Das Mental – der beste Komplize des vitalen Widerstands (Teil II)

 Intellektuelles, willensmäßiges, ethisches; emotionales, ästhetisches und physisches Training und Fortschreiten haben alle ihren Wert, so weit eben dieser Wert reicht, schließlich aber sind sie alle nur eine beharrliche Bewegung im Kreise herum, ohne ein letztes befreiendes und erleuchtendes Ziel, es sei denn, sie gelangen an einen Punkt, wo sie sich der Macht und Gegenwart des Geistes öffnen können und dessen direktes Wirken freigeben. Dieses direkte Wirken schafft eine Bekehrung des ganzen Seins (die die unveräußerliche Bedingung unserer wahren Vollendung ist.) 

 Sri Aurobindo

 

Solange man selbst vom Mental dominiert wird, ist es nicht einfach, seine Funktionsweise zu durchschauen. Warum sollte man auch? Im gewöhnlichen Leben besteht dazu keine Notwendigkeit. Das ändert sich erst, sobald man ernsthaft einem spirituellen Pfad folgt. 

Es wurde viel darüber geschrieben von Autoren, die sich mit der Identifizierung des Egos auseinandersetzten. Aber es ist ein Unterschied, ob man sich „Wissen über etwas" angelesen hat oder ob man es lebt. Wie in allem geht auch hier die Erfahrung dem Wissen voraus, bzw. ist damit identisch.  

In jedem Menschen ist die Fähigkeit grundgelegt, sich selbst zu beobachten und wahrzunehmen. Deshalb werden hier ein paar Hinweise gegeben zur Selbsterforschung, die als hilfreich erfahren wurden. 

 

 

Der innere Kommentator

 

Er begleitet uns überallhin und drängt uns seine Meinung auf, ungefragt. Jede noch so unscheinbare vitale Regung erscheint in Worte gefasst an der Oberfläche. Selbst schöne Momente werden "zerredet". 

 

"Schau dir nur den schönen Sonnenuntergang an! Diese Farben! Könnte ich das nur festhalten und hätte den Fotoapparat dabei!" Könnten wir sie einfach nur still in uns aufnehmen, uns der seelischen Weitung hingeben, die oft damit verbunden ist, vielleicht sogar verbunden mit einem Dank an die Göttliche Gnade für diesen schönen Moment, hätten wir den größtmöglichen Nutzen davon. Aber sobald sich die vitale Begehrlichkeit einmischt, entschwindet diese lichte Dimension wieder im Hintergrund: Das Festhaltenwollen, das Konservieren, sich Einverleiben ist typisch für das Vital. 

 

Jemand vor uns wirft das Papier eines Süßriegels auf den Gehsteig, obwohl in nächster Nähe Abfallbehälter stehen. Bleiben wir gleichmütig? Fühlen wir uns provoziert? Eine verständliche Reaktion. Aber fassen wir sie auch in Worte? „Kann der das nicht in den Mülleimer werfen?“ Läuft gar ein längerer innerer Dialog an, was wir ihm gerne sagen würden? Oder darüber, ob wir es überhaupt tun sollten? Aber was, wenn ...?

Sind wir uns des inneren Redners bewusst?  

 

Wir sind in Eile, spät dran und müssen zur Arbeit. Tun wir das auf ruhige, planvolle Weise? Oder rattert in uns ein wandelnder Terminkalender, der uns einschärft, an was wir zu denken haben? In der Dusche, beim Frühstück oder auf der Autofahrt?  Ertappen wir uns dabei, wie wir unser inneres Gespräch plötzlich laut fortsetzten, obwohl keiner da ist, der zuhört?  

 

Tun wir unsere Arbeit still, sind wir im "flow" oder kommentieren wir innerlich die Arbeitsschritte, beurteilen ihren Fortgang und uns selbst? 

 

Fängt man an, den inneren Kommentator zu beobachten und zu entlarven, scheint ihn das für eine Weile noch mehr anzuspornen. Vielleicht aber haben wir ihn bisher nur nicht bemerkt?

