Sexualität und vitaler Austausch

 

 

Diese Gewohnheiten des physischen Vitals sind beinahe automatisch in ihrem Wirken und es bedarf entweder eines sehr starken Willens oder einer beharrlichen Bemühung der Selbst-Disziplin, um dieses automatische, beinahe reflektive Wirken loszuwerden. Du solltest dich daher durch die Schwierigkeit nicht entmutigen lassen, sondern mit der notwendigen Beharrlichkeit des Willens weitermachen, um sie aus dem Dasein zu drängen.

 

Sri Aurobindo

 (Pixabay/3194556)

 

Folgende Unterhaltung ist Teil einer jahrelangen Korrespondenz Sri Aurobindos mit dem Arzt Nirodbaran Chakravarty, einem der ältesten Mitglieder des Ashrams.

Sri Aurobindo hatte sich zu dieser Zeit bereits aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen und seine äußere Kommunikation mit den Schülern auf Briefwechsel reduziert. Sie gibt unter anderem einen Blick auf seine humorvolle Seite frei.  

(Mit "lebentlich" ist im Text "vital" gemeint.) 

 

 

N: Es scheint, Frauen haben im Joga den Vorteil, dass in ihnen der Geschlechtstrieb nicht so stark ist wie in Männern. 

 

"Es gibt da kein allgemeines Gesetz. Frauen können ebenso geschlechtlich sein wie Männer, oder noch mehr. Aber es gibt zahlreiche Frauen, doch nur wenige Männer, die das Geschlechtliche nicht mögen. Nur ein Sukhdew* in einer Million, dagegen viele Dianas und Pallas Athenes. Die Jungfrau ist im Grunde eine weibliche Vorstellung; Männer stößt die Idee ewiger Jungfräulichkeit ab. Bei vielen Frauen bliebe der Geschlechtstrieb unerwacht, wenn er ihnen nicht aufgedrängt würde, was sich nicht von vielen Männer sagen lässt, vielleicht von keinem. 

Aber die Sache hat noch eine andere Seite. Frauen sind vielleicht im Großen und Ganzen weniger physisch geschlechtlich als Männer – doch wie steht es mit lebentlicher Geschlechtlichkeit? Dem Trieb, zu besitzen und besessen zu werden usw.?"

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*Sudhdew war berühmt für seine Reinheit. Sogar die Apsaras (Himmelstänzerinnen) brauchten sich in seiner Gegenwart nicht zu bedecken.

 

Wie kommt es, dass Ramakrishna seine Jünger stets aufforderte, Weib und Geld zu vermeiden? Buddha war nicht weniger streng.

 

Das ist die alte mönchische Vorstellung. Sie rührt von der übermäßigen Geschlechtlichkeit der Männer her. Sie sehen in der Frau das Tor zur Hölle, weil in ihnen selber das Tor so weit offen steht. Aber sie schieben die Schuld lieber den Frauen zu. 

 

War der Verlust des Paradieses nicht den Frauen zu verdanken? 

 

Das war nicht dem Geschlechtlichen zu verdanken, sondern dem Drang der Frau nach neuer Erfahrung und Erkenntnis. 

 

*

 

Sie [die Frauen] leben mehr im Lebentlichen, so haben sie vermutlich weniger Schwierigkeiten in der Sadhana? 

 

Keineswegs. Wie soll im Lebentlichen zu leben die Dinge leichter machen? Das Lebentliche ist die Hauptursache der Schwierigkeiten im Yoga. Die Schwierigkeit bei Männern ist nicht rein geistig, sondern ebenfalls lebentlich – nur rufen Männer ihren Verstand, um ihr Lebentliches gegen das Kommen und die Berührung oder den Druck des Göttlichen zu verteidigen, während Frauen zum selben Zweck ihren lebentlichen Geist rufen.

 

 

 

Das Geschlechtliche überwinden

 

 

Mich plagen oft geschlechtliche Gedanken. Wie kann ich sie loswerden?

 

Zuviel an Geschlechtliches zu denken, selbst um es zu unterdrücken, macht es schlimmer. Du musst dich mehr für bejahende Erfahrung öffnen. Die ganze Zeit mit dem untern Lebentlichen zu ringen ist ein sehr langwieriges Verfahren.

 

Wie kann ich mich bejahender Erfahrung öffnen? 

