

 

Leider gelingt das Auflösen erster Anzeichen körperlicher Ungleichgewichte nicht immer.  Gibt sich irgendetwas in unserem System noch der Befürchtung oder Sorge hin, muss der weitere Verlauf wohl oder übel ausgearbeitet werden. Das trifft vor allem auf Störungen zu, für die wir seit der Kindheit oder aufgrund unserer Lebensthemen anfällig sind. Hier sind Geduld und Ausdauer angesagt, denn es wird leichter.

Es ist unwahrscheinlich, dass jemand vollkommen frei davon ist. 

 

Grundsätzlich ist Hingabe an das Göttliche Bewusstsein der Königsweg: "Ich weiß nicht, wie ich das ändern kann. Herr, dein Wille, nicht meiner! Hilf mir, die richtige Haltung zu finden und das Richtige zu tun!"

Diese Erkenntnis stand für Mutter bis zum Ende ihrer eigenen Transformation im Mittelpunkt. Sobald sich Schwierigkeiten andeuteten, breitete sie die Arme aus, mit den Handflächen nach oben und der Haltung `Wie du willst, Herr!´  – "Nur so geht es", pflegte sie zu Satprem zu sagen.  

Nichts kann sich dieser Absichtserklärung auf Dauer in den Weg stellen – wenn sie aufrichtig gemeint ist und jeder Wankelmut beharrlich beseite geschoben wird.

So lang, bis das Göttliche Bewusstsein die Herrschaft über alle Bereiche unseres Seins übernommen hat. 

 

  

Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich, un­sere tiefste Angst ist, dass wir über die Maßen macht­voll sind.

Es ist unser Licht, vor dem wir am meisten erschrecken, nicht unsere Dunkelheit.

Wir fragen uns: Wer bin ich, dass ich so brillant, großartig, talentiert, fabelhaft sein sollte?

Aber wer bist du denn, dass du es nicht sein solltest?

Du bist ein Kind Gottes. Dich klein zu halten, dient der Welt nicht.

Dich klein zu halten, damit die anderen um dich herum sich nicht unsicher fühlen: das hat nichts mit Erleuchtung zu tun.

Wir sind dazu bestimmt, zu leuchten wie Kinder.

Wir sind geboren, um die Größe Gottes, der in uns lebt, zu verwirklichen.

Und diese Größe ist nicht nur in ei­ni­gen von uns, sie ist in jedem Menschen.

Und wenn wir unser Licht leuchten lassen, dann geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.

Wenn wir selbst von Angst frei sind, dann sind die anderen durch unser Dasein auch frei.

 

Marianne Williamson, Rückkehr zur Liebe, Goldmann Verlag 1993

 

 

Große Macht und große Verantwortung gehen Hand in Hand. Das Annehmen erfordert Mut und Selbstdisziplin. 

 

 

(Pixabay/Alexas_Fotos)

 

 

 

 Aus der Agenda vom 10. Juli 1965: (Über eine "idiotische" Tuberkulose:)

 

 

Mutter zu Satprem: Wie geht es dir?

 

Satprem: Nicht besonders.

 

 Was ist nicht in Ordnung?

 

 Hier, da (Gesten).

 

 Oh, mein Kind, alle Empfindungen sind lügnerisch! Diese Erfahrung mache ich zigmal am Tag in allen Einzelheiten. Man fühlt, dass man dies oder das bräuchte, es tut einem hier weh, da weh... aber das ist alles falsch. Die Wahrheit ist, dass man den Zustand der Harmonie verlassen hat – eine Harmonie, die immer herrscht, aber man selber hat sie verlassen, und so braucht man dies, braucht man das, fühlt hier einen Schmerz, dort einen Schmerz. Etwas fehlt, und was fehlt, ist DAS [das supramentale Wahrheitsbewusstsein im Körper].