Man empfindet ihn als zunehmend aufdringlich und unangenehm, weil er sich selbst dann zu Wort meldet, wenn wir das gar nicht hören wollen. 

 

 

Der innere Vorleser 

 

Subtiler zu identifizieren ist der innere Vorleser. Er ist ein Automatismus, der auch ohne emotionale Beteiligung funktioniert: 

Man fährt z.B. hinter einem Lieferwagen oder LKW mit einem kurzen Werbelogo her. Gelingt es, hinzusehen, ohne sich darauf zu fokussieren, was da steht oder ist es ein Zwang, das ganz lesen zu müssen? 

Kann man verhindern, dass sich die Worte und Sätze „hörbar“ in uns ausformen? 

Erkennt man überhaupt den Unterschied? 

Im Alltag finden sich unzählige Gelegenheiten, das auszuprobieren.  

 

 

Der innere Kritiker

 

Das ist ein ganz übler Bursche, der uns regelrecht zermartern kann. Er löst etwas aus, das man Grübelzwang nennt. Niemand bleibt vor ihm verschont, bis man lernt, ihn als eindeutigen Pessimisten zu entlarven, der uns an unserem Fortschreiten im Yoga hindert. Zuweilen hilft er uns bei der authentischen Selbstwahrnehmung. Aber ab einem bestimmten Zeitpunkt empfindet man seine verengende und erstickende Wirkung und komplimentiert ihn beharrlich nach draußen.

Er beurteilt jede unserer Verhaltensweisen, Handlungen, Reaktionen und Gedanken gegenüber einer Sache oder einer Person unbarmherzig und ungebeten:  

„War meine Antwort richtig? Eigentlich hätte ich ihr das und das sagen w/sollen, das wäre besser gewesen.“

„Ich hab es wieder nicht geschafft, mich rauszuhalten. Bloß um Recht zu haben. Hätte ich doch lieber den Mund gehalten. Jetzt bin ich wieder der Böse!"

„Ich hab mich wieder geduckt und klein machen lassen. Wieso hab ich nicht mehr Zivilcourage bewiesen? Ich schaff das nie!“

Und vieles mehr. 

 

Der innere Kritiker speist sich aus unseren Unsicherheiten, Schuld- und Schamgefühlen und Ängsten, denen wiederum unsere Kindheitsprägungen und Glaubensmuster zugrunde liegen:

 

"Jeder trägt mit sich, in seiner Atmosphäre, das, was Sri Aurobindo die "Kritiker" nannte; sie sind eine Art ständiger Abgesandte der feindlichen Kräfte. Ihre Rolle besteht darin, unbarmherzig jede Handlung, jeden Gedanken, die geringste Bewegung des Bewusstseins zu kritisieren und euch vor die verborgensten treibenden Kräfte eures Verhaltens zu stellen, die geringste niedere Vibration zu offenbaren, die eure scheinbar reinsten, höchsten Gedanken oder Handlungen begleitet.

Hier geht es nicht um Moral. Diese Herren sind keine moralisierenden Kräfte, obwohl sie sich sehr wohl der Moral zu bedienen wissen! Und wenn sie es mit einem ängstlichen, zweifelnden Bewusstsein zu tun haben, dann können sie es ohne Gnade schinden, jede Minute ihm einflüstern: "Du hättest dies nicht tun sollen, du hättest das nicht tun sollen, du hättest vielmehr jenes tun, das sagen sollen, jetzt hast du alles verdorben, du hast einen unheilbaren Schaden angerichtet, sieh, wie durch deinen Fehler alles unrettbar verloren ist." Manches Bewusstsein kann sogar von ihnen besessen werden: ihr verjagt den Gedanken und hopp! zwei Minuten danach ist er wiedergekommen; ihr verjagt ihn wieder und er ist immer da, um euch zu behämmern.

