Wahres Wissen

 

 

 

 

 

Wir lesen, wir suchen zu verstehen, wir erklären und streben zu erkennen, aber eine einzige Minute wahrer Erfahrung lehrt uns mehr als Millionen Worte und Hunderte von Erklärungen.

 

Mutter

 

 

Wenn das Wissen frisch in uns ist, ist es unbesiegbar. Alt geworden, verliert es seine Kraft, denn Gott schreitet unentwegt voran.

 

Sri Aurobindo, Aphorismus 78

 

 

1962 war der Aphorismus Thema des Gesprächs zwischen Mutter und Satprem:

 

Mutter: "Was ist deine Frage?"

 

Satprem:  "Hier ist ein intellektuelles oder spirituelles Wissen gemeint, aber wenn es sich um ein Wissen des supramentalen Yogas handelt, dann ist es... welche Art Wissen ist das? Ist es ein Wissen im Körper, ein physisches Wissen?"

 

"Sri Aurobindo spricht hier von einem Wissen durch Inspiration oder Offenbarung. Wenn plötzlich etwas herabkommt und das Verständnis erleuchtet, hat man auf einmal den Eindruck, eine gewisse Sache zum ersten Mal zu wissen, denn es kommt direkt aus dem Bereich des Lichtes und des wahren Wissens, und es kommt mit all seiner innewohnenden Kraft der Wahrheit – es erleuchtet einen. Hat man es gerade empfangen, scheint in der Tat nichts diesem Licht widerstehen zu können. Wenn man darauf bedacht ist, es in sich wirken zu lassen, bewirkt es eine so große Transformation, wie sie in seinem eigenen Bereich nur möglich ist.

Diese Erfahrung hat man häufig. Wenn das geschieht, scheint sich alles für eine gewisse Zeit (nicht für sehr lange) ganz natürlich um dieses Licht zu ordnen. Dann vermischt es sich allmählich mit dem übrigen, und nur das intellektuelle Wissen davon bleibt bestehen (es äußert sich auf die eine oder andere Weise). Dieses bleibt bestehen – aber sozusagen, als wäre es leer. Es hat nicht mehr diese Antriebskraft, die alle Bewegungen des Wesens in seinem Bildnis transformiert. Das will Sri Aurobindo sagen: Die Welt schreitet schnell voran, der Herr geht immer vorwärts, und all das, was Er hinterläßt, ist ein Schweif, der aber nicht mehr dieselbe spontane Kraft und Allmacht des AUGENBLICKS hat, als Er ihn in die Welt schleuderte.

Man hat den Eindruck, dass es wie ein Regen der Wahrheit ist: Alle, die ihn auffangen können, und sei es auch nur einen Tropfen, erfahren eine Offenbarung, aber wenn sie nicht selber mit phantastischer Geschwindigkeit voranschreiten, entfernt sich der Herr sehr bald mit seinem Regen der Wahrheit, und man muß schnell laufen, um ihn einzuholen!

Diese Vorstellung hatte ich immer.

Das will er sagen."

 

Ja, aber damit dieses Wissen wirklich eine Macht der Transformation hat...?

 

Das ist die höhere Erkenntnis, die sich ausdrückende Wahrheit, das, was er "die wahre Erkenntnis" nennt. Diese Erkenntnis transformiert die ganze Schöpfung. Aber es ist, als ließe Er es die ganze Zeit herabregnen, und man muss sich sehr beeilen (lachend), um nicht zurückgelassen zu werden.

Hast du denn niemals dieses blendende Licht im Kopf gespürt? Das drückt sich aus als: "Ah! Aber ja!" Bisweilen wusste man es zwar verstandesmäßig, doch es war farblos, ohne Leben, und nun kommt es plötzlich wie eine ungeheure Kraft, die alles im Bewusstsein um dieses Licht ordnet – es bleibt nicht sehr lange. Manchmal bleibt es nur einige Stunden, manchmal einige Tage, aber niemals länger, außer man wäre sehr langsam in seinen Bewegungen. Während dieser Zeit (lachend) bewegt sich die Quelle der Wahrheit immer weiter, weiter, weiter...

 

Aber all dies sind psychologische Transformationen. Welche Kenntnis ist nötig, um die Materie zu transformieren, den Körper?

