Zwischenmenschliche Beziehungen im Yoga

(Pixabay/889520) 

 

Der Weg des Integralen Yoga ist keine Schnellstraße, die Umwandlung wird nicht in wenigen Monaten erreicht. Und ob man dafür berufen ist, wird sich sehr wahrscheinlich erst nach Jahren des spirituellen Strebens enthüllen. Nicht mit Fanfaren und Paukenschlag, sondern Schritt für Schritt in dem Maße, wie Stärke und Einfluss des Psychischen Wesens wachsen und die entsprechenden Personen, Situationen oder Dinge in unser Leben ziehen oder uns von ihnen entfernen. Es gibt hier keine allgemein gültige Regel. Ist man aber einmal auf diesem Weg, dann weiß man es. 

Mutter erwähnte, dass es Berufenen zuweilen geschieht, dass sie alles verlieren, was sie lieben. Auch nahestehende Menschen. Wenn eine große Verwirklichung ansteht und je nachdem, was unser Grundthema ist, dient das nicht nur der Überprüfung unserer alleinigen Hingabe an die Göttliche Führung, sondern auch unserem Schutz. Vitaler Austausch kann sich zuweilen hinderlich bis schmerzhaft auswirken. 

Die meisten Menschen sind anfänglich in ein soziales Umfeld wie Familie, Freundeskreis oder Arbeitskollegen eingebunden. Strebt das Göttliche Bewusstsein danach, diese Bindungen zu lösen, bemerken wir das oft erst hinterher oder es geschieht auf eine Weise, die wir mitvollziehen können, ohne vollkommen dagegen aufzubegehren. Letzteres ist nicht im Sinne der Sadhana und wäre kontraproduktiv. 

Manche lösen sich im Verlauf ihres Strebens selbst von diesen Anhaftungen. 

 

Was zwischenmenschliche Beziehungen auf dem Weg des Integralen Yoga angeht, hat Sri Aurobindo sehr klare Aussagen gemacht: 

 

"Freundschaft oder Zuneigung ist vom Yoga nicht ausgeschlossen. Die Freundschaft mit dem Göttlichen ist eine anerkannte Beziehung in der Sadhana. Es bestehen Freundschaften unter Sadhaks und werden von der Mutter gutgeheißen. Nur versuchen wir, sie auf einer sichereren Grundlage aufzubauen als die, auf der die Mehrzahl menschlicher Freundschaften trügerisch gründet. Gerade deshalb, weil wir Freundschaft, Bruderschaft und Liebe als heilige Dinge ansehen, wollen wir diese Veränderung; sie sollen nicht in jedem Augenblick durch Egobewegungen zerbrechen und durch Leidenschaften, Eifersucht und Verrat, wozu das Vital neigt, beschmutzt, verdorben und zerstört werden können. Um sie wahrhaft zu heiligen und zu schützen, wollen wir, dass sie in der Seele wurzeln, verankert im Felsen des Göttlichen. Unser Yoga ist kein asketischer Yoga; er zielt auf Reinheit, aber nicht auf kalte Enthaltsamkeit. Freundschaft und Liebe sind unerlässliche Noten in der Harmonie, nach der wir streben. Es ist kein leerer Traum, denn wir haben gesehen, dass selbst unter unvollkommenen Voraussetzungen die Sache möglich ist, wenn im tiefsten Grund nur ein wenig des unerlässlichen Elementes vorhanden ist. Es sei schwierig und die alten Hemmnisse würden sich hartnäckig anklammern? Es gibt aber keinen Sieg ohne langwierige Bemühung und standhafte Treue zum Ziel. Es gibt keinen anderen Weg als durchzuhalten.

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Es gibt ein grundlegendes seelisches Gefühl, das allen gegenüber gleich ist; es gibt aber auch ein besonderes seelisches Gefühl für die eine oder andere Person.

….Es ist schwierig, ihre Grenzen festzulegen oder zu erkennen. Denn selbst, wenn eine seelische Liebe zu jemand anderem besteht, wird sie im menschlichen Wesen derart mit dem Vital vermischt, dass es die gewöhnlichste Sache ist, eine vitale Liebe zu rechtfertigen, indem man einen seelischen Charakter für sie in Anspruch nimmt. Man könnte vielleicht sagen, dass sich die seelische Liebe durch eine essentielle Reinheit und Selbstlosigkeit unterscheidet, die aber das Vital ausgezeichnet nachahmen kann, wenn es will.