Man könnte sagen, dass es drei Zustände gibt: den Zustand der Harmonie – das ist der, nach dem man ständig strebt, manchmal erhascht man ihn für ein paar Sekunden, und alles kommt wie durch ein Wunder wieder in seine Ordnung; dann den gewöhnlichen Zustand der Unordnung, in dem man immer bedrohlich nahe am Rand von etwas Unangenehmem schwebt; und wenn die Unordnung deutlicher sichtbar wird, herrscht schließlich das, was man "Krankheit" nennt, aber das ist völlig unwirklich. Man sieht den Körper als gesund und im Gleichgewicht an und glaubt, "etwas dringe von außen ein, das einen krank werden läßt", aber so ist es nicht! Man befindet sich IMMER im Zustand der Unausgewogenheit, der Körper ist immer (mehr oder weniger spürbar) unausgeglichen, aber etwas anderes, oben, ein Wille und ein Bewusstsein, hält ihn zusammen und erlaubt ihm zu funktionieren. Wenn man diesen Willen ins Spiel bringen kann – diesen Willen zur Harmonie – und fähig ist, die innere Flamme zu entfachen, den Kontakt mit dieser Flamme der Aspiration herzustellen, dann kommt man aus der sogenannten "Krankheit" heraus, die unwirklich ist, eine unwirkliche und irreführende Empfindung, eine bloße Erscheinungsform der allgemeinen Unordnung. So tritt man in die Harmonie ein, und alles geht gut. Erst letzte Nacht hatte ich diese Erfahrung, deshalb kann ich mit Sicherheit sagen: alle Empfindungen sind irreführend.

 

Wenn sich aber bestimmte äußere Zeichen bemerkbar machen, wie zum Beispiel Bluthusten?

 

Nun ja, das ist eine Störung. Aber die Störung ist überall! Falls dich das trösten kann: auch mein Körper ist gestört... Es ist allerdings keine eindeutige Störung, sondern ein fast vollständiger Mangel an Harmonie – dies ist der beständige Zustand des Lebens; es ist die Folge der Bemühung, des Widerstands, des Erduldens und auch das Resultat dieser Spannung durch die Suche nach etwas, das man zu erreichen hofft, das sich einem aber ständig entzieht – dieses Etwas, das sich einem entzieht, ist DAS, diese Harmonie (eine Harmonie, die in ihrer Vollkommenheit offensichtlich das Ananda ist). Das ist es, was die Müdigkeit, die Spannung usw. verursacht. Die ganze letzte Nacht verbrachte ich damit, dies zu beobachten und fragte mich: "Wie ist das nur möglich?... Ständig lebt man in diesem angespannten Zustand, auf der Suche nach etwas, das sich einem entzieht." Die Sinne, der gesamte Bereich der Sinne scheint sich in einem konstanten Zustand der Lüge zu befinden, und die Sinne bedienen sich dieses Zustands der Spannung, um einem weiszumachen, dies sei nicht in Ordnung, jenes sei nicht in Ordnung... Und wenn unglücklicherweise noch so etwas wie eine mentale Mitwirkung hinzukommt (von diesem berühmten physischen Mental), dann nimmt alles eine schlimme Wendung, und es entwickelt sich etwas wirklich Unangenehmes.

Aber dies ist nicht unabwendbar. Es ist nicht unabwendbar, und es ist nicht wirklich – was ich "wirklich" nenne, ist etwas, das direkt vom höchsten Willen kommt. Das ist wahr; alles übrige ist nicht wahr, sondern lediglich das Produkt der gesamten Verwirrung (Zickzackgeste nach unten), des gesamten Wirrwarrs des menschlichen Bewußtseins – die Krankheit ist nicht wahr. Ich glaube nicht, dass unter hundert (ach, vielleicht unter tausend!) Krankheiten auch nur eine existiert, die wahr ist. Manche sind der Ausdruck eines Willens, um etwas, das nicht in Ordnung ist, gehörig durchzuschütteln, zu vernichten, damit aus diesem Chaos etwas Wahreres entstehen kann – aber das ist ein Ausnahmezustand.

Ich verfüge über ein sehr weites Erfahrungsfeld. Ich erhalte Fluten von Briefen von allüberall, jeder schreibt wegen seiner kleinen Störung, seiner kleinen Krankheit, seiner kleinen Schwierigkeit, natürlich mit der Bitte, all das wieder in Ordnung zu bringen. So komme ich mit der Schwingung in Kontakt (all die Leute hier: das ist eine ganze Menge). Nun, ich kann wirklich sagen, dass nicht ein Fall von hundert Ausdruck des direkten Willens ist – stets geht es so, so, so... (selbe Zickzackgeste), und das verheddert sich im menschlichen Bewusstsein wie ein dermaßen verzwirbelter Faden, daß man ihn gar nicht mehr entwirren kann. Ja, dieser Zustand ist daran schuld, dass wir uns fast permanent am Rande eines Unwohlseins, einer Krankheit, einer Störung befinden. Das schwarzseherische Mitwirken des Mentals (denn das Charakteristische an diesem Mental ist seine Schwarzseherei), die Komplizenschaft des defätistischen Mentals und der trügerischen Sinne macht unser Leben zu dem, was es ist, und das ist nicht gerade amüsant.