Jedesmal wenn ich diesen Herren begegne, bereite ich ihnen einen warmen Empfang, denn sie verpflichten euch zu vollkommener Aufrichtigkeit, sie spüren die subtilste Heuchelei auf und stellen euch in jedem Augenblick den geheimsten Vibrationen gegenüber. Und sie sind intelligent! Von einer Intelligenz, die bei weitem die unsere übertrifft: sie wissen alles. Mit einer wahrhaft bewundernswerten Feinheit verstehen sie es, den geringsten Gedanken, die geringste Begründung, die geringste Handlung gegen euch zu wenden. Nichts entschlüpft ihnen.

Was diesen Wesen aber eine widrige Färbung gibt, ist, dass sie zuerst und vor allem Defätisten sind. Sie stellen euch das Bild immer im schlechtesten Licht dar, notfalls entstellen sie eure eigenen Absichten. Sie sind wahrhaft Instrumente der Aufrichtigkeit. Aber eines vergessen sie immer, willentlich, weisen es weit von sich, als ob es nicht existiere: das ist die göttliche Gnade. Sie vergessen das Gebet, dieses spontane Gebet, das plötzlich wie ein eindringlicher Ruf aus der Tiefe des Wesens hervorquillt und die Gnade herabkommen lässt, und das den Lauf der Dinge verändert.

Und jedesmal wenn ihr einen Fortschritt errungen habt, wenn ihr auf eine höhere Ebene gekommen seid, dann stellen sie euch alle Handlungen eures vergangenen Lebens vor Augen, und in einigen Monaten, einigen Tagen oder einigen Minuten lassen sie euch alle eure Prüfungen von neuem durchmachen, auf einer höheren Ebene. Und es genügt nicht, den Gedanken zu verdrängen, zu sagen: "Oh! ich weiß" und einen kleinen Mantel darüber zu werfen, um nicht zu sehen. Man muß dem gegenübertreten und siegen, sein Bewusstsein voll Licht bewahren, ohne das geringste Zittern, ohne ein Wort zu sagen, ohne die geringste Vibration in den Zellen des Körpers, dann löst sich der Angriff auf." (Mutter 1958, Agenda)

 

 

Die Gedankenspirale zur Ruhe bringen

 

Obige Experimente zur Selbstbeobachtung geben bereits Raum für Versuche. Wird das Geplapper als unangenehm empfunden, ist schon ein erster Fortschritt erreicht. 

Ein weiterer ist, aktiv einzugreifen und es entweder vollkommen abzustellen oder zu erziehen: Zu identifizieren, wann es uns "rädert" und behindert und welcher Art es ist, wenn es uns nützt, erhebt, voranbringt, weil die Gedanken sich aus einer innerseelischen Regung heraus in unser Tagesbewusstsein übersetzen.

Die meisten in Worte ausformulierten Gedanken kommen jedoch von außen, gehen in Resonanz zu unseren unbewussten Glaubensmustern und Empfindungen und "docken" an; und wir meinen, es sind tatsächlich unsere eigenen. So werden wir zum Sklaven der Gedanken, nicht ihr Meister

Nicht umsonst ist eines der ersten Symptome des supramentalen Wirkens ein Druck auf den Kopf bis hin zu heftigen Kopfschmerzen. So äußert sich der Widerstand unseres Mentals, wenn der Versuch unternommen wird, unser Bewusstsein zu weiten und Auszudehnen in die höheren mentalen Ebenen.  

 

Sri Aurobindo hat uns seine eigenen Experimente und Erkenntnisse dazu hinterlassen: 

 

"Die erste entscheidende Wende in meinem Leben verdanke ich einem Menschen, der, mir an Intellekt, Erziehung und Veranlagung weit unterlegen, spirituell keineswegs vollkommen oder überragend war. Da ich aber eine Kraft hinter ihm wahrgenommen und mich entschieden hatte, mich an ihn um Hilfe zu wenden, gab ich mich ganz in seine Hände und folgte der Führung mit automatischer Passivität. ...