….Das ist ein durchaus normales Phänomen in der menschlichen Natur. Die Menschen werden durch ein gewisses Gefühl der Nähe, Übereinstimmung oder Anziehung zwischen einem Teil in der eigenen Natur und einem Teil in der Natur des anderen zueinander hingezogen. Zuerst fühlt man nur das; man sieht nur das, was man in der Natur des anderen als gut oder angenehm empfindet, und unterstellt ihm vielleicht Vorzüge, die gar nicht vorhanden sind oder nicht in dem Ausmaß, wie man glaubt. Bei näherer Bekanntschaft aber bemerkt man auch andere Teile der Natur, von denen man sich nicht angezogen fühlt – vielleicht gibt es einen Zusammenprall von Ideen oder gegensätzlichen Empfindungen oder den Konflikt zwischen zwei Egos. Wenn es eine starke Liebe oder Freundschaft von dauerhaftem Charakter ist, kann man diese Schwierigkeiten überwinden und eine Harmonisierung oder Angleichung erreichen; sehr häufig aber ist das nicht der Fall oder der Missklang ist so stark, dass er der Neigung zur Anpassung entgegenwirkt, oder aber das Ego wird derart verletzt, dass es zurückschreckt. Dann ist es durchaus möglich, dass man zu sehr die Fehler des anderen sieht oder sie übertreibt und ihm schlechte oder unangenehme Dinge zuschreibt, die nicht vorhanden sind. Alles kann sich ändern, das gute Gefühl kann sich in Abneigung, Entfremdung, ja sogar Feindschaft und Antipathie verwandeln. So etwas geschieht laufend im menschlichen Leben. Auch das Gegenteil kann stattfinden, was aber nicht so häufig vorkommt – die Wandlung von Abneigung in Zuneigung, von Gegensatz in Harmonie. Natürlich braucht eine schlechte Meinung über eine Person oder eine Abneigung nicht allein diese Ursache zu haben; sie kann viele Gründe haben, instinktive Abneigung, Eifersucht, gegensätzliche Interessen usw..

Man muss versuchen, andere ruhig zu betrachten – mit ruhigem Geist und ruhiger Schau – und weder ihre Tugenden noch ihre Mängel übermäßig zu betonen.

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Wenn du erwartest, dass deine Freundlichkeit erwidert wird, wirst du notwendigerweise enttäuscht werden. Nur diejenigen, welche Liebe und Freundlichkeit um ihrer selbst willen geben, ohne eine Erwiderung zu erwarten, werden von dieser Erfahrung verschont. Eine persönliche Beziehung kann nur dann auf einer sicheren Grundlage errichtet werden, wenn sie ohne Bindung oder auf beiden Seiten vorwiegend seelisch ist." (Briefe über den Yoga)

 

 

Der Umgang mit anderen

 

Natürlich sollten wir uns von Anfang an darin üben, jeder Person mit freundlichem Gleichmut zu begegnen.

 

Dazu gehört, seine Meinung zu sagen, aber nicht auf ihrer Richtigkeit zu beharren, indem man einen Streit riskiert, sich unselig mit dem anderen verstrickt, auf die vitale Ebene der Emotionen absinkt und damit beider Ego unnötig füttert.

Manchmal gibt es aus diversen Blickwinkeln keine klare Lösung, nur Kompromisse; manchmal ist es besser, die Meinung eines anderen stehen zu lassen, wenn er unnachgiebig darauf pocht, auch, wenn wir sie für falsch halten. Aus seiner Sicht mag es die Wahrheit sein: Seine Wahrheit.

Wenn uns das aber immer wieder passiert und nicht gut tut, können wir uns distanzieren, äußerlich oder innerlich.  Es lohnt nicht, aus der spirituellen Haltung zu kippen für einen äußerlichen "Papyrussieg".  

 

Nicht nur in größeren Gesprächsrunden ist es gut, sich alle Ansichten und Argumente erst einmal anzuhören, abzuwägen und den Wahrheitsgehalt einer jeden zu erfühlen, bevor man sich selbst äußert. Die meisten Menschen vertreten ihre Meinung sehr emotional, gebunden an ihre Glaubenssätze und Sichtweisen. Sehr häufig steckt dahinter der Antrieb, gehört zu werden. Lässt man das erst einmal zu und wartet, bis sie alles gesagt haben, stellt man fest, dass das weitere Gespräch sachlicher abläuft und sie eher geneigt sind, sich auch unsere Meinung anzuhören und gelten zu lassen.

