Visionen und innere Mitteilungen

 

Alle Visionen haben eine Bedeutung der einen oder anderen Art. Diese Fähigkeit der inneren Schau ist für den Yoga sehr wichtig und sollte nicht zurückgewiesen werden, wenngleich sie nicht das Wichtigste ist – denn das Wichtigste ist die Wandlung des Bewusstseins. Alle anderen Fähigkeiten, wie die der inneren Schau, sollten ohne Verhaftetsein als zum Yoga gehörig und für ihn förderlich entwickelt werden.

 

Sri Aurobindo, Briefe über den Yoga

 

Oft sind die ersten inneren Visionen das Wahrnehmen von Lichtbewegungen:   

 

"Die häufige Vision von Lichtern ... ist meist ein Zeichen dafür, dass der Betreffende nicht durch sein äußeres Oberflächen- oder Wach-Bewusstsein begrenzt ist, sondern eine latente Fähigkeit hat (die durch Training und Übung vervollständigt werden kann), in die Erfahrungen des inneren Bewusstseins einzutreten, das von den meisten Menschen nicht wahrgenommen wird, sich aber durch die Ausübung des Yoga öffnet. Durch dieses Sich-Öffnen [des Bewusstseins] wird man sich der feinstofflichen Ebenen der Erfahrung und der Daseinswelten, die von der stofflichen verschieden sind, bewusst. Für das spirituelle Leben ist ein noch weiteres Sich-Öffnen gegenüber einem innersten Bewusstsein erforderlich, durch das man das Selbst und den Spirit gewahrt, das Ewige und Göttliche." (Sri Aurobindo, Briefe über den Yoga)

 

Im Lauf des Integralen Yoga können Visionen die Form informativer, symbolhafter und zuweilen verstörender Mitteilungen annehmen. Diese innere Schau ist zu begrüßen und hilfreich, wenn man besonnen damit umgeht.   

 

 

Nicht alle Mitteilungen sind sinnvoll

 

Sie erheben sich von selbst während der Meditation oder nachts im Schlaf.  Nicht alle sind von Bedeutung und es erfordert Bereitschaft, Übung und Aufrichtigkeit, sie zu entschlüsseln und davon zu profitieren. Es gilt zu unterscheiden, um welche Art von Mitteilung es sich handelt und aus welchem Bereich sie stammt. Missversteht man zum Beispiel eindringende vitale Störungen, kann das negative Folgen haben.   

 

Es gibt gewöhnliche nächtliche Träume, die nur ein mechanisches Weiterlaufen des Mentals sind, das seine Aktivität im Schlaf fortsetzt. Dem kann man vor dem Einschlafen durch gezieltes Abstellen jeglichen Grübelns, bewusste Entspannung des ganzen Körpers und dem Verwenden vom Mutters Mantra entgegenwirken. Es wird die Schlafqualität und die Intensität der Regeneration erheblich steigern.

Manchmal werden vitale Anteile verarbeitet, z.B. Ängste "in Szene gesetzt" oder hartnäckige Gewohnheiten aufgezeigt und ins Bewusstsein gerückt. Sie können ausgelöst werden durch einschneidende Ereignisse, eine belastende Lebenssituation oder die Läuterungsarbeit des Yogas.    

 

Daneben gibt es "Visionen", die eher als Erfahrungen bezeichnet werden können. Sie haben einen tieferen Symbolgehalt, wirken tagelang nach, werden als besonders lebendig und bedeutungsvoll empfunden und wir streben danach, den tieferen Sinn dahinter zu entschlüsseln. Das erfordert eine gewisse Vorsicht, da nicht alle nächtlichen Mitteilungen aus den höheren Regionen stammen. Wie schon erwähnt, können widergöttliche Einflüsse gerade dann im Schlaf eindringen, wenn wir meinen, sie im Wachzustand gemeistert zu haben. 