«Setz dich hin und meditiere», sagte er, «aber denke nicht, schau deinen Geist nur an. Du wirst sehen, dass Gedanken in denselben hineintreten. Ehe sie eintreten können, wirf sie von deinem Geist zurück bis er völliger Stille fähig wird.»

Ich hatte nie zuvor davon gehört, dass Gedanken sichtbar von außen in den Geist eintreten, aber ich dachte nicht daran, diese Wahrheit oder Möglichkeit in Frage zu stellen, ich setzte mich einfach hin und tat es. In einem Augenblick wurde mein Geist stille wie die windlose Luft auf dem hohen Gipfel eines Berges, und dann sah ich einen Gedanken, dann einen anderen in konkreter Weise von außen kommen. Ich warf sie zurück, ehe sie eintreten und das Gehirn mit Beschlag belegen konnten, und in drei Tagen war ich frei.

Von dem Augenblick an wurde das mentale Wesen in mir eine im Prinzip freie Intelligenz, ein universaler Geist, nicht mehr begrenzt in dem engen Zirkel persönlichen Denkens wie ein Arbeiter in einer Gedankenfabrik, sondern ein Empfänger von Wissen aus den hundert Reichen des Seins und frei, in diesem ungeheuren Königreich der Schau und des Gedankens zu wählen, was er wollte. Ich erwähne dies nur, um mit Nachdruck zu betonen, dass die Möglichkeiten unseres mentalen Wesens nicht begrenzt sind und dass der Geist freier Zuschauer und Herr in seinem eigenen Hause sein kann. Das bedeutet nicht, dass jedermann es auf die gleiche Weise und mit derselben Schnelligkeit der entscheidenden Bewegung tun kann wie ich, aber eine fortschreitende Meisterung und Freiheit des eigenen Geistes liegt durchaus innerhalb der Möglichkeit eines jeden, der den Glauben und den Willen dazu hat.

Das Nirvana zu erreichen, das war also das erste radikale Ergebnis meines eigenen Yoga. ...

Ich kann nicht sagen, dass etwas Erfreuendes oder Begeisterndes in dieser Erfahrung lag, wie sie damals auf mich zukam, was sie aber brachte, war ein unaussagbarer Friede, eine erstarren machende Stille, eine Unendlichkeit von Befreiung und Freiheit.

Man muss sich an den Gedanken gewöhnen, dass auch unter solchen Umständen die Möglichkeit, aktiv zu sein, besteht. In diesem Zustand der Leerheit führte ich die Geschäfte einer Tageszeitung und hielt im Laufe von drei, vier Tagen ein Dutzend Reden. Aber ich war es nicht, der das irgendwie zuwege brachte. Die Lebensenergie ließ den Leib die Arbeit tun, ohne jede innere Aktivität.

Ich lebte in jenem Nirvana Tag und Nacht, ehe es andere Dinge in sich aufzunehmen begann, sich überhaupt modifizierte. Aber das innere Wesen dieser Erfahrung, die ständige Erinnerung daran und seine Fähigkeit sich immer wieder einzustellen, beharrte, bis es schließlich in ein größeres Überbewusstsein von oben her aufgenommen wurde.

 

Über das Nirvana hinaus

 

Inzwischen aber fügte sich Realisation zu Realisation und verschmolz mit der ursprünglichen Erfahrung. Zu einem frühen Zeitpunkt wich der Aspekt einer illusorischen Welt einem anderen, in dem Illusion nur ein geringes Oberflächenphänomen ist, mit einer immensen göttlichen Realität dahinter und einer höchsten göttlichen Realität darüber und einer intensiven göttlichen Realität im Herzen eines jeden Dinges, das zuerst nur als kinomatische Form oder Schatten erschienen war. Und dies war keine neue Einkerkerung der Sinne, keine Verkleinerung, kein Fall von der Höhe einer höchsten Erfahrung. All dies kam vielmehr als ein ständiges Sichüberhöhen und Ausweiten der Wahrheit. ..." (Der Integrale Yoga, Rowohlt Verlag)