Letzte Nacht sah ich das zwei Stunden lang mit klaren Beweisen und Beispielen. Ich schaute mir das an und war geradezu entsetzt zu sehen, wie sehr die Sinne alles entstellen – und sie entstellen stets... ich weiß nicht, vielleicht gibt es Leute, die zum Guten hin entstellen (lachend), aber zu denen gehöre ich nicht. Das müssen fabelhafte Optimisten sein. Die Sinne entstellen alle Schwingungen und machen daraus ständig unangenehme oder jedenfalls keine erfreulichen Dinge, oder sogar "Gefahrensignale" und "Anzeichen von Katastrophen". Es war ziemlich abstoßend. Aber ich ließ dieser ganzen Bewegung freien Lauf, um sie genau zu beobachten, und alle zellularen und sonstigen Strukturen begannen zu ächzen und stöhnen... als wollten sie sagen: "Aber dieses Leben ist un-er-träg-lich, unerträglich." Ich hörte mir das eine Weile an, um zu sehen: ein allgemeines Jammern und Stöhnen... Schließlich: (Geste der Herabkunft des Willens) und es war in einer Sekunde vorbei!... Das Ganze war nichts als eine Komödie, die die Sinne sich selbst vorgaukeln. Wir sind wirklich lächerliche Wesen (Mutter lacht). Das war meine Beobachtung der letzten Nacht.

Natürlich sind die Leute nicht offen und konstant so, denn zum Teil ist ja ein anderes Bewusstsein da, das die Dinge kontrolliert. Wenn man sich aber gehen ließe... Ich stellte jedenfalls den Versuch an, diesem Bereich des zellularen Bewusstseins seinen freien Lauf zu lassen, und das hatte ein Klagen und Stöhnen zur Folge. Aber dahinter, in der Tiefe, auf dem tiefsten Grund der Zellen, regte sich diese Art Glauben, das absolute Verlangen nach dem Ananda; und sie klagten: "Man hat uns irregeführt, wir sind nur für DAS da, warum wird es uns denn nicht gegeben?" (Ich drücke dies in Worten aus, es waren aber keine Worte, sondern Empfindungen.)

Natürlich nimmt man dies nicht wahr, denn im Strom des Lebens ist es nicht das Vorherrschende – zum Glück! Man betrachtet es ein wenig von oben herab und möchte es nicht sehen – aber ES IST DA. Und es ist schrecklich mutlos.

Du kannst es nicht wissen... Selbst ich, hätte man mir das vor einiger Zeit gesagt, hätte dies abgestritten!

 

Ja, wenn sich aber gewisse Störungen Tag für Tag wiederholen, sagt man sich selbst, daß etwas nicht in Ordnung ist.

 

Aber da ist nicht "etwas", das nicht in Ordnung wäre! Nichts ist in Ordnung, alles läuft schief.

Kennst du das Theaterstück von Jules Romains, in dem der Arzt erklärt, der gesunde Mensch sei lediglich ein Mensch, der nicht weiß, dass er krank ist? Genau so kommt es einem vor. Ständig herrscht Unordnung, und gerade weil man in einem anderen Bewusstsein lebt, sieht man sie nicht, sobald man aber beobachtet, kann man sicher sein, auf sie zu stoßen. Wenn ich mit dieser Sichtweise beobachte, existiert nirgendwo etwas, das normal wäre, harmonisch verliefe – nichts. Alles ist so (gleiche Zickzackgeste), ein Chaos, das einfach nur deshalb weiter funktioniert, weil es nicht sich selbst überlassen bleibt, weil ein höherer Wille wirkt, der sich all dessen so gut es eben geht bedient. Aber es ist mehr schlecht als recht.