Manchmal sind wir während der Nachtruhe in vitalen Regionen unterwegs, die nicht ungefährlich sind. Angriffe, die dort auf uns verübt werden, können sich im Wachzustand als Verletzungen oder Krankheiten manifestieren. Man sollte deshalb neben der erwähnten Entspannung und Ausrichtung auf das Göttliche vor dem Einschlafen zusätzlich um Schutz bitten. Man ist dann eher in der Lage, bedrohliche Situationen gleich zu erkennen, davor zu fliehen oder im Schlaf Mutter um Hilfe zu rufen. Hier handelt es sich nicht um Visionen, sondern um tatsächlich durchlebte Erfahrungen.

Hin und wieder werden wir durch unser seelisches Wesen oder eine andere höhere Macht gewarnt vor Situationen, Unfällen oder Auseinandersetzungen mit Menschen, die sich zukünftig im realen Leben ereignen werden. Sie können unmittelbar bevorstehen oder erst nach einer längeren Zeit eintreffen. Diesen Warnträumen sollte man Aufmerksamkeit schenken und sie ernst nehmen. 

Manche Visionen finden einmalig statt, andere wiederholen sich mehrmals auf dieselbe Weise oder in veränderter Form. Man kann dadurch wertvolle Hinweise auf zu bearbeitende Widerstände oder einen gemachten Fortschritt erhalten. 

Mit der Zeit lernt man, ihren Wahrheitsgehalt von unsinnigen, verstörenden Inhalten zu unterscheiden. 

 

 

Kann man diese Mitteilungen und Visionen fördern? 

 

Die beste Methode, sich zu erinnern, ist, sich auf die Aufwachphase zu konzentrieren. Fühlt man, dass man aus dem Schlaf in die Wachphase auftaucht, darf man sich keinesfalls im Bett herumdrehen oder zu bewegen.

Sehr oft werden wir während einer dieser "Traumphasen" wach. Ein konzentriertes, rückwärts gerichtetes  "Lauschen" bewirkt, dass wir die Verbindung zu dieser Schwingungsebene aufrecht erhalten und die Erfahrung in unser Tagesbewusstsein mit hinübernehmen können.

Zettel und Stift auf dem Nachtkästchen als verstärkende Absichtserklärung wirken unterstützend. Da wir nachts meist auf verschiedenen Schwingungsebenen unterwegs sind, werden manche dieser nächtlichen Mitteilungen von den nachfolgenden Ebenen bis zum Morgen wieder überlagert und nicht mehr erinnert. Hat man den Willen, sich zu erinnern, stellt man mit der Zeit fest, dass die Visionen zunehmen und man plötzlich mitten in der Nacht erwacht, um sie aufnotieren zu können.

Möchte man die Fähigkeit zur inneren Schau aktiv fördern, bietet sich ein Seminar zum Katathymen Bilderleben an oder Bücher zum Selbststudium.

Im Verlauf des Weges können Visionen für eine Weile komplett zum Erliegen kommen. Darüber darf man sich nicht beunruhigen, alles hat seinen Grund.  

 

 

Eigene Visionen

 

Es werden hier ein paar Beispiele weitergegeben, die zeitlich zurückliegen und abgeschlossen sind. Rückblickend ergaben sie ein vollkommen schlüssiges Bild, was den weiteren Verlauf des äußeren Lebens und der Sadhana betraf.

 

 

Orientierungslos

 

Nach vielen Jahren des spirituellen Strebens auf den herkömmlichen Wegen kam es zur Empfindung eines Stillstands. Die sogenannte "Erleuchtung" und das Verneinen des Körpers wurden jedoch als sinnlos erachtet.

Wie es häufig der Fall ist, erschien eine Veränderung in den äußeren Lebensumständen die Lösung zu sein und es folgte eine berufsbegleitende Ausbildung, um später in einen Heilberuf  überzuwechseln. Trotzdem ergab sich weiterhin im inneren Erleben keinerlei Veränderung.

Während dieser Zeit kehrte eine Vision permanent und unverändert wieder:

(Anm.: Das Wort "ich" wird als unangenehm empfunden, ist aber zum besseren Verständnis unerlässlich.)