 

Bedeutsam in diesem Zusammenhang sind die weiteren Ausführungen von Sri Aurobindo, dass die Gedankenstille nicht die letztmögliche Verwirklichung war, sondern nur eine erste Stufe. Folgt man dem Integralen Yoga, ist die Reihenfolge nicht starr reglementiert, individuell verschieden in Schwerpunkt und Ausprägung und die angesprochene Ruhe des äußeren Mentals kann vielleicht erst zu einem späteren Zeitpunkt durch den Druck des supramentalen Wirkens vollkommen erreicht werden.  Aber sie ist in der letzten und anstrengendsten Phase der körperlichen Umwandlung unerlässlich, will man nicht unnötig Schmerz erleiden.  

 

 

Übungen 

 

Für den gewöhnlichen Verstand ist es einfacher, sich anfänglich einer materiell greifbaren Vorstellungshilfe für Gedanken zu bedienen. Folgende Übung wurde bisher als wirkungsvollste erfahren. Sie wird mit geschlossenen Augen in bequemer Sitzhaltung durchgeführt:

 

Du sitzt in einem leeren Zimmer auf einem Stuhl. Das Zimmer hat links von dir und rechts von dir eine Tür.  (Vertausche die Richtung der Gedanken, wenn es dir in der Übung damit besser geht.)

 

Du öffnest die linke Tür und beobachtest, wie deine Gedanken auf Papierstreifen geschrieben hereinkommen ... 

(Wie tun sie das? Kommen sie geflattert? Schweben sie langsam? Erscheinen sie deutlich oder schemenhaft? Fliegen sie auf dich zu? Kreisen sie um dich herum? Schweben sie frei im Raum? Wollen sie in deinen Kopf eindringen? Attackieren sie dich regelrecht? ...)

 

Du öffnest zusätzlich die rechte Tür.

Kommen die Gedanken wieder zur linken Tür herein, versuchst du diesmal sofort, sie weiter und zur rechten Türe hinauszuschicken ...

(Ändert sich etwas? Bleiben sie in deiner Nähe? Lassen sie sich wegschicken? ...) 

 

Hinter dir ist ein Glasfenster im Raum, du erkennst dahinter ein anderes Zimmer.

Geh in das andere Zimmer, schließ hinter dir die Tür und schau durch das geschlossenen Glasfenster ins erste Zimmer. 

Wiederhole die Übung von deinem geschützten Raum aus und beobachte, was passiert ...

 

Führt man diese Übung regelmäßig durch, nimmt man den Bereich zwischen "sich selbst" und den Gedanken immer deutlicher wahr und stellt fest, dass man ihnen nicht grundsätzlich hilflos ausgeliefert ist. Auch, wenn manche sich hartnäckig weigern, von einem abzulassen und immer wieder zurückkehren. Das sind dann jene, die mit unseren individuellen Lebensthemen zu tun haben. Sie bäumen sich solange auf, bis auch die Körperzellen transformiert werden (siehe unten, Mantra). 

In welcher Form sich Gedanken in der Meditation "optisch" zeigen, mag individuell verschieden sein. Im vorliegenden Fall wurden sie bei geschlossenen Augen als plötzlich auftauchende schwarze, (seltener auch weiße) Punkte wahrgenommen. Lässt man sie eindringen und widmet ihnen neugierig Aufmerksamkeit, formulieren sie sich aus. Schenkt man ihnen keine Beachtung oder schickt sie weg, verschwinden die Punkte wieder.

Mit zunehmender Beruhigung der mentalen Aktivität werden hartnäckig wiederkehrende Gedanken als störend und "angriffig" empfunden. 