Ich habe mir alle Fälle angeschaut (denn dies interessiert mich sehr), ich betrachtete deinen Fall, Sujatas Fall und alle Fälle, aber da ist keiner, von dem man sagen könnte, es sei eine wirkliche Krankheit. Unter einer Krankheit stellt man sich doch folgendes vor: Ein Körper (ein physisches Wesen) lebt nach gewissen Gesetzen, und plötzlich entsteht eine Störung, etwas dringt ein, breitet sich aus und stört; aber das ist es nicht! Das ist es nicht: etwas ist nicht in Ordnung – der Körper ist nicht in Ordnung –, aber das Bewusstsein ist der springende Punkt: Dort ist etwas, das mit dieser Störung in Kontakt kommt, und etwas, das sich nicht darum kümmert, das einfach weitermacht. Die gleiche Studie stellte ich mit sogenannt gesunden Leuten an: es ist genau dasselbe. Also lautet die Schlussfolgerung: Man muss sich gänzlich einem höheren Willen anvertrauen, das heißt, man muss diesem Willen erlauben, dieses ganze Durcheinander zu beherrschen. Auch wenn es nicht wieder völlig in Ordnung kommt, wird die Störung doch zumindest in Grenzen gehalten, und der Körper kann weiterhin dem Willen, der sich manifestieren möchte, als Instrument dienen.

Ich sehe das sehr deutlich, nicht nur für diesen Körper hier, sondern auch für alle anderen; für diesen Körper hier trifft es jedoch bis ins kleinste Detail zu, weil die Beobachtung konstanter ist: er hatte mindestens schon hundert Gründe zu sterben, und wenn er nicht tot ist, so liegt das nicht an ihm. Es ist nicht seine Schuld, weil da etwas war (das zum Glück kein persönlicher Wille ist), das sagte: "Nein, geh voran, mach weiter, befass dich nicht mit dir selbst!" Denn sonst bricht alles auseinander.

Das heißt aber nicht, dass du es unbedingt so halten mußt wie ich; wenn du die Sache wie gewohnt angehen und sie als eine "Krankheit" sehen willst, dann geh zum Arzt und nimm Medikamente, ich bin nicht dagegen, aber es ist lediglich eine Art, die Dinge zu sehen.

Und jetzt sag mir, was deine grievances [Beschwerden] sind. Ja, was siehst du, das nicht geht?

(Geste an die Brust, hier und da)

Ich kann dir sagen, die durch die Ärzte verursachten mentalen Entstellungen sind schrecklich: sie nageln sich im Gehirn fest und kehren nach zehn Jahren wieder zurück. Ich weiß das aus persönlicher Erfahrung, ständig kehrt es zurück: "Der Arzt sagte, es sei dies, der Arzt sagte, es sei das, der Arzt sagte ..." Nicht mit Worten, aber es kommt.

Das spielt aber keine Rolle, man kann die Störung auch auf diese Weise angehen, und dann werden wir sehen.

 

Aber ich glaube nicht an ihre Mittel. Ihre Arzneien haben mir nicht geholfen.

 

Sie haben dir nicht geholfen? Mir auch nicht! Aber das macht nichts, ich nehme sie trotzdem.

 

Ich unterziehe mich einer Behandlung.

 

Ach, du läßt dich behandeln?

 

Ja, in Form von Tabletten.

 

Oh, das nützt nichts.

 

Ich habe auch nicht den Eindruck. Nun, ich weiß nicht.

 

Du weißt es nicht. Wie der arme Pavitra, der alle möglichen Behandlungen versuchte und dann...

Also sag mir, wo fehlt's? Hast du Atembeschwerden?

 

Ja, ein wenig. Und mir ist immer heiß, heiß.

 

Ja, (lachend) es ist heiß!

 

Das auch! Besonders abends fühlt sich der Körper ein wenig wie ein Heizkessel an. Auch spucke ich wieder Blut.

 

Hast du das noch nicht versucht: Man muss den Kontakt zu den Zellen des Körpers herstellen und ihnen sagen, es sei nicht notwendig, Blut herauszuspucken – (lachend) das gehört nicht zum Spiel! Du kannst dich ein wenig über sie lustig machen: "Ihr braucht das nicht zu tun!" Ich versichere dir, es ist dermaßen grotesk, dass man nur noch darüber lachen kann.