 

Indem du ruhig bleibst und mit Sehnsucht danach aufstrebst – wissend, dass es oben wartet. Denke auch mehr an die Mutter und weniger an deine lebentlichen Regungen. 

 

*

 

Ich finde, ich bin nur ein Bündel von Sex und sonst nichts! Das ist die jogische Umwandlung?

 

Niemand kann nur ein Bündel von Sex sein – nicht einmal ein Kater oder ein Casanova! Es ist der Ureinwohner, der hochkommt und so auftritt, als wäre er der ganze Mensch. Doch sind da noch andere Bündel, auch wenn dieses im Augenblick obenauf ist. 

 

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist es eine allgemeine Erfahrung in diesem Yoga, dass sich augenblicklich alle niederen Kräfte des Vitals erheben und aufbäumen, sobald man den Pfad aufrichtig betritt. Das ist kein Zeichen dafür, besonders belastet oder ungeeignet zu sein, sondern unser aller menschliches evolutionäres Erbe: 

 

„Die sex- und anderen niederen Kräfte greifen an, um es der Göttlichen Kraft zu verunmöglichen, ihre Arbeit zu tun – um das Übergeistige nicht herabkommen zu lassen. Sie hoffen, es ganz und gar zu verhindern, oder, falls es durch irgendein Wunder doch herabkommt, seine Ausbreitung einzuschränken und eine mehr als vereinzelte Vollbringung aufzuhalten.“  

 

An anderer Stelle führte Sri Aurobindo aus:  „Der Unterschied zwischen Unterdrückung und Selbstkontrolle besteht darin, dass man in dem einen Fall sagt: `Ich kann nicht umhin, ein Verlangen zu haben, will es aber nicht befriedigen´, während man im anderen Falle sagt: `Ich weise sowohl das Verlangen als auch die Befriedigung des Verlangens zurück´.“ (Briefe über den Yoga)

 

Sri Aurobindo spricht häufig davon, vitale Regungen vollkommen aus dem System hinauszuwerfen, sich davon komplett zu lösen. Dem liegt die Erkenntnis zugrunde: 

Womit ich mich gedanklich beschäftige, das verstärke ich. Es nützt auch nichts, sich einer vermeintlich überkommenen Regung zu stellen, um "auszuprobieren", wie "immun" wir schon dagegen sind. Das lädt sie nur wieder ein, sich in uns breit zu machen. Eine vollkommenen Aufrichtigkeit im Streben bedeutet, das alles beharrlich zurückzuweisen: Sowohl gedanklich als auch, wenn es sich erhebt. 

Alles ist Bewusstseinswelle oder -formation, die danach trachten, sich zu  verwirklichen und zu manifestieren – in uns:

    Die gegenwärtige Aufrüstung ist deshalb so gefährlich, weil das ganze Waffenarsenal sein eigenes Bewusstsein in sich trägt und danach drängt, auch benutzt zu werden. 

    Hat man ein Problem mit Alkohol, stellt man fest, dass die Flasche Bier oder Wein im Kühlschrank solange "trink mich" rufen wird, bis sie weg ist. Ist kein Alkohol mehr da, "ruft" auch bald nichts mehr und wird irgendwann vergessen – wenn man das wirklich will. Dasselbe gilt für Süßigkeiten oder übermäßiges Essen usw.  

    Lasse ich nur das geringste geschlechtliche Interesse an einer Frau oder einem Mann zu, und wenn auch nur für den Bruchteil einer Sekunde, eines Blickes oder einer flirthaften "Selbstdarstellung", anstatt jedem Menschen dieselbe rein seelische Zuneigung entgegenzubringen, pflege ich Gesprächsthemen, die sich um Beziehungen oder sexuelle Themen drehen, und sei es, darüber zu diskutieren, wie ich die Probleme in den Griff bekomme, werde ich es immer wieder verstärken und am Laufen halten.

Diese vitalen Regungen erheben sich oft genug von selbst; haben wir sie im Wachzustand gemeistert, bedrängen sie uns im Schlaf. So lange die geringste Schwingung in uns vorhanden ist, die sie durch die Hintertür wieder hereinschlüpfen lassen.  

 

N: Kommt das Seelische auch dann nach vorn, wenn das Lebentliche unrein ist?