 

 

 

Das Mantra

 

Die "klebrige Schicht" des Unbewussten und Unterbewussten über dem Mental der Körperzellen ist nur schwer zu beeinflussen (siehe Teil I). Aber man kann es darin bestärken, sich dem Göttlichen Bewusstsein williger zu öffnen und hinzugeben. Wenn das Zurückweisen der Gedankespirale nicht gelingt, ist es zuweilen leichter, aktiv mit einem Mantra gegenzusteuern. Entweder man bekommt im Lauf des Yoga von der Göttlichen Führung sein eigenes Mantra mitgeteilt oder man verwendet Mutters Mantra. Sind die Anfechtungen groß, hilft es, unterstützend im Raum umherzugehen:

 

OM NAMO BHAGAVATE 

 ("gesprochen: "ohm namoh bagawatee")

 

Mutter gab eine sehr detaillierte Beschreibung der Bedeutung und notierte sie auf:

 

"Das erste Wort steht für...

 

Ich schreibe "steht für", denn das Wort ist immer eine symbolische Darstellung von etwas, das weit über das Wort hinausreicht. Es ist eines der Dinge, die man fühlen muss: Es ist wie ein Kontaktmittel. Ein Kontaktmittel, das man mit der Zeit immer wirksamer macht, zuerst durch die Aufrichtigkeit der Konzentration und der Aspiration, dann durch den Gebrauch, durch die Anwendung, wobei man immer darauf achtet, den Kontakt mit dem, was darüber hinausgeht, zu bewahren. So entsteht eine Konzentration, als ob sich das Wort mit Kraft aufladen würde, immer mehr, wie eine Batterie, aber eine Batterie, die sich unbegrenzt aufladen kann. Deshalb schrieb ich (so schien es mir am genauesten): "Das erste Wort steht für". Es steht für:

 

die höchste Anrufung...

 

Nämlich das Höchste, das man in der Aspiration und der Anrufung erreichen kann – das Reinste und Höchste. "Das Reinste" soll heißen: ausschließlich unter dem Einfluss des Göttlichen stehend. So schrieb ich:

 

die höchste Anrufung

die Anrufung des Höchsten.

 

Mit dem ersten Wort ruft man den Höchsten in allem, was man je erreichen kann und wird. Es soll ein fortschreitendes Wort sein.

 

Das zweite Wort steht für:

die totale Hingabe seiner selbst...

 

Man ruft und gibt sich dann total hin.

 

die vollkommene Unterwerfung.

 

Die vollkommene Unterwerfung in allen Stufen des Wesens. Es geschieht fortschreitend, durch jahrelange Wiederholung, aber wenn man das Wort ausspricht, muss es folgendes repräsentieren: die totale Hingabe seiner selbst an... dieses Höchste, das natürlich alle Begriffe übersteigt. Vollkommene Unterwerfung bedeutet spontane Unterwerfung, die weder Anstrengung noch sonst etwas erfordert – die Unterwerfung muss völlig spontan sein. Auch das erreicht man allmählich. Deshalb sagte ich, das Mantra sei fortschreitend, in dem Sinne, dass es sich mehr und mehr vervollkommnet.

 

Das dritte Wort steht für:

die Aspiration...

 

Es ist nicht genau das, was man erbittet, sondern... Aspiration ist wirklich das einzige Wort. Es ist unendlich mehr als hoffen: die Gewissheit, dass es so sein wird, aber gleichzeitig vergisst man niemals, dass man wirklich nur DAS will. Ich füge hinzu:

 

was die Manifestation...

 

Es ist wirklich die physische, irdische Manifestation; gegenwärtig bildet sie den Gegenstand unserer Betrachtung, aber sie ist der Anfang von etwas anderem. Für den Augenblick sagen wir also:

 

das, was die Manifestation

werden soll...

 

Was diese irdische Manifestation werden soll:

 

Göttlich.

 

In das Wort "Göttlich" legt man den ganzen Gedankengehalt, den man in das Wort "Höchste" legte.