Vielleicht haben wir beim Zuhören in der Zwischenzeit unsere eigene Ansicht revidiert, erneuert, angepasst, die andere Argumente und Sichtweisen miteinbezogen und kommen jetzt besser auf den Punkt.

 

Kritik kann konstruktiv oder destruktiv sein. Die erste Form ist vielleicht angenehmer als die andere, was aber nicht heißt, dass sie deshalb näher an der Wahrheit sein muss.  

Als Schüler des Yoga muss man mit jeder Kritik gleichmütig umgehen können. Fängt es im Körper an zu vibrieren, oft im Solarplexus, bäumt sich das Vital auf, das sich sehr leicht "empört" fühlt und nichts lieber tut, als zurückzugeben.

Für gewöhnlich steckt in jeder Art von Kritik ein Körnchen Wahrheit. Erkennen wir sie, sollten wir das für unser Weiterkommen nutzen. Erfühlen wir jedoch bei unserem Gesprächspartner eine gewisse Kontrollsucht, den Versuch, uns in irgendeiner Form zu manipulieren, ist es besser, solche Kontakte zu meiden. 

 

Sarkasmus oder Zynismus ist meist ein Ausdruck von Schwäche, versteckt hinter vermeintlicher Überlegenheit, die Menschen um sich herum errichten, die sich selbst nicht offen zeigen wollen. Oft wurden sie in der Vergangenheit verletzt und haben deshalb eine Mauer um sich herum errichtet, die keinem Gefühl erlaubt, durchzudringen. 

Als Grundlage für Kommunikation sind diese Stilmittel eine riskante Angelegenheit und ein fruchtbarer Nährboden, "versteckt" auszuteilen. 

Als gemeinsames übereinstimmendes Stilmittel für humoristische Anmerkungen mag das etwas anderes sein.   

 

Sich empathisch in andere einzufühlen kommt dem Seelischen in uns nahe. Man muss dabei aber wachsam sein, dass sich das nicht in vitale Sentimentalität verwandelt, sich selbst aufzugeben, "anzubiedern", sich beliebt zu machen, Verständnis zu demonstrieren, während ein Teil in uns eine gewisse egohafte Befriedigung dabei empfindet. Vielleicht schlummert darunter eine emotionale Anhänglichkeit oder der Wunsch, zu helfen, die in Wirklichkeit etwas erwarten. Wahre Empathie erwartet nichts, sie ist einfach nur da.

 

Die Kehrseite davon ist, anderen mit Distanziertheit, Schweigen, Ignoranz und "Abblitzen-lassen" zu begegnen, wenn man nicht das von ihm bekommen hat, was man sich erhoffte. Das geschieht oft unbewusst. Manche Menschen tun das vielleicht als Ausdruck ihrer inneren Konzentration auf das Göttliche. Aber es ist ebenso möglich, dass ihnen der Mut und die Offenheit fehlen, ihre eigenen vitalen Regungen gespiegelt zu bekommen.

Jeder muss abwägen, was ihm gut tut, aber grundsätzlich zeugt es von einer vitalen Schwäche, wenn man bestimmten Situationen immer wieder auf diese Weise ausweicht. Man wird ihnen so lange in der einen oder anderen Form begegnen, bis die Schwäche überwunden wurde. 

 

Befindet man sich in einer gereizten, angespannten oder gar verärgerten Stimmung, sollte man Diskussionen grundsätzlich aus dem Weg gehen und schweigen, wenn das möglich ist.   

 

Es ist verständlich und menschlich, freundlich mit anderen zu plaudern. Nicht jeder sogenannte Smalltalk muss gleich unser spirituelles Niveau mindern. Auch hier ist eine übertriebene Enthaltsamkeit nur eine andere Seite der Egomedaille.

Doch man sollte immer wachsam bleiben, ab wann sich vitale Regungen einschleichen und das ganze in ein "Tratschen" abgleitet. Unnötiges Plappern auf diesem Niveau ist eine Sucht des Egos. 