 

Darüber kann ich im Moment nichts sagen, mein Kind, denn ich weiß es nicht.

Ist es eine andere Art des Wissens?

Nein, ich glaube nicht.

 

(Schweigen)

 

Es ist vielleicht eine andere Art Aktion, aber keine andere Art des Wissens.

 

(Schweigen)

 

Im Grunde kann man erst dann von dem sprechen, was die Materie transformiert, wenn sie... wenigstens ein bisschen transformiert ist, wenn die Transformation begonnen hat. Dann kann man von einem Prozess sprechen. Aber bis jetzt...

 

(Schweigen)

 

Jede beliebige Transformation im Wesen – auf jeder Ebene – hat immer Auswirkungen auf die darunterliegenden Ebenen. Es hat immer eine Wirkung. Selbst die Dinge, die rein intellektuell erscheinen, haben sicherlich eine Auswirkung auf die Beschaffenheit des Gehirns.

Diese Art von Offenbarungen geschehen nur in einem schweigenden Mental – jedenfalls in der Ruhe. Ein völlig ruhiges und unbewegtes Mental, sonst geschieht es nicht. Oder wenn es kommt, merkt man es nicht einmal, bei all dem Lärm, den man verursacht. Natürlich hilft es, die Ruhe, das Schweigen, die Aufnahmefähigkeit immer mehr zu erweitern... Dieser Eindruck von etwas so Unbewegtem, aber nicht Verschlossenem – unbewegt aber offen, unbewegt aber empfänglich – stellt sich durch die Anzahl der Erfahrungen ein. Es besteht ein großer Unterschied zwischen einem toten, eintönigen, unempfänglichen Schweigen und dem aufnahmefähigen Schweigen eines ausgeglichenen Mentals. Das macht einen großen Unterschied. Aber es ist das Ergebnis dieser Erfahrungen. Alle unsere Fortschritte sind immer das natürliche Ergebnis der Wahrheit, die von oben kommt.

Das hat eine Auswirkung: All diese Dinge haben eine Wirkung auf die Funktion des Körpers – auf die Funktion der Organe, des Gehirns, der Nerven usw. Das vollzieht sich sicherlich während einer sehr langen Zeit, bevor es eine Auswirkung auf die äußere Form hat.

Eigentlich denken die Leute vor allem an eine malerische Transformation, wenn sie von Transformation sprechen, scheint mir. An eine schöne Erscheinung! Leuchtend, geschmeidig, formbar, beliebig veränderlich. Aber an diese sehr wenig ästhetische Angelegenheit der Transformation der Organe denkt man nicht viel. Dennoch wird das sicherlich als erstes eintreten, lange vor der Transformation der Erscheinung.

 

 

Sri Aurobindo sprach davon, die Organe durch die Funktion der "Chakras" zu ersetzen.

 

Ja, ja. Er sprach von dreihundert Jahren! (Mutter lacht)

 

(Schweigen)

 

Denn man braucht es sich ja nur zu überlegen, das ist leicht zu verstehen: Wenn es sich darum handelte, eines anzuhalten und ETWAS ANDERES zu beginnen, ließe sich das relativ rasch ausführen. Aber den Körper am Leben zu erhalten (so dass er weiterhin funktioniert) und ZUR SELBEN ZEIT eine neue Funktion so einzuführen, dass er am Leben bleibt, und die Transformation – das ergibt eine Kombination, die sehr schwer zu verwirklichen ist. Ich bin mir völlig im klaren über den enormen Zeitraum, der erforderlich ist, damit es ohne Katastrophe geschehen kann.

Besonders wenn wir zum Herzen kommen: Das Herz wird ersetzt durch das Zentrum der Kraft, eine ungeheure dynamische Kraft! (Mutter lacht) In welchem AUGENBLICK wird man den Kreislauf stoppen und die Kraft wirken lassen?

Das ist... sehr schwierig.

(Schweigen)

Nein, ich habe nicht viel zu sagen. Alles, was ich dir gerade sagte, kann nicht veröffentlicht werden. Es kann in die Agenda aufgenommen werden, aber es kann nicht veröffentlicht werden.

 

 

Es wäre nicht schlecht, wenn sich die Leute über die Arbeit klar würden.

 

Nein... Nun, du kannst es ja aufschreiben, dann werde ich sehen. Aber ich habe nicht viel zu sagen.

