Bleib nicht stehen – geh weiter!

  O mein Herr, mein süßer Meister,

um Dein Werk zu vollbringen, bin ich in die unerlotbaren Tiefen der Materie gesunken, habe mit dem Finger an den Gräuel des Unbewussten und der Falschheit gerührt – Sitz des Vergessens, äußerste Finsternis!

Aber in meinem Herzen war die Erinnerung, und aus meinem Herzen brach der Ruf, der zu Dir emporlangte: "Herr, Herr, Deine Feinde scheinen überall zu triumphieren; Lüge ist der Herrscher der Welt; Leben ohne Dich ist der Tod, ist ewige Hölle; Zweifel hat den Platz der Hoffnung eingenommen und Auflehnung den der Hingebung; Glaube ist versiegt, Dankbarkeit ungeboren; blinde Leidenschaften, mörderische Instinkte, schuldige Schwäche haben Dein Gesetz der Liebe verhüllt, erstickt. Herr, erlaubst Du Deinen Feinden, der Lüge, der Hässlichkeit, dem Leiden, zu triumphieren?

Herr, gib den Befehl zu siegen, und der Sieg wird gewonnen werden. Ich weiß, dass wir unwürdig sind, ich weiß, dass die Welt nicht bereit ist. Aber ich schreie zu Dir in meinem unbedingten Glauben an Deine Gnade, und ich weiß, Deine Gnade wird uns retten."

So schwang sich mein Gebet zu Dir empor; von den Tiefen des Abgrunds aus sah ich Dich in Deiner strahlenden Herrlichkeit; Du erschienst und sagtest: 

 

"Verliere den Mut nicht, sei fest und vertrauensvoll:  ICH KOMME."

 

Mutter

 

    "Ich sehe niemals auf Irrtümer und Fehler. Ich sehe nur auf die Seele, das seelische Wesen, dass es an die Oberfläche komme und die Führung des ganzen Wesens übernehme. 

Das seelische Wesen ist dein wahres Selbst, und wenn du ihm dein äußeres Wesen öffnest, wirst du fähig sein, die Hilfe des Göttlichen zu empfangen und zu siegen."

Mutter, Weiße Rosen

"Je mehr Schwierigkeiten auftauchen, um so sicherer kannst du sein, dass der Herr dich so geschwind, wie du nur irgend gehen kannst, zu sich zieht." 

Mutter, Weiße Rosen

    "Manche halten es für anmaßend, an eine besondere Vorsehung zu glauben oder sich selbst für ein Instrument in den Händen Gottes zu halten; ich aber meine, dass jeder Mensch ein individuelles Schicksal hat, und ich sehe, dass Gott sich der Hacke des Arbeiters bedient, wie auch des plappernden Mundes eines kleinen Kindes." 

 

Sri Aurobindo, Thoughts and Glimpses

    "Kann von irgendeiner Person gesagt werden, sie sei unfähig auch nur des geringsten Fortschritts im Joga, so war dies X, uneinsichtig durch und durch, einzigartig in dieser Beziehung. Störrisch, empört, beleidigend. Keinerlei Eignung, keine Erfahrung, nicht einen Schimmer, ein Fleckchen oder verdammtes Tüpfelchen davon irgendwie, irgendwo oder irgendwann für Jahre, mehr Jahre und noch mehr Jahre. 

Vor einiger Zeit nun kommt ihr vor oder beginnt sie zu spüren, sie wolle die Mutter und sonst nichts und niemand. (Das war das Ergebnis meines jahrelangen und unaufhörlichen und scheinbar vergeblichen Einhämmerns.) Sie schlägt immer wieder Krach, weil sie die Mutter nicht kriegen kann, keine Spur, keinen Wink, rein gar nichts von der Mutter. Sehr häufig Drohungen, den Ashram zu verlassen, sich umzubringen. Ich bleibe unerbittlich und streng, nicht scherzhaft wie dir gegenüber. Sie heult ausgiebig, weil die Mutter sie nicht liebe. Ich bin noch härter zu ihr, pumpe aber weiterhin Kraft und anderes in sie. Sie gibt es auf, sie fährt fort, zu heulen, weil sie keinen Glauben habe und die Mutter nicht liebe. (All das zieht sich durch Monate hin.) 

Eines Tages endlich, nachdem sie beschlossen hat, das Heulen und Alles einzustellen, findet sie plötzlich, sie lebe in Schranken; diese brechen nieder, ozeanische Weite erstreckt sich in ihr, Liebe, Frieden, usw. strömen herein oder schicken sich mit Druck dazu an; sie kann nicht begreifen, was in aller Welt das ist und was sie tun soll, bittet um Führung. 

Also, Sir, wenn meine jogagleiche Beharrlichkeit mit einer solchen Person ein derartiges Wunder wirken konnte, warum solltest du nicht ein früheres „Wunder“ erwarten können, o Nimrod von kleinem Glauben und noch geringerer Geduld? " 

 

Aus deiner geheimnisvollen Handschrift über diese mysteriöse Person schließe ich, dass sie ein beherztes Mädchen sein muss. Wenn sie trotz jener Dresche – bist du wirklich dazu imstande? – und obendrein Mutters festen Blicken treu dabei geblieben ist, so muss ich sagen, auch sie ist ungewöhnlich ausdauernd.