 

Vision 1:

Ich bewege mich auf einer Straße vorwärts. Jedes Mal komme ich an einem kreisrunden  Platz an, ähnlich einer Eisenbahn-Drehscheibe, von der fünf oder sechs Wege in eine andere Richtung abgehen. Die Vision endet immer wieder an diesem Punkt. 

 

Diese Vision wiederholte sich mehrmals nachts und einmal in einer geführten Hypnose während der Zusatzausbildung, als es um die Zukunft ging.  

 

 

Vision 2, nachts:

Ich laufe durch eine Landschaft und weiß nur: Ich bin auf dem Weg nach Hause. Die Landschaft ist mir vertraut, als hätte ich mich in ihr schon etliche Male bewegt. 

Der Weg wird allmählich beschwerlich und erschöpfend. Ich habe den Eindruck, je mehr ich davon zurücklege, umso länger wird er.

Ich komme in eine Ortschaft, in deren Straßenlabyrinth ich mich in Belanglosigkeiten verliere: Ich will alte Kleidung loswerden, finde nichts Neues zum Anziehen oder weiß nicht mehr, wie man sich anzieht. Leicht bekleidet stehe ich hilflos in einem mir unbekannten Raum, aber niemand um mich herum scheint das zu bemerken. Hier endet die Vision.  

Ein anderes Mal lande ich an einem komplizierten Straßenknotenpunkt, modern ausgebaut mit gebogenen Unter- und Überführungen, Einfahrten und Ausfahrten. Hier nehme ich immer wieder dieselbe vertraute Abzweigung, sicher, dass sie mich nach Hause führt. Trotzdem endet das Ganze wieder in einer verwirrenden Szene: Einmal in einem Parkhaus, aus dem ich den Ausgang nicht mehr finde, ein anderes Mal auf einem schmalen Pfad durch Wiesen und Wälder einer Hügellandschaft.  

 

Diese Vision wiederholte sich in variierter Form zwei Jahre lang. Beide Visionen verschwanden, als ein tiefer Lebenseinschnitt erfolgte, der alles veränderte. 

 

 

Das „Brackwasser“ der Welt

 

Vision 1 (nachts, Meditation):

Ich schwebe über der Erde und schaue auf sie herab wie auf eine Landkarte. Die Farben Grün, Blau und Braun überwiegen.

Wenn ich mich nähere, zieht es mich regelmäßig zum blauen Wasser hin. Ich möchte darin eintauchen und baden. Aber je weiter ich mich dem Ufer nähere, umso mehr verändert sich das Wasser. Es wird trübe, sieht schmutzig aus und fängt an zu schäumen. Mehrere Menschen stehen hüfthoch darin und scheinen ihren Spaß zu haben, als würden sie nicht bemerken, wie es sich verändert.  

Ich fange an, den Strand entlang zu rennen, um eine saubere Stelle zu finden. Als ich darin eintauche und mich schwimmend vom Ufer wegbewege, sehe ich, wie ich mehr und mehr umringt werde von dem Schmutzwasser.

 

Diese Vision wiederholte sich einige Male und endete damit, dass kein Fleckchen sauberes Wasser mehr zu finden war. Das Licht wurde fahler und die mehr intuitiv wahrgenommene Sonne wurde von einem grauen Schleier überlagert. Die ganze Szene wurde in ein "totes", ockerfarbenes Licht getaucht, während der Wasserstand mehr und mehr absank. 

 

Sri Aurobindo: "Der blaue Ozean ist oft ein Symbol des spirituellen Bewusstseins im höheren Mental, eins und unteilbar."

Durch das Eindringen des Supramentalen Lichts in die irdische Materie, also auch in den eigenen Körper, waren die Tore des Unterbewussten und Unbewussten berührt worden und der evolutionäre Schlamm begann ins Bewusstsein aufzusteigen. Äußerlich war es der Beginn der Herauslösung aus dem Berufsleben, da die körperliche Beanspruchung stetig zunahm und den Rückzug erforderte.

 

 

Vision 2, nachts: 

 

Ich befinde mich mit anderen am Meer.  Ich renne hin zum Strand, begierig allen zu zeigen, wie gut ich schwimmen kann: Im Butterfly mühelos vorwärts, alle hinter mir zurücklassend. (Das spirituelle Ego der Anfangszeit.)