 

Nun, vielleicht schon; aber dann sagt es bestimmt: "Na, na, was soll all dieser Schmutz im Tempel – feg ihn mir doch sauber."

 

Oder läutert das Seelische beim Hervortreten das Lebentliche von seinen Unreinheiten? 

 

Ja, sofern du deine Zustimmung gibst. 

 

Ich glaube, solange Sex stark ist, ist weder Aufstieg noch Herabkunft möglich. 

 

Das stimmt nicht. Es ist möglich, aber verdammt unsicher. 

 

 

Anhand der Unterhaltung zwischen Sri Aurobindo und Nirodbaran werden erneut die beiden Aspekte der mentalen Verstärkung und die Betonung des beharrlichen Wollens deutlich. 

Man muss sich innerlich "umdrehen", wie Daniel in der Löwengrube all das hinter sich lassen und in die andere Richtung gehen: den Blick auf das Göttliche gerichtet. Wenn wir die Verwirklichung wirklich anstreben, und nur sie allein, werden wir das auch erreichen. Diese Arbeit können wir nicht aus eigener Kraft tun, dazu ist eine größere Macht vonnöten: Das Supramentale Licht, das bis in die hintersten Tiefen unseres Seins klärend vordringen kann. Nur müssen wir ihm das auch gestatten, ohne Einschränkungen.     

 

 

 

Über die Rolle der Frau

 

Folgende Debatte entspann sich zwischen Norodbaran und Sri Aurobindo:

 

Ein bekannter Mediziner schreibt, dass Frauen in Griechenland und Rom große Freiheit und gute Ausbildung genossen und dennoch nichts Hervorrragendes geschaffen haben. 

 

In Griechenland waren Frauen Haussklavinnen – außer den Hetären, die nur ausgebildet wurden, um zu gefallen. In Rom war "sie blieb daheim und spann Wolle" das höchste Lob für eine Frau. Nur für kurze Zeit begann die Frau im Imperium freier zu werden, wurde jedoch nie dem Mann gleichgestellt. Dein Mediziner war entweder ein Ignorant oder ein Angeber.

 

In der Malerei, Musik, Literatur, Medizin usw. habe es keine Frauen ersten Ranges gegeben. 

 

Was für eine Beweisführung – hergeleitet von außergewöhnlichen Bedingungen anstatt von den Gewohnheiten der Jahrtausende!  Und was ist mit Verwaltung, Herrschaft und Gewerbe, wo Frauen sich als ebenso fähig erwiesen haben wie die Männer, ja als durchgängiger fähig als sie? Brauchen diese Dinge keinen Verstand? Ist jeder Tölpel dazu imstande? 

 

Du wirst zugeben, dass dies die allgemein herrschende Meinung ist. 

 

Die herrschende männliche Meinung – vielleicht. 

 

Natürlich ist unbestreitbar, dass sie in mancher Hinsicht Engel sind – besänftigend, tröstend, lindernd, erfreuend. 

 

Das ist es eben, was die Männer hauptsächlich verlangt haben, ihre Bediensteten zu sein, ihre Pflegerinnen, Köchinnen, Kindergebärerinnen und -erzieherinnen sowie ihre Begierdenerfüllerinnen. Das ist ihr Beruf und Zweck im Leben gewesen, und ihre Natur hat sich ihrer Arbeit angepasst. Was sie sonst noch erreicht haben, war alles nebenbei – trotz des ihnen auferlegten Jochs. Und dann setzt der Mann sein überlegenes Lächeln auf und sagt, das habe alles an der minderwertigen Natur der Frau gelegen, nicht an der ihr aufgehalsten Bürde. 

 

Jedenfalls können Frauen sich aus Liebe leichter bescheiden. 

 

Darauf sind sie durch die Zeiten eingeübt worden – das ist der Grund. Unterwerfung, Zurückhaltung, dem Mann ausgeliefert zu sein war ihr Los – das gab ihnen diese Schulung. Aber es hat ihnen eine andere Art Ego angedeihen lassen, das ihr spirtliches Hindernis ist – das hinter dem abhimāna  [verletzter Stolz und Hochmut] und den Hungerstreiks stehende Ego. 

 

Kann man nicht sagen, dass ihr Leben einfacher ist, weil sie mehr im Herzen als im Kopf leben? 