 

Und vieles mehr, was von anderen Weisheitslehrern schon gesagt wurde. Es kann nicht oft genug wiederholt werden, weil wir erst allmählich aus diesen Gewohnheiten herauswachsen. Es erfordert für lange Zeit eine ehrliche und ständige Selbstbeobachtung, und das ist anstrengend.

Je weiter man im integralen Yoga fortgeschritten ist, umso eher, und später auch schmerzhafter, spüren wir den Unterschied, da der Körper mitreagiert.  

 

Zusammenfassend lehrt die Erfahrung, dass ein Miteinander, wie das im Integralen Yoga angestrebte, zu bestimmten Zeiten nicht gelingt und zudem der rein mentale Versuch immer wieder Einbrüche erleidet. Gerade dann, wenn am Vital oder Körpermental gearbeitet wird. Sich jedoch unnötig vitalen Anfechtungen auszusetzen, um anderen einen Gefallen zu tun, ist nicht sinnvoll. Wir haben Gott zu dienen, nicht dem Ego der Menschen.

Ebenso wenig sollten wir uns überängstlich oder "abgehoben" von den Menschen zurückziehen und uns in einem selbst auferlegten Elfenbeinturm abkapseln. Vielleicht unbewusst aus Sorge, mit unseren eigenen vitalen Schwächen konfrontiert zu werden.  Dieser Yoga hat mit Weitung und Ausdehnung des Bewusstseins zu tun, das lässt sich ohnehin nicht vermeiden. Trotzdem ist es natürlich ein Unterschied, ob wir uns im direkten Schwingungsfeld und Einflussbereich einer Person aufhalten oder nicht.  

Man wird herausfinden, welches Verhalten einem zu welcher Zeit gut tut und danach handeln. Auch, wenn wir dafür nicht immer Verständnis ernten. Wir sind es, die diesen schwierigen Weg beschreiten und durchhalten müssen. Unsere Beziehung zum Göttlichen Bewusstsein muss im Mittelpunkt stehen, auch, wenn das nicht immer einfach ist – für uns und unser Umfeld.  

 

Es entspricht nur bedingt der Wahrheit, dass es zu einem späteren Zeitpunkt wieder leichter wird, unter Menschen zu gehen; wenn das seelische Wesen die Einung all unserer vitalen Impulse zum großen Teil vollzogen hat und wir den Kraftzuwachs wahrnehmen, den die Arbeit des Supramentalen Bewusstseins in uns hinterlässt.  Proportional dazu werden wir tatsächlich selbstbewusster und die Gelassenheit gelingt immer besser.

Andererseits nimmt die Empfindlichkeit des Körpers zu, da dieser seine eigene Wahrnehmung entwickelt und autonom reagiert. Grundsätzlich ist die Arbeit im Körper zuweilen dermaßen erschöpfend und anspruchsvoll, dass ein vollkommener Rückzug immer häufiger nötig wird. Sowohl Sri Aurobindo, als auch Mutter und Satprem trugen in den letzten Jahren diesem Bedürfnis Rechnung, soweit es ihnen möglich war. 

 

Eine als belastend empfundene Beziehung abzubrechen, kann nötig sein, wenn wir feststellen, dass sie uns eindeutig in unserer Ausrichtung auf das Göttliche Bewusstsein behindert. Das kann offen geschehen, indem der andere beispielsweise unseren Weg oder die "Echtheit" der Mutter oder Sri Aurobindos ständig in Frage stellt, deren Aussagen oder unser Verhalten kritisiert oder uns wegen unseres "Irrwegs" verunsichert oder davor "warnt", subtil manipuliert oder gar eifersüchtig reagiert. 

Das können aber auch nonverbal empfundene Schwingungen sein, die wir hinter den Worten wahrnehmen und die ein Unbehagen in uns auslösen. Unser Körper reagiert zunehmend sensibel auf die unerlösten Anteile in anderen. 

Nicht immer lässt sich einwandfrei identifizieren, ob Unstimmigkeiten an einer eigenen Schwäche liegt, die wir erst überwinden müssen, oder tatsächlich an unserem Gegenüber. Oft ist es eine Mischung aus beidem, da wir alle noch auf dem Weg sind und zusätzlich auf unterschiedlichen Stufen des Bewusstseins stehen. Davon darf man sich nicht entmutigen lassen und sollte nach der Faustregel handeln: Behindert es in dem Moment die Sadhana, ist es besser, sich (vorübergehend?) zurückzuziehen.