In einer Variation der Version zu einem späteren Zeitpunkt merke ich plötzlich, dass ich nicht länger schwimme, sondern über das Wasser renne. Ich bin vollkommen allein. Als ich nach unten schaue, sehe ich kein Wasser mehr, nur eine düstere, brackige, schlammige, zähe Brühe. Ich renne mit großer Geschwindigkeit darüber hinweg, ohne sie zu berühren, empfinde aber keine Angst.

Irgendwann komme ich an einem Betonbunker ohne Fenster an, der sich mitten in dem morastigen See oder Meer erhebt. Zielgerichtet und mühelos öffne ich die rostige, verriegelte Metalltür. Von innen betrachtet ist das Gemäuer genauso grau und hässlich wie von außen. Es ist ein einziger, etwa fünfzig Meter hoher Raum, rechteckig. Ich sehe eine alte Metalltreppe am Rand, die nach unten führt. Geht man vom Eingang auf Höhe des "Meeres"-Spiegels aus, erstreckt sich dieser Bau hinein in die Tiefe der Erde (=Materie).  

Schon auf der kleinen Galerie am Eingang dringt ohrenbetäubender Lärm zu mir herauf. Ich halte mich an einem wenig vertrauenserweckenden Geländer fest und schaue hinunter. Der Boden dieses Bunkers ist über die ganze Fläche mit schmutzigem Wasser bedeckt, kniehoch bis maximal Hüfthöhe. In diesem Wasser tobt eine Schar Jugendlicher. Sie schlagen aufeinander ein, reißen sich an den Haaren oder gehen sich an die Gurgel. Eine absolut bösartige Truppe gefühlloser, „ungezogener“ (?) Kinder. Die blanke, entfesselte und nackte Wut. 

 

Dieses Umsichschlagen des Widerstands ist gegenwärtig überall auf der Erde zu beobachten, als Folge des Einwirkens der Supramentalen Macht.

Verdrängte Anteile dieser Wut waren für lange Zeit Teil des eigenen Themas. Offensichtlich wurde hier ein absolut abgekapselter Bereich des Unterbewusstseins "ausgekehrt". In solchen Momenten wird die globale Vernetzung auf schmerzhafte Weise bewusst. 

 

 

 

 Erste Früchte der Sadhana

 

Vision 1, nachts: 

 Ich stehe neben meiner Nachbarin und zeige ihr etwas. Im wirklichen Leben haben wir kaum Kontakt zueinander, aber in dem Moment empfinde ich eine selbstverständliche innere Vertrautheit.

(Sie klagte mir gegenüber einige Male über ihre Ängste vor der Angriffigkeit einer bestimmten Person, unter deren Bösartigkeit auch ich regelmäßig zu leiden hatte: Sie war alkoholabhängig, gehörte zu unser beider unmittelbaren Wohnumfeld und prahlte damit, schwarze Magie anzuwenden gegen Menschen, von denen ihr angeblich Gefahr drohte. Ich versuchte, meiner Nachbarin mehrmals im Gespräch beizustehen und zu erklären, wie sie sich gegen deren Angriffe innerlich schützen könne. Sie selbst zeigte beginnendes Interesse an spirituellen Themen.) 

In der Vision betrachten wir einen hochgewachsenen Strauch. Er scheint in einem Garten zu stehen und wird vom Sonnenlicht beschienen. Er trägt Beeren in verschiedener Farbintensität, ähnlich denen eines Johannisbeerstrauchs, die je nach Farbe wie von innen heraus leuchten. Es gibt milchig weißtransparente Beeren mit geringerer Leuchtkraft. Dazwischen vereinzelte bräunliche Beeren, schrumpelig, kleiner, verhärtet, wie vertrocknet und abgestorben. Ich lenke die Aufmerksamkeit meiner Nachbarin auf ein paar vereinzelte rote Beeren mit einer auffallenden Leuchtkraft. Sie sind größer als alle anderen, aber nicht so zahlreich. Ich bringe meine Begeisterung darüber zum Ausdruck. 