 

All diese klar umrissenen Behauptungen sind geistige Aussagen, und sie sind, wie Philosophie und Wissenschaft allmählich entdecken, zu scharfkantig, um wahr zu sein. Leben und Sein sind zu vielschichtig dafür. 

 

 

 

Ehe und Sadhana 

 

Auf das „Rätsel“ der Eheschließung von Buddha und Konfuzius angesprochen, erhielt Norodbaran von Sri Aurobindo folgende Antwort: 

 

„… wieso ein Rätsel? Meinst du, Buddha, Konfuzius oder ich seien mit der Vorausschau geboren worden, dass sie oder ich das spirtliche Leben aufnehmen würden? Solange man sich im gewöhnlichen Leben befindet, lebt man das gewöhnliche Leben, und wenn das Erwachen und das neue Bewusstsein kommen, lässt man jenes hinter sich – nichts rätselhaftes dabei.“ 

 

Wenn das Seelische die Führung übernommen hat, kann es unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein, im gegenseitigen Einvernehmen eine Ehe fortzusetzen. Oft ist ein gleichmäßiges spirituelles Fortschreiten aber nicht gegeben und es treten Spannungen auf:

 

N: Sind dann nicht Buddha, Ramakrischna und andere gerechtfertigt, die Absonderung von den Frauen zu empfehlen? ... Denn wenn lebentliche Beziehungen ausgeschlossen werden, bleibt nichts außer bloßem Austausch von Worten, oder? 

 

Und was ist mit dem Wahren (nicht angeblichen) Seelischen und Spirtlichen – das Geschlechtliche vergessend? Wie die Dinge liegen, muss die Beziehung eingeschränkt werden, weil das Geschlechtliche sogleich nach vorne trottet. Du bist eingeladen, oberhalb des Lebentlichen und tiefer als es zu leben – nur dann kannst du es richtig benutzen. Buddha stand der Sinn nach dem Nirwana, und was nützt es, zu irgendjemandem Beziehungen zu pflegen, wenn man zum Nirwana unterwegs ist? Ramakrischna bestand auf Absonderung für die Zeit spirtlicher Unerfahrenheit; er hatte nichts gegen Begegnungen, wenn man reif geworden und nicht länger Sklave des Geschlechtlichen war. 

 

In den meisten Fällen ist es früher oder später nötig, die eheliche Verbindung zu lösen, wenn man die spirituelle Verwirklichung anstrebt:

 

"Bei jeder geselligen Vermischung von Menschen findet unwillkürlich ein gegenseitiges Ziehen lebentlicher Kräfte statt. Der Liebesakt ist eine der machtvollsten Weisen, voneinander die lebentliche Kraft zu schöpfen – oder, was auch oft geschieht, dass einer einseitig vom anderen schöpft, zu dessen großem Nachteil. Dabei ergibt sich Vieles, Gutes und Schlechtes – Freudentaumel, Gefühl von Stärke und Fülle, Bestätigung oder Schwächung und Entleerung, Eindringen guter und schlechter Eigenschaften, Austausch psychologischer Stimmungen, Zustände und Regungen, hilfreiche und schädliche Ideen, Niedergeschlagenheit, Erschöpfung – die ganze Skala.

Im gewöhnlichen Bewusstsein ist man sich dieser Dinge nicht bewusst; die Wirkungen kommen ins vordergründige Wesen, aber Ursache und Vorgang bleiben unbemerkt, weil der Austausch subtil und verborgen durch das sogenannte Unterbewusste stattfindet, das jedoch eher ein Hinterbewusstes ist, vom oberflächlichen wachen Geist verdeckt. Gelangt man in ein bestimmtes jogisches Bewusstsein, so wird man dieser verhüllten Bewegung sehr wohl gewahr, wird sehr empfindsam für alles Wirken und Widerwirken; doch hat man den Vorteil, bewusst einen Wall dagegen errichten zu können – nur annehmen was hilfreich ist, ablehnen, abweisen, hinaus- oder zurückwerfen, was schadet oder behindert. Auch Krankheiten können so von einem zum anderen übergehn, selbst solche, die medizinisch als nicht ansteckend oder übertragbar gelten. 