Schon zu Beginn sagte ich, dass jede mentale Aktivität die Macht vermindert; es muss die Begeisterung des ganzen Wesens sein, mit möglichst wenig Denken darin.

Ich kann dir das geben (Mutter reicht Satprem ihre Notiz). Du kannst sie aufheben.

Du kennst die drei Worte..." (Agenda, 19. Februar 1965)

 

 * 

 

"Bis jetzt bleibt von allen Formulierungen und Mantras das, was am direktesten auf den Körper wirkt und alle Zellen einnimmt und sie sofort ergreift (schwingende Geste), das Sanskrit Mantra: OM NAMO BHAGAVATE.

Sobald ich mich zu einer Meditation setze, sobald ich eine Minute ruhig bin oder mich konzentriere, setzt sofort dieses Mantra ein, und es erweckt eine Antwort im Körper, in den Zellen des Körpers: sie beginnen alle zu schwingen. ...

Ich spreche nur von der physischen Wirkung, denn mental, vital und in allen inneren Wesensbereichen nahm die Aspiration immer, jedesmal, ihre spontane Form an. Hier geht es nur um das Physische. 

 Ich bin für ein kurzes Mantra, besonders wenn man eine sehr häufige, aber dennoch spontane Wiederholung erreichen will – ein, zwei, höchstens drei Worte. Denn man muss es jederzeit benutzen können, zum Beispiel bei einem Unfall. Es muss hervorquellen, ohne daran zu denken, ohne es zu rufen: dass es dem Wesen spontan entspringt, wie ein Reflex, genau wie ein Reflex. Dann erhält das Mantra seinen vollen Wert." (Mutter, Agenda 16. September 1958)

 

Mutter empfahl, das Mantra vorbeugend den Körperzellen aufzuprägen: 

 

"Bei mir persönlich werden an Tagen ohne besondere Sorgen oder Schwierigkeiten (an "normalen" Tagen, wo ich "normal" bin) alle Handlungen, alle Bewegungen, alle Worte, alle Gesten von diesem Mantra begleitet und wie unterstützt oder hinterlegt:

Om namo Bhagavate... Om namo Bhagavate...

Die ganze Zeit, die ganze Zeit, die ganze Zeit.

Das ist der normale Zustand. Und es erzeugt eine Atmosphäre von beinahe größerer materieller Intensität als das Subtilphysische; es ist... fast wie die Ausstrahlung eines Mediums. Es hat eine große Wirkung: das kann einen Unfall abwenden. Und das begleitet mich die ganze Zeit, die ganze Zeit.

[zu Satprem] Jetzt mußt du herausfinden, was du damit anfangen kannst." (a.a.O.)

 

Die Wirkung eines Mantras kann als überaus stabilisierend bestätigt werden. Die kleinen bösartigen Stimmen kommen schneller zum Schweigen, die begleitenden Vibrationen im Körper hören auf und die körperliche Stabilität und Belastbarkeit nimmt zu.  

 

Wie man sein eigenes Mantra erhält? 

 

"Wenn du also eine Notwendigkeit verspürst – nicht hier, im Kopf, sondern hier (Herzzentrum), dann wird es kommen. Eines Tages wirst du entweder die Worte hören, oder sie entspringen deinem Herzen ... Das musst du dann bewahren." (a.a.O.)

 

 

 ***

 

 

 Ich denke an nichts – ach, weißt du, das ist ein Segen, mein Kind! Ich denke niemals an etwas, bei nichts! Ich bin einfach so (Geste einer reglosen, nach oben gerichteten Kontemplation). Das einzige, was in Worten kommt, ist: "Herr, Du... was Du willst, was Du weißt, was Du machst, es gibt nur Dich. Du." So (dieselbe Geste der Reglosigkeit)Und dann plötzlich, ohne daran zu denken, ohne zu suchen – kommt, paff! ein Lichttropfen. Ah!

Das ist praktisch.

 

 

Mutter

 

 

 

 

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