 

Ja, man darf sich nicht darum kümmern.

 

Nein, das ist es nicht! Wenn du dich nicht darum kümmerst, führen sie ihren Tanz fort und glauben im Gegenteil, du seiest einverstanden mit ihrer Verhaltensweise. Man muss den Willen herbeiziehen, man muss sich des Willens bemächtigen – diesen Willen setze ich in dich, mein Kind! Ich verlange von dir nicht, dich einer illusorischen Sache zu bedienen: ich setze ihn in dich, einen un-ge-heu-ren Willen; und er ist ruhig, etwas, das keine Gewalt anwendet, so: (Geste einer unerschütterlichen massiven Herabkunft).

Jedenfalls kann ich dir sagen, dass das genauso wirkungsvoll ist wie Medikamente. Auch hat es keine der nachteiligen Nebenwirkungen der Medikamente, die einen von einer Sache heilen und einem eine andere verpassen.

Seit wann nimmst du Medikamente?

 

Seit Vellore. Die Behandlung dauert zwei Jahre.

 

Sagten sie zwei Jahre? Dann musst du es zwei Jahre lang durchziehen. Man muss tun, was sie sagen. Oh, sie üben eine hypnotische Macht über das materielle Bewusstsein aus. Das ist ein wenig... beängstigend.

Ich könnte dir alle möglichen Geschichten erzählen, doch die Geschichten der Ärzte sind nicht gerade amüsant; es handelt sich immer um lächerliche Einzelheiten. Jedenfalls kommt es immer wieder zurück: Man weist ihre Suggestionen ab, kümmert sich nicht weiter darum, glaubt, es sei endgültig vorbei, und dann verschwindet es ins Unterbewusstsein; aber eines schönen Tages bringt ein winziger Anlass es plötzlich wieder zum Vorschein, ungeheuerlich: "Der Arzt sagte... ein gewisser Arzt sagte – der Arzt mit einem großen A oder "die medizinische Wissenschaft" sagte ...", und so geraten die Zellen in Panik – eine schreckliche hypnotische Macht.

Nein, das ist sicher ein interessantes Thema... (lachend) Ich erwecke den Anschein, als nähme ich dein Unglück nicht ernst! Aber ich versichere dir, dies ist ein sehr interessantes Thema. Für mich gehört es gänzlich der Welt der Unordnung an, es enthält keine grundlegende Wahrheit – gar keine. Deshalb muss es weichen, sobald man die Kraft der Wahrheit wirken lässt. Ich behaupte nicht, es weiche bereitwillig, ich behaupte nicht, es verschwinde wie durch ein Wunder, nein, aber es MUSS weichen.

Oh, ich könnte stundenlang darüber sprechen!

 

Du solltest dich setzen. [Mutter stand die ganze Zeit]

 

Nein. Es liegt mir nichts daran, mich zu setzen!

(Schweigen)

Worin besteht diese Behandlung?

 

Die normale Behandlung für solche Fälle.

 

Ja, ja, klassisch...

Ich kann dir sagen (falls das deinem physischen Mental hilft), daß mich in Japan eine Art Masern befiel (aus ziemlich tiefen Gründen), woraufhin der japanische Arzt (der übrigens in Deutschland studiert hatte, also ein Doktor der "Schulmedizin") mir sehr ernsthaft nahelegte, ich müsse aufpassen, ich befände mich im Anfangsstadium dieser seltsamen Krankheit und dürfe mich vor allem nie in ein kaltes Klima begeben und auch dies nicht und das nicht... Ich magerte ab usw. Das war in Japan. Dann kam ich hierher und erzählte das Sri Aurobindo, der mich einfach anschaute und lächelte: da war es vorbei, wir sprachen nicht mehr darüber. Wir sprachen nicht mehr darüber, und so existierte es auch nicht mehr! (Lachend) Viele Jahre später, als ich Doktor Sanyal kennenlernte, fragte ich ihn. – "Nichts, alles ist in Ordnung; da ist absolut nichts, nicht die kleinste Spur ist zurückgeblieben." Ich hatte nichts dagegen unternommen, keine Medikamente geschluckt, keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Ich hatte es nur Sri Aurobindo gesagt, der mich einfach anschaute und lächelte.