 

"Sie vermochte das wohl, weil sie kein Gehirn hat. Das verflixte vernünftelnde Gehirn ist es, was dir zum Verderben gereicht. Denn statt von den Dingen seine Lektion zu lernen, räsoniert es über sie auf seine wirkungslose, ja ekelhaft Weise. Sie hat es vermutlich deshalb getreulich durchgestanden, weil sie keinen andern Ausweg hatte. Das ist natürlich nur der äußere Grund – der wirkliche ist, dass etwas Unbekanntes sie dazu anhielt." 

Sri Aurobindo, Briefwechsel mit Nirodbaran

 


 

Erlaube dem Herrn, alles zu tun

 

    "Nun, wenn ich beginne, auf diese Weise zu schauen (die Mutter schließt die Augen), dann sind da zwei Dinge zur gleichen Zeit: dieses Lächeln, diese Freude, dieses Lachen sind da und solcher Frieden! Solch voller, lichterfüllter, allumfassender Frieden, in welchem es keine Konflikte, keine Widersprüche mehr gibt. Es bestehen keine Konflikte mehr. Es ist eine einzige, Harmonie — und dennoch existiert alles, was wir Irrtum, Leiden, Elend nennen, alles ist da. Es eliminiert nichts. Es ist eine andere Weise zu sehen.

(langes Schweigen)

Es kann keinen Zweifel geben, dass es schließlich nicht so schwierig ist, wenn du aufrichtig daraus herauskommen willst: Du brauchst nichts zu tun, du musst nur dem Herrn gestatten, alles zu tun. Und Er macht alles. Er macht alles. Es ist so wunderbar, so wunderbar!

Er nimmt alles an, selbst das, was wir eine gewöhnliche Intelligenz nennen, und Er lehrt dich, sie beiseite zu legen, zur Ruhe zu bringen: „Nun ist es genug, sei still, rühr' dich nicht, belästige mich nicht, ich brauche dich nicht." Dann geht eine Tür auf — du empfindest nicht einmal, dass du sie öffnen musst, sie steht weit offen, du wirst zur anderen Seite hinübergebracht. All das wird von jemand anderem getan, nicht von dir. Und dann wird die andere Methode unmöglich.

All das... oh, diese gewaltige Mühsal des Mentals, das darum kämpft, zu verstehen, das sich abrackert und sich selbst Kopfschmerzen verschafft!... Es ist absolut nutzlos, absolut nutzlos, es hat keinen Sinn, es steigert nur die Verwirrung.

Du wirst einem sogenannten Problem gegenübergestellt: Was solltest du sagen, tun, wie solltest du handeln? Es gibt nichts zu tun, nichts, du musst dem Herrn nur sagen: „Da, siehst du, so ist es", das ist alles. Und dann bleibst du sehr ruhig. Und dann, ganz spontan, ohne darüber nachzudenken, ohne Reflexion, ohne Berechnung, nichts, nichts, ohne die leiseste Anstrengung — was getan werden muss. Das heißt, der Herr tut es. Er arrangiert die Umstände, Er arrangiert die Leute. Er legt die Worte in deinen Mund oder deine Feder. — Er tut alles, alles, alles, alles. Du brauchst nicht mehr zu tun, als dir zu gestatten, froh zu leben.

Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass die Menschen es nicht wirklich wollen."

 

 

Aber den Grund vorher freizuräumen, die Arbeit, vorher den Grund freizuräumen, ist schwierig.

 

"Nicht einmal das brauchst du zu tun! Er tut das für dich."

 

 

Aber sie brechen beständig ein: das alte Bewusstsein, die alten Gedanken …

 

 "Ja, sie versuchen, wieder einzudringen, gewohnheitsmäßig. Du brauchst nur zu sagen: „Herr, siehst du, siehst du, so ist es" — das ist alles. „Herr, siehst du, siehst du dies, siehst du das, sieh diesen Dummkopf hier" — und es ist unmittelbar vorbei. Und es ändert sich von selbst, mein Kind, ohne die geringste Mühe. Einfach aufrichtig zu sein, das heißt wahrhaft zu wollen, dass die Dinge recht sind. Dir ist vollkommen bewusst, dass du nichts daran ändern kannst, dass du die Fähigkeit nicht hast... Aber es gibt immer etwas, das es selbst tun möchte. Das ist das Problem, ansonsten ...

Nein, du magst von einem ausgezeichneten guten Willen erfüllt sein, und dann möchtest du es tun. Das kompliziert alles. Oder aber du besitzt keinen Glauben, du glaubst, Gott wird nicht fähig dazu sein, es zu tun und dass du es selbst tun musst, weil Er es nicht kann! (Die Mutter lacht) Diese, diese Art Dummheit ist sehr verbreitet. „Wie kann Er die Dinge sehen? Wir leben in einer Welt der Falschheit, wie kann Er Falschheit sehen und...". Aber Er sieht die Sache, wie sie ist! Genau so, wie es ist!

Ich spreche nicht von Menschen ohne Intelligenz. Ich spreche von Leuten, die intelligent sind und sich bemühen — es gibt eine Art der Überzeugung wie dieser, selbst bei denen, die wissen, dass wir in einer Welt von Unwissenheit und Falschheit leben und dass es einen Gott gibt, der All-Wahrheit ist. Sie sagen: „Genau deshalb, weil Er All-Wahrheit ist, versteht Er nicht. (Die Mutter lacht) Er versteht unsere Falschheit nicht, ich muss selber damit fertig werden." Das ist sehr stark, sehr weit verbreitet.

Ah, wir komplizieren alles für nichts und wieder nichts."

Mutter, Der sonnenhelle Pfad

 

 

 

Gloire á Toi Seigneur!

In tiefer Dankbarkeit für immer Dein, mein süßer Herr!

 

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