 

Es war das erste Leuchten der Supramentalen Kraft in den Zellen der Materie. Rot ist die Farbe des Physischen. 

 

 

Beim "Zahnarzt"

 

Eine sich mehrmals nachts wiederholende und für das Tagesbewusstsein extrem unangenehme Vision, trotz der positiven Bedeutung:

 

Ich habe das Empfinden, dass sich Zähne lockern, abbrechen oder innerlich aushöhlen, bis nur noch die äußere Form besteht. Hilflos beiße ich auf den Zahnteilen herum und sie verkanten sich unangenehm zwischen den restlichen Zähnen, die noch im Kiefer stecken. Es fühlt sich an, als hätte ich den ganzen Mund voll davon. Ich habe Sorge, dass ich dabei noch mehr Zähne "herausbeiße".  

Es passiert alles ohne den geringsten Schmerz. Trotzdem empfinde ich eine gewisse Panik und fingere die Reste ängstlich aus dem Mund. 

Nichts blutet, die zurückbleibende Lücke scheint unmittelbar zu verschwinden. Ist der Zahn erst einmal draußen, ist das nicht unangenehm. (Trotzdem vermischt sich hier die symbolische Bedeutung mit dem gewöhnlichen Empfinden des äußeren Bewusstseins, in dem wir eine solche `Operation´ eher als unerträglich empfinden würden.) 

Als das passiert, habe ich das Bedürfnis, mich zu einem Zahnarzt zu begeben, dass er mir hilft und die Zähne rettet. Dort nehme ich plötzlich eine andere Beobachtungsposition ein: Ich befinde mich in der überdimensionalen Mundhöhle und sehe unbeteiligt von hinter den Zahnreihen zu, wie meine Zähne einer nach dem anderen verschwinden. 

 

Diese Szenerie wiederholte sich im Abstand mehrerer Monate, wobei manchmal die Seiten wechselten und immer eine unterschiedliche Anzahl weiterer Zähne verschwand. Es waren hauptsächlich die Backenzähne, die betroffen waren. Der Verlust der Schneidezähne ging unmerklich vor sich. 

Der linke hintere Backenzahn ließ sich trotz Lockerung nicht sofort entfernen. Er war mit einer Art überdimensionalem Eisenscharnier befestigt, das quietschend und schwer hin- und herschlug, den Zahn aber nicht freigab. „Etwas“ – das, was er repräsentierte – leistete hartnäckig Widerstand.  

 

Satprem beschreibt in den Carnets dieselbe Vision. Er nannte die Zähne die "alten Gesetze".  Betrachtet man ihre symbolische Entsprechung, wird klar, dass unsere im Körper abgespeicherten Triebe immer noch von unserem tierischen Dasein bestimmt werden:

Backenzähne: Zermalmen, Zerkleinern, Zermahlen; steht auch für Wut, jemand zermalmen zu wollen.

Schneidezähne/Eckzähne (=Fangzähne): Eine Situation oder  Person zu "packen" oder in den Griff bekommen. 

Im Verlauf dieses Yoga machen sich tatsächlich weniger positive menschliche Kontakte sehr häufig durch Zahnschmerzen bemerkbar. Auch Mutter hatte immer wieder damit zu kämpfen.

 

Interessant an einer der Visionen war, dass zwei der entfernten Zähne wunderschön geschmückt oder verziert waren, türkis- und goldfarben. Trotzdem wurde ihr Verlust hinterher ohne jedes Bedauern zur Kenntnis genommen. Vielleicht repräsentierten sie das Bedürfnis, tugendhaft sein zu wollen? Nur unsere vermeintlich "besten Seiten" als uns zugehörig anzuerkennen? Doch unser neues Sein wird jenseits von Sünde oder Tugend liegen, und in der Supramentalen Transformation haben wir unseren Anteil Dunkles auf uns zu nehmen, um es dem Göttlichen zur Umwandlung darzubieten. Wie schon in anderen Beiträgen erwähnt tun wir den Yoga nicht für uns allein. 