Ja, ich bin überzeugt, dass es so ist. Allerdings glaubt das physische Mental es nicht. Es glaubt, dass dies in höheren Regionen sehr wohl der Fall sein mag, dass die Dinge auf der materiellen Ebene aber einem materiellen Gesetz folgen, dass sie materiell und mechanisch sind, also einen Mechanismus darstellen, und wenn dieser Mechanismus... usw. (nicht mit diesen Worten, aber das ist die Idee). Deshalb ist man ständig gezwungen, es zu bearbeiten, ständig muss man ihm sagen: "Oh, hör doch auf mit all deinen Schwierigkeiten, sei still!"

Allerdings bedarf es der Flamme, der inneren Flamme, der Flamme der Aspiration, der Flamme des Glaubens, ja, und des gewissen Etwas, das will, dass es aufhört. Verstehst du, wie dem auch sei, es ist jedenfalls nicht nötig, dass ich die Angelegenheit meinem Denken präsentiere, dass mein Kopf sie akzeptiert, denn das ist ein sehr gefährliches Spiel: sobald man nach Gleichmut strebt, sagt man sich: "Nun gut, angenommen, dies oder jenes würde passieren, was wäre da meine Reaktion?" Dieses Spiel treibt man solange, bis man sich schließlich sagt: "Mir ist es egal." Das ist ein sehr gefährliches Spiel. Es ist immer noch eine Art, das Ziel zu umkreisen, anstatt in es einzudringen.

Es gibt nur eines, und zwar eine Art Flamme – eine Art Flamme, die diese ganze Lüge verbrennt.

Ich selber kann mich nicht rühmen. Ich predige dies meinem Körper genausogut wie den andern. Ich selber müsste aufrecht, stark, fest sein... Warum bin ich so gekrümmt? – Ich weiß warum, und das ist kein Kompliment. Ich weiß es, denn der Körper ist immer noch sämtlichen Suggestionen der Welt unterworfen, dem ganzen medizinischen Denken und dem, was sich daraus ergibt, allen Suggestionen des Lebens, den Gewohnheiten und all den Leuten hier... Da ist wirklich kein Grund, sich zu rühmen. Wenigstens weiß ich, dass es anders sein müsste (der Vorteil ist, dass ich es weiß). Ich weiß es, und die Zellen wissen es auch, und wie ich dir schon sagte: gestern abend weinten sie hier auf meinem Bett; sie stöhnten und ächzten: "Wir sind nicht für dieses Leben der Finsternis und Unordnung geschaffen, sondern für das Licht, für die Kraft und die Liebe." Und die Antwort: "Oh, dann nimm es dir doch!" Und sie stöhnten: "Warum zwingt man uns, so zu sein?..." Anstatt ihnen freies Spiel zu lassen, war plötzlich die volle Gegenwart zu spüren – und weg war es in Sekundenschnelle. Nur ist die kollektive Suggestion, die kollektive Atmosphäre dermaßen... man kann sagen, verdorben, dass sie ständig einwirkt.

Aber du (Mutter wendet sich an Sujata), du gehörst zu jenen, die, wenn ich nachts komme, sagen können, dass ich groß und stark bin. Nachts arbeite ich, ich bin groß, ich bin stark. Aber das Stöhnen hört nicht auf. Das ist blödsinnig. Nicht nur blödsinnig, sondern es herrscht immer noch diese Art self-pity, Selbstmitleid (Mutter streicht sich über die Wange), was das Abstoßendste von allem ist: "Oh, mein armes Kind, wie müde du bist! Oh, mein armes Kind, wie sehr die Leute dich ermüden, wie hart, wie schwierig doch das Leben ist!..." Da wird gestöhnt und geächzt wie ein Schwachkopf. Wenn es nur nach mir ginge, würde ich ihnen eine tüchtige Tracht Prügel verpassen. Man bittet mich aber, es nicht zu tun, so tue ich es nicht. Doch ich habe wirklich das Gefühl, dass wir angesichts dieser wunderbaren Gnade – dieser herrlichen göttlichen Liebe und dieser allmächtigen Kraft – zutiefst lächerlich sind, voilà.