Diese Tatsache lebentlichen Austauschs, die dir seltsam und ungewöhnlich vorkommt, wird ganz verständlich, wenn man sich klarmacht, dass Ideen, Gefühle usw. nicht abstrakte Dinge, sondern in ihrer Art völlig konkret sind und ihre Bewegungen nicht auf den einzelnen Geist oder Körper beschränken, vielmehr sich geradeso wie die "Wellen" der Wissenschaft hinausbegeben und sich jedem mitteilen, der als Empfänger dienen kann. Noch weniger als stoffliche Wellen sind die Menschen sich dieser geistigen oder lebentlicher Wellen bewusst; wird aber der feinartige Geist und Sinn an der Oberfläche tätig – was ja im Joga geschieht –, dann wird das Bewusstsein ihrer beim Empfangen gewahr und verzeichnet ihre Schwingungen unwillkürlich und genau." (Sri Aurobindo in `Briefwechsel mit Nirodbaran´)  

 

In dieser Antwort findet Sri Aurobindo noch deutlichere Worte: 

 

"... Es gibt keinen gefährlicheren Irrtum, als die Einmischung sexueller Begierden und ihrer subtilen Befriedigung unter gleich welcher Form zu akzeptieren und vorzugeben, dies sei ein Teil der Sadhana. Dies wäre das sicherste Mittel, direkt auf einen spirituellen Fall zuzugehen und Kräfte in die Atmosphäre herabzuziehen, welche die supramentale Herabkunft blockieren würden, indem sie stattdessen gegnerische vitale Kräfte herabkommen lassen, die Zwietracht und schlimmstes Unheil säen. Es gilt, diese Abweichung absolut zurückzuweisen, sobald sie aufzutauchen beginnt, und sie aus dem Bewusstsein auszumerzen, damit die Wahrheit sich manifestieren und das Werk sich vollenden kann.

Ebenso ist es ein Irrtum, anzunehmen, es genüge, den sexuellen Akt physisch zu unterbinden und zu glauben, eine innere Nachahmung sei Bestandteil der Transformation des sexuellen Zentrums. Das Wirken der animalischen sexuellen Energie in der Natur ist ein Mechanismus mit bestimmten Zwecken innerhalb des Haushalts der unwissenden materiellen Schöpfung. Die damit einhergehende vitale Erregung erzeugt jedoch eine Schwingung in der Atmosphäre, welche den vitalen Kräften und Wesen eine sehr günstige Gelegenheit zum Eindringen bietet, und diese Vitalwesen haben als einzigen Daseinsgrund eben die Aufgabe, die Herabkunft des supramentalen Lichtes zu verhindern. Die damit verbundene Sinnenfreude ist eine Verzerrung des göttlichen Anandas, nicht seine wahre Form.

Das wahre göttliche Ananda im Physischen hat eine ganz andere Qualität, Substanz und Bewegung. Indem es wesentlich in sich selbst besteht, hängt seine Manifestation von nichts anderem ab als einer inneren Vereinigung mit dem Göttlichen.

Du sprichst von der Göttlichen Liebe; die Göttliche Liebe aber erweckt keine groben Tendenzen des niederen Vitals, wenn es mit dem Physischen in Berührung kommt. Dem zuwiderzuhandeln bewirkt allein, es zurückzustoßen und es erneut in die Höhen flüchten zu lassen, von denen es bereits so schwierig in das Dickicht der materiellen Schöpfung herabzuziehen ist, das allein aber es zu transformieren in der Lage ist. Suche die Göttliche Liebe durch die einzige Pforte, die sie zu übertreten bereit ist: die Pforte des psychischen Wesens, und weise den Irrtum des niederen Vitals zurück!" (Briefe über den Yoga)

 

 

 Tatsächlich haben all diese unwissenden vitalen Bewegungen ihren Ursprung außerhalb, in der unwissenden universalen Natur; der Mensch formt in seinen äußeren Wesensteilen, mental, vital und physisch, die Gewohnheit bestimmter Reaktionen auf diese Wellen von außen. Diese Reaktionen betrachtet er dann als seinen Charakter (Ärger, Begehren, Sex usw.) und glaubt, es kann nicht anders sein.

Aber das stimmt nicht; er kann sich ändern. Es gibt ein anderes, tieferes Bewusstsein in seinem Inneren, sein wahres inneres Wesen, sein wirkliches Selbst, was aber von der äußeren Natur verdeckt wird.

 

Sri Aurobindo

 

 

 

 

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