Wir werden mit der Zeit sensibler und bewusster, lernen die eigenen Rhythmen der körperlichen Transformation besser einzuschätzen und werden entsprechend handeln. So ist es zu manchen Zeiten kein Problem, unter Menschen zu gehen, dann wieder zieht man den kompletten Rückzug und die Stille vor. Das lässt sich nicht vorausplanen.

Es wurde als hilfreich erfahren, vor unvermeidlichen Zusammenkünften die Göttliche Führung oder Mutter für diese Zeit um Unterstützung, Schutz und Hilfe zu bitten.

 

 "Nun, ich habe bereits gesagt, dass zu streiten oder den anderen zu schneiden nichts mit der Sadhana zu tun hat; die Zusammenstöße und Spannungen, von denen du sprichst, sind wie in der Welt draußen auf Reibereien des vitalen Egos zurückzuführen. Feindseligkeit, Antipathie, Abneigung und Streit dürfen genausowenig als zur Sadhana gehörend betrachtet werden wie Seximpulse oder sexuelle Beziehungen. Harmonie, Wohlwollen, Nachsicht und Gleichmut sind die Ideale, die in der Beziehung von Sadhak zu Sadhak benötigt werden. Man ist nicht verpflichtet, mit anderen Umgang zu pflegen, doch wenn man für sich bleibt, sollte es aus Gründen der Sadhana sein und aus keinem anderen Motiv – und außerdem sollte es ohne jedes Gefühl der Überlegenheit oder Verachtung anderen gegenüber geschehen... Wenn jemand erkennt, dass der Umgang mit einer bestimmten Person aus irgendwelchen Gründen unliebsame vitale Gefühle in ihm weckt, kann sich der Betreffende aus Gründen der Vorsicht natürlich von dieser Verbindung zurückziehen, bis die Schwäche überwunden ist. Ein Zur-Schau-Stellen des Meidens oder ein öffentliches Schneiden ist aber hierin nicht mit einbezogen und verrät Gefühle, die überwunden werden müssen." (a.a.O.)

 

Nun waren diese Anmerkungen Sri Aurobindos hauptsächlich an die damaligen Ashramiten gerichtet. Trotzdem trifft das Gesagte ebenso zu, wenn man seine Sadhana allein in Deutschland oder anderswo auf der Welt tut. Ob der zwischenmenschliche Austausch nun im persönlichen Gegenüber oder per Mail oder Telefongespräch erfolgt. 

Wenn jeder den anderen unter den oben genannten Voraussetzungen in seelischer Zuneigung und gegenseitigem Respekt so annehmen kann, wie er ist, können Kontakte durchaus weiterbestehen oder zeitweise aufgenommen werden.  Sie sind für uns Menschen etwas Natürliches. 

Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, jemandem zu begegnen, der auf derselben Stufe der Sadhana steht, sehr gering. Mutter bezifferte die Zahl der ernsthaft Berufenen mit etwa einem unter fünfzig Millionen.  

 

 "Die Arbeit wird am besten im Schweigen verrichtet, außer man hat zur Arbeit selbst etwas zu sagen. Gespräche hebt man sich besser für Mußestunden auf. Daher wird niemand gegen dein Schweigen während der Arbeit etwas einzuwenden haben.

Was das übrige anbelangt, so musst du die richtige Haltung anderen gegenüber bewahren und darfst dir nicht erlauben, durch irgendetwas, was sie sagen oder tun, dich aufregen, reizen oder kränken zu lassen – in anderen Worten, bewahre den Gleichmut, samatā, und das universale Wohlwollen, wie es einem Sadhak dieses Yoga gebührt. Wenn du so handelst und die anderen sich dennoch aufregen oder gekränkt sind, darfst du nicht darauf achten, denn ihre falsche Reaktion ist nicht deine Schuld. (a.a.O.)