(Schweigen)

Es gibt auch boshafte Geister. Boshafte Geister, die alle möglichen Dinge suggerieren. Da ist solch eine Zone hier ganz nahe dem Physischen, ganz nahe – ein Bereich voller Larven, mein Kind! Alle möglichen Katastrophen, alle Bosheiten, alle Gelüste werden hier suggeriert. Ekelhaft... Das alles wimmelt, als stecke man seine Nase in einen Schlamm voller Würmer – sehr unangenehm.

Ja, ich werde versuchen, einen Kokon zu bilden. Vor dem Einschlafen, wenn du im Bett liegst, musst du das weiße Licht herbeirufen, mein weißes Licht, und ich meinerseits werde darauf achtgeben. So eingehüllt als Kokon, als guter kleiner, ganz weißer Kokon, kann man ausgezeichnet schlafen.

 

Die Nächte sind fürchterlich.

 

Ja. Deshalb rate ich dir, mein Licht zu rufen. Ja, es ist fürchterlich. Hast du Albträume?

 

Nicht einmal Albträume: es ist ekelhaft. Dreiviertel der Dinge, an die ich mich erinnere, sind irgendwelche Kloaken, widerliche Orte. Es ist... schrecklich.

 

Ja, das ist es. Wenn du wüsstest, was ich alles zu sehen bekomme!...

 

Vor zwei oder drei Nächten hatte ich einen symbolischen Traum. Du weißt, daß man dein altes Moskitonetz in meinem Zimmer anbrachte?

 

Ja.

 

Nun, da war ein kleines Wesen, das ein Loch hineinriß. Ein ziemlich vertrautes Wesen, denn ich schnappte es wie ein Kind und sagte ihm: "Aber wenn du da ein Loch machst, kommen alle Mücken herein." Da merkte ich, daß es ein großer Riß war.

 

Ach!

 

Und ich dachte: "Alle Feinde werden hereinkommen" oder "alle Mücken werden hereinkommen." Ein großer Riß.

 

Hast du es geflickt?

 

Nein, es weckte mich auf, weil es mich so sehr ärgerte.

 

(Mutter verharrt in Konzentration, dann fragt sie:) Dein Bruder, der Arzt, hat er dir denn nichts gesagt? Gab er dir keinen Rat?

 

Doch, Anweisungen über die Anzahl der einzunehmenden Tabletten. Das ist alles.

 

Glaubt er an Tabletten?

 

Er sagt: "Wenn man sich schon einer Behandlung unterzieht, sollte sie optimal sein."

 

Ach, ja! Damit bin ich völlig einverstanden, man muss sich ihr peinlich genau unterziehen, denn sie stellt ja eine Formation dar. Wenigstens neunzig Prozent der Ärzte sind guten Willens, sie wollen einen heilen (einigen ist es gleichgültig, aber nicht vielen – 90% wollen einen heilen), deshalb muss man ihrer Formation die volle Macht lassen, ihr nicht widersprechen, denn sonst hat die Behandlung keine Wirkung, und alles ist umsonst.

(die Uhr schlägt)

Rede ich schon eine Stunde lang? Wie schändlich!

Warte, ich habe eine Blume für dich, sie ist wunderschön.

"Der Wille zu siegen", mein Kind! Kein Wille hier oder da oder dort (Geste auf verschiedene Stellen des Körpers), nein, nicht der persönliche Sieg über die Krankheit: der Sieg über die Welt. Dafür sind wir im Grunde hier. Ich weiß nicht, ob es diesmal gelingen wird, aber jedenfalls ist es das, was von uns erwartet wird. Dafür sind wir hier: um zu kämpfen. Also müssen wir es ausfechten, und da es sich (wie soll ich sagen?) auf die intimste Weise abspielt, ist der Körper derjenige, der betroffen ist.

(Schweigen)

Ich glaube, das genügt für heute!

...

Weißt du, ich habe schon immer gesagt: Wenn Feinde einem Angst machen wollen oder einen betrüben oder beunruhigen wollen, kann man ihnen nur ins Gesicht lachen, einfach so. Sich ärgern? Dann freuen sie sich und sagen: "Er ist wütend" – Nein, nein. Umsichschlagen? Sie entwischen einem, sie sind schlüpfrig wie Pudding, man kriegt sie nicht zu fassen. Lacht man ihnen aber ins Gesicht, dann ärgern sie sich sehr. Das einzig Wirksame ist, sich über sie lustig zu machen. Ihre Geschichten mögen kleine Kinder erschrecken, aber nicht uns.