 

 

 Falls der Traum symbolisch ist, hat das Ausfallen der Zähne die Bedeutung, dass alte oder starre Gewohnheiten des physischen Mentals verschwinden.

 

Sri Aurobindo

 

 

Die weiße Brücke

 

Diese Vision fand Jahre vor der ersten Begegnung mit Satprems Carnets d'une Apocalypse statt. Um so verblüffender ist, dass sie sich mit jener Vision nahezu deckt, die Satprems Freund darin schilderte:  

 

Ich stehe vor einer weißen Brücke. Sie ist gebogen, steigt also zuerst leicht an, bevor sie sich ans andere Ufer neigt. Wie aus einer weiß lackierten, durchbrochenen Stahlkonstruktion aus einem Guss. Sie ist wunderschön und macht einen absolut stabilen Eindruck. Mit einem hohen Geländer links und rechts, das ein Abstürzen unmöglich macht.

Über der begehbaren Fläche, ähnlich einer breiten Straße, erheben sich Verstrebungen: Sie wirken elegant und strahlen zugleich eine zuverlässige Festigkeit aus. 

Ein paar Leute stehen vor der Brücke, aber sie gehen nicht hinüber. Ich weiß nicht, worauf sie warten, es interessiert mich auch nicht. Ich klettere ohne Zögern die Stahlstreben hoch und bewege mich über der Brücke auf allen Vieren vorwärts, um auf die andere Seite zu gelangen. 

Ich frage mich, ob es unverschämt ist, einfach auf diesem Weg vorauszugehen und nicht wie die anderen zu warten ...?   

Die Brücke wird von einem hellen Licht beschienen: Als wäre ein wunderschöner Sommertag. Für einen kurzen Moment habe ich das Bedürfnis, von der Brücke abzulassen und mich in das Licht über mir "hineinschmelzen" zu lassen.   

Ich erwache, bevor ich die andere Seite der Brücke erreiche.

 

Wie Satprem deutete, war das wohl die Brücke zwischen der alten und der neuen Welt, die Sri Aurobindo und Mutter für uns bauten, um nachzufolgen. Ein Stück weit können wir sie sehen, aber der weitere Verlauf ans andere Ufer bleibt uns für lange Zeit verborgen. 

 

 

 Das Insekt muss sterben!

 

 

Vision, nachts

 

Ich bewege mich im Keller eines alten Gebäudes vorwärts. Es ist stockdunkel. Ich richte mein Licht (?) auf eine dunkle Ecke. In der Wand ist ein Riss, halb verborgen durch ein altes Holzschrankteil. Aus diesem Spalt ragt das spitz zulaufende Hinterteil und der Körper eines gigantischen grauen Insekts heraus. Es verbirgt – absichtlich oder unabsichtlich? – seinen Kopf in dem Spalt. Vielleicht auch wollte es entkommen und blieb stecken? 

Es ist ohne Kopf etwa zweieinhalb Meter lang und in der Mitte des Körpers einen guten Meter dick.

Es interessiert mich nicht, ob es noch lebt oder nicht. Ich empfinde Furcht und Ekel. Aber ich überwinde meine Angst und fasse den Entschluss, dass es auf jeden Fall getötet werden muss. 

In dem Moment erwache ich. 

 

Ein viele Jahre quälender äußerer und innerer Zustand, auch hinsichtlich der Ohnmacht gegenüber einem belastenden Lebensumstand, löste sich daraufhin auf.

Folgende Deutung fand ich in dem Zusammenhang bemerkenswert:

 

"Insekten sind ambivalente Symbolgestalten, wobei für den Menschen allerdings die unangenehmen, schädigenden, stechenden, blutsaugenden, giftspritzenden, Krankheiten übertragenden, beißenden, fressenden, verfolgenden, anekelnden Aspekte der Insekten zu überwiegen scheinen. Als Gattung in ihrer Vielheit und als Schwärme haben sie symbolischen Bezug zum vegetativen Nervensystem, das nicht dem bewussten Willen des Ich unterworfen ist. Träume von Insektenschwärmen, Insektenvölkern und Schadinsekten in größerer Menge verweisen daher möglicherweise auf Beunruhigung und auf Störungen des Vegetativums. Insekten vermitteln ein Gefühl von Ausgeliefertsein, Zudringlichkeit, Eigensinn, Grenzverletzung, des Eindringens. Sie kommen durch die kleinsten Ritzen, nisten sich als Ungeziefer in Häusern und Haaren ein, dringen durch die Haut in den Körper; ihre Geräusche dringen ins Ohr. Sie trotzen all unseren Abwehrmaßnahmen, werden resistent gegen diese.