 

(Schweigen)

 

Im gewöhnlichen Leben denkt man die Dinge, und dann führt man sie aus – hier ist es genau das Gegenteil: In diesem Leben muss man erst handeln, und nachher versteht man – aber lange Zeit nachher. Erst muss man handeln, ohne zu denken. Wenn man denkt, erreicht man nichts Gutes. Das heißt, man kehrt zur alten Lebensweise zurück.

 

 

    Mutter sollte den Schlüssel später finden, wie das Bewusstsein der Körperzellen zu verändern ist.  Den Wunsch Satprems, etwas an die Hand zu bekommen, ein Wissen, eine Kenntnis, kann man gut nachvollziehen, wenn man diesen Weg beschreitet. Dahinter verbirgt sich immer noch ein versteckter Wunsch, kontrollierend in das Geschehen eingreifen zu können. Aber gerade die Kontrolle durch unser gewöhnliches Mental behindert und verfälscht das Fließen des Supramentalen Lichts.

Der Schlüssel bestand in der Hinwendung der Körperzellen selbst zum Göttlichen und die vollkommene und alleinige Überantwortung an die Supramentale Macht. Dass diese das tun und das Licht begierig in sich aufsaugen, kann vollkommen real erfahren werden. 

Verständlicherweise wird die Hingabe umso schwieriger, wenn man sich den lebenserhaltenden Organen nähert. 

 

    Das Zitierte wurde von Anfang an als absolut wahr erlebt. Sämtliche Erfahrungen fanden statt, bevor die Berichte darüber bekannt waren. Für den Versand anfänglich eine gewaltige Herausforderung, gab es gleichzeitig eine Instanz im Inneren, die von der Wirklichkeit dessen, was sie erfuhr, weder überrascht noch überfordert war. 

Trotzdem sind  die ersten Berührungen mit dem Supramentalen Bewusstsein, gerade aufgrund ihrer körperlichen Komponente, sehr aufwühlend für den wissbegierigen Intellekt, der nicht gern die Kontrolle aufgibt. Hier gibt es nichts, was er (basierend auf der Vergangenheit) bestätigen oder erfassen könnte und zu "mein" machen; außer zu versuchen, das individuell Erfahrene in mehr oder weniger unzulänglichen Worten zu beschreiben – wie es auch auf diesen Seiten versucht wird.

Ein Studium der Natur des angestrebten Pfads in den Werken von Sri Aurobindo, Mutter u.a. ist nicht nur verständlich, sondern für eine ganze Weile nötig, um mögliche Fallen und leidvolle Erfahrungen zu umgehen, die jene schon vor uns gemacht und beschrieben haben. Der Weg ist vollkommen neu in der Evolution des Menschen, langwierig und nicht ungefährlich, und Erklärungen oder Beschreibungen, so bruchstückhaft sie auch sein mögen, vermitteln ein wenig "Sicherheit". Und wenn es nur jene ist, dass andere diesen Weg tatsächlich beschritten haben oder beschreiten und er somit möglich ist. 

In dem Maße, wie die Kraft des seelischen Wesens zunimmt und seine Stütze tatsächlich wahrgenommen wird, beruhigt sich der ständig ratternde und fragende Verstand, und Hingabe und Vertrauen in die Göttliche Führung festigen sich. Die gemachten Erfahrungen selbst genügen dann als Antwort.

Erst, was wirklich erfahren wurde, wird GEWUSST.  

 

 

 Wenn die Weisheit kommt, ist ihre erste Lektion: `Wissen als solches existiert nicht; es gibt nur flüchtige Wahrnehmungen der unendlichen Gottheit.´

 

Sri Aurobindo

 

 

Mitteilungen der Seele kommen nicht in mentaler Form. Es sind keine Ideen oder Folgerungen. Sie haben ihren eigenen Charakter, der sich von dem des Mentals deutlich unterscheidet, etwas wie ein Gefühl, das sich begreift und handelt. 

Ihrer eigentlichen Natur nach ist die Seele ruhig und still und leuchtend, verstehend und großzügig, weit und fortschrittlich. Sie bemüht sich ständig um Verstehen und Fortschritt. 

Das Mental beschreibt und erklärt. 

Die Seele sieht und versteht. 

 

Mutter

 

 

 

 

 

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