Wir leben in der Ewigkeit.

Ich sage dir (und das ist der normale, natürliche Bewusstseinszustand), es dauerte kaum eine Minute letzte Nacht: in nur einer Sekunde, brrf, war es vorbei! Dann tauchte ich in eine Art ruhige Freude ein, einfach so, ein Zustand, der drei Stunden ununterbrochen anhielt. Danach wurde die Arbeit wieder aufgenommen.

Aber vor dem Einschlafen machst du es so: Du stellst dir ein weißes Licht vor (stell es dir vor, wenn du es nicht siehst). Kein kristallklares, durchsichtiges Licht, sondern ein absolut weißes, strahlendhelles Licht, ein weißes Licht, das solide wirkt. So stellst du es dir vor (und es ist auch so, aber stell es dir vor): ein weißes Licht. Es ist das Licht der Schöpfung – wie heißt sie?... Maheshwari? (Lachend) Die höchste Dame da oben.

 

Ja, Maheshwari.

 

Das Licht von Maheshwari. Wie es scheint, hatte ich es immer um mich, denn es war das erste, was mir Madame Théon sagte, als sie mich sah; sie sprach zwar nicht von "Maheshwari", aber sie sagte mir: "Sie haben das weiße Licht", das automatisch jeden bösen Willen auflöst; und das konnte ich tatsächlich erfahren: ich sah Wesen zu Staub zerfallen. Das also nimmst du, du stellst es dir vor und bildest vor dem Einschlafen einen Kokon um dich herum – weißt du, so wie sich die Raupen ihren Kokon formen. Ich werde ihn hier bilden, aber deine "Einbildungskraft" hilft dabei, dass er sich dir besser anpaßt, angleicht. Du bildest einen Kokon, und wenn du gut darin eingewickelt bist, so dass keine Feinde mehr eindringen können, dann lässt du dich in den Schlaf sinken. So kann nichts mehr eindringen, was von außen oder von einem schädlichen bösen Willen kommt. Das ist gewiss. Natürlich bleibt noch das, was man in seinem Unterbewusstsein mit sich trägt... dies muß man nach und nach mit seinem eigenen Willen aus dem Weg räumen.

Aber dieses Licht, mein Kind, ist allmächtig! 

...

Aber erzählte ich dir nicht die Geschichte von I, die mit Dilip zusammen war? Bevor sie Dilip kennenlernte, war sie bei einem Guru, einem Sannyasin oder was weiß ich. Der war äußerst wütend, dass sie ihn verlassen hatte und verfluchte sie. Sein Fluch rief bei ihr eine Art Thrombose hervor (weißt du, wenn das Blut dickflüssig wird und gerinnt), hier am Hals, über der rechten Schulter, glaube ich, und es war sehr schmerzhaft – sogar gefährlich. Sie erzählte mir davon. Ich sagte es Sri Aurobindo, und er bat mich, sie zu beschützen. Ich schickte diesem Herrn mein Licht. Daraufhin stießen ihm fürchterliche Dinge zu, eine schreckliche Krankheit, an der er starb. Kurz bevor er starb, ging I zu ihm, und da sagte ihr dieser Mann (der bewusst war): "Sehen Sie nur, was Ihre Mutter mir angetan hat!" Er war bewusst. Ich sah, dass meine Sache völlig objektiv war, denn ich hatte mit niemandem auch nur ein Wort darüber gesprochen. Aber vor allem war dieses Licht durch Sri Aurobindo gegangen... Ich hatte ganz einfach das Licht zu diesem Herrn geschickt, damit das ein Ende nehme. Und weil er nicht besonders rein war, kam es in einer schrecklichen Krankheit zum Ausdruck.

Jetzt auf Wiedersehen, meine Kinder!

Wenn du also ruhig schlafen willst, dann machst du dir vor dem Einschlafen einen kleinen Kokon zurecht. Auf Wiedersehen, mein Kind.

Und dir empfehle ich: die Unwirklichkeit der menschlichen Ansichten über Krankheiten.

 

 

 

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Zuletzt bearbeitet am 25. Juni 2018


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