In ihren dunklen Aspekten sind Insekten nahe an Verletzung, Schmutz, Kot, Fäulnis, Verwesung, Verderbnis, Aas, Zersetzung und Tod. Den Himmel verdunkelnde Heuschreckenschwärme werden als biblische Plage und Strafe Gottes beschrieben. Im Volksglauben sind sie überwiegend Hölle, Teufel, Hexen, Zauberern und Dämonen zugeordnet. In Goethes Faust nennt sich Mephistopheles: "Der Herr der Ratten und der Mäuse, der Fliegen, Frösche, Wanzen und Läuse." In J. P. Sartres "Die Fliegen " stehen diese als Zeichen für Schuld. Nicht zu vertreibende Schuldgefühle, sind mit den schwärmenden Erinnyen verbunden. In F. Kafkas "Die Verwandlung " wacht Gregor eines Morgens in einen Käfer verwandelt auf, erlebt das Ausgeschlossen- und Abgesondert sein von seiner Familie und stirbt schließlich an der ihm entgegengebrachten Lieblosigkeit und Aggression. In Horrorfilmen wird die beängstigende Seite der Insekten thematisiert, wenn verschiedene riesige tötende, fressende Killerinsekten in ständig wachsenden Schwärmen über Landstriche herfallen. Übergriffige und eindringende Menschen, aber auch Triebansprüche und Gewissensbisse können in Träumen und Fantasien als Insekten verkörpert sein, gegen die es keine geeigneten Abwehrmaßnahmen gibt. ..."

(symbolonline.de, Hanna Wolter, Autorin)

 

Von seinen Schülern nach der Symbolik von Insekten befragt, erklärte Sri Aurobindo: "Fliegen: etwas Geringes im kleinen Vital. ... Offensichtlich sind die weißen Ameisen symbolisch für kleine, aber zerstörerische Kräfte im niederen Vital und Physischen."

Wie entsprechend groß und lebensbestimmend war die zerstörerische Kraft beim Ausmaß des überdimensionalen Insekts aus der Vision? Hier wird wieder die globale Vernetzung deutlich.  

 

 

Die Prophezeiung

 

Nächtliche Vision des Körpers 

Ich erwache und erlebe "mich" in einem fließenden Zustand. Ich werde sanft bewegt und getragen von einem Meer aus Licht, wie unendlich viele lebendige, kleine Sonnen in der Dunkelheit. Der Körper empfindet eine nie dagewesene glückselige Leichtigkeit und Elastizität. Nicht der geringste Schmerz, keinerlei Schwere oder Empfinden von "mein" oder der Grenze seiner selbst.

Und dennoch löst er sich darin nicht auf, sondern behält sein individuelles Bewusstsein.  

Ist er selbst aus Licht ...?

 

Der Moment dauerte nur ein paar Sekunden. Eine der einprägsamsten, körperlichen Erfahrungen auf diesem Weg. Sie stand am Anfang der schwierigen Phase des Yoga in den Körperzellen.

Dieses Phänomen trat immer wieder auf: Vorwegnehmend eine wunderbare Erfahrung, auf die eine längere Phase der Ausarbeitung folgte. Die Erinnerung daran wurde als hilfreicher "Rettungsanker" empfunden. Als flüsterte mir jemand zu: "Hab keine Angst. Schau, so wird es sein ...."

 

... und für jeden, der nachfolgen wird. 

 

 

 

 

 

... zurück zur Übersicht

 

 


VCounter.de Besucherzähler