 

 

Was Menschenansammlungen betrifft, sind diese am schwersten zu ertragen, wenn man darin für längere Zeit ausharren muss, wie z.B. in einer (Zahn-)Arztpraxis. Neben den dort ohnehin vorhandenen Formationen der Befürchtungen und Ängste sitzt man für längere Zeit im Bewusstseinsfeld mehrerer Menschen, ohne ausweichen zu können. Man kann die Praxis im Zustand vollkommenen Gleichmuts betreten, um unmittelbar von den verschiedensten vitalen Zuständen "überfallen" zu werden und nervös auf dem Stuhl herumzurutschen. Vielleicht lässt sich erfragen, zu welchen Zeiten es dort am ruhigsten zugeht, falls mehrere Behandlungen nötig sind. Oder man wählt gleich die frühen Morgenstunden. 

Der Aufenthalt in einem Einkaufszentrum oder einer Menschenmenge, durch die man sich zügig hindurchbewegt, wurden zwar als erschöpfend, aber weniger belastend erfahren. 

 

 

In sich selbst zurückziehen

 

 "Die meisten von euch leben an der Oberfläche ihres Wesens, der Berührung durch äußere Einflüsse ausgesetzt. Ihr lebt fast als Projektion, gleichsam außerhalb eures Körpers, und wenn ihr irgendeinem unangenehmen, ähnlich projizierten Geschöpf begegnet, werdet ihr aus dem Gleichgewicht gebracht.

Der ganze Verdruss entsteht daraus, dass ihr nicht gewohnt seid, zurückzutreten. Du musst immer in dich selbst zurücktreten - lerne, tief nach innen zu gehen — tritt zurück, und du wirst geschützt sein. Gib dich nicht oberflächlichen Kräften hin, die sich in der äußeren Welt bewegen, tritt für eine Weile zurück, und du wirst zu deiner Überraschung entdecken, wie viel eher und mit wieviel größerem Erfolg deine Arbeit getan werden kann.

Wenn jemand ärgerlich auf dich ist, lasse dich nicht in seinen Schwingungen einfangen, sondern tritt einfach zurück und sein Ärger, weil er keine Unterstützung oder Erwiderung findet, wird vergehen. Bewahre deinen Frieden, widerstehe aller Versuchung, ihn zu verlieren. Entscheide niemals irgend etwas, ohne zurückzutreten, sprich niemals ein Wort, stürze dich niemals in eine Handlung, ohne zurückzutreten.

Alles, was zur gewöhnlichen Welt gehört, ist ohne Dauer und flüchtig, deshalb gibt es in ihr nichts, das es wert wäre, uns aus der Fassung zu bringen. Was dauerhaft ist, unsterblich und unendlich — das lohnt sich zu haben, zu erobern, zu besitzen. Es ist Göttliches Licht, Göttliche Liebe, Göttliches Leben — es ist auch Höchster Friede, Vollkommene Freude und All-Meisterschaft auf der Erde mit der Vollendeten Manifestation als ihrer Krönung.

Wenn du die Relativität der Dinge erspürst, dann kannst du, was auch immer geschehen mag, zurücktreten und schauen. Du bist fähig, ruhig zu bleiben und die göttliche Kraft anzurufen und auf eine Antwort zu warten. Dann wirst du genau wissen, was zu tun ist. Deshalb sei dir bewußt, dass du die Antwort nicht empfangen kannst, bevor du sehr friedvoll bist. Übe dich in diesem inneren Frieden, mache wenigstens einen kleinen Anfang und fahre darin fort, bis er dir zur Gewohnheit geworden ist." (Mutter, Der sonnenhelle Pfad) 

 

Die wahre Haltung bedarf der ständigen Übung. Doch eine anhaltende Konzentration ist gerade zu Anfang ermüdend und gelingt nicht durchgehend. Auch bekommt man keine explizite Rückmeldung darüber, ob oder wie sehr man erfolgreich darin ist. Aber seinen Willen immer wieder darauf auszurichten, verbunden mit der Bitte an das Göttliche Bewusstsein, das Richtige zu sagen und zu tun, wird dafür sorgen, dass in jedem Moment das Bestmögliche für alle Beteiligten geschieht.   

Falls man in einer Situation das Bedürfnis nach Schutz verspürt, kann man zusätzlich durch spirituelle Konzentration ein Schutzfeld um sich herum aufbauen, eine weiße oder goldene Kugel aus Licht, die einen umschließt. Das ist keine Einbildung, es ist eine okkulte Erfahrung, die auch Mutter bestätigte.   

 

 

 

 

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