Bin ich auf den Weg des Integralen Yoga berufen?

 

 

 

Der höchste Herr bestimmt unverrückbar deine Stellung im universellen Konzert, doch was auch immer diese Stellung sein mag, du hast dasselbe Recht wie alle anderen, die höchsten Gipfel bis zur supramentalen Verwirklichung zu erklimmen.

 

Sri Aurobindo

 

 

 

 

Das Göttliche Bewusstsein beurteilt, wann jemand reif genug ist, den Weg des Integralen Yoga und der körperlichen Transformation zu beschreiten. Dann ergeht in einem der Leben ein deutlicher Ruf an das seelische Wesen und alle Umstände und Begegnungen führen uns unweigerlich in diese Richtung. Selbst, wenn wir durch das geburtliche Vergessen in dieser Inkarnation nichts mehr von den spirituellen Vorbereitungen in unseren vergangenen Leben wissen. Vielleicht liegen wir sogar aufgrund schwerer Schicksalsschläge mit Gott im Kampf, oder besser gesagt: Mit dem, was wir für Gott halten. Ohne zu erkennen, dass er uns durch das Ringen mit ihm die nötigen Kräfte zuwachsen lässt und wir längst dabei sind, nach Ihm zu suchen – dem wahren Göttlichen. 

Wer für den Integralen Yoga berufen ist, braucht Kraft, Durchhaltevermögen und Ausdauer. Es kommen Phasen auf einen zu, in denen man (irrtümlich) denkt, "schmerzhafter" kann es nicht mehr kommen, man sei gescheitert oder werde sein Ziel nie erreichen. Meditieren, Japa machen, mit Mantras arbeiten etc. reicht nicht aus, um den Weg zu beschreiten. Es braucht zusätzlich den Yoga der Tat (Karma Yoga), um das Supramentale Bewusstsein in diese Welt hineinzubringen. Darüberhinaus als unerlässliche weitere Komponente und schwierigsten Schritt die Transformation der Materie, unserer Körperzellen. Wie Sri Aurobindo sagte, nimmt die Seele auch Schäden in Kauf, um schnellstmöglich an ihr Ziel zu gelangen. Die körperliche Transformation muss in einem Leben durchlaufen werden. 

 

 

Gibt es unmissverständliche Anzeichen?

 

Wenn man sich auf diesem Weg befindet, weiß man es ab einem bestimmten Moment. Ein anhaltendes Streben und Sehnen nach dem Göttlichen ist die Haupttriebfeder jeder spirituellen Suche. Typisch für diesen Yoga ist jedoch eine sich sehr bald offenbarende körperliche Komponente wie zum Beispiel ein deutliches Rieseln durch den Körper, ein anhaltender Druck auf den Kopf, während des Meditierens ein plötzliches Empfinden, als würde man von der Unterlage abheben, Hitzeschübe durch den Körper ohne ersichtlichen Grund, u.v.m.

Mit der Zeit werden die Symptome massiver und "eigenartiger": Sie sind für den Körper so unverwechselbar neu, dass ein Irrtum ausgeschlossen ist. Man kann sie sich nicht ausdenken, erfinden oder anderweitig provozieren, weil der Verstand auf nichts Bekanntes zurückgreifen kann.

Es ist deshalb ausgeschlossen, dass man sich aus einem starken Wunsch heraus in etwas hineinsteigern oder sich etwas einsuggerieren kann. 

 

Das Herausheben des Körperbewusstseins aus dem Körper wurde als erstes erfahren. Während einer Meditation fünf Meter hoch unter einer Saaldecke zu schweben bei vollem Tagesbewusstsein, sich gleichzeitig auf einem Stuhl sitzend zu erfahren, ist eine sehr einprägsame Erfahrung.

Zwei Jahre später wiederholte sich der Vorgang. Das Körperbewusstsein wurde aus dem Körper herausgehoben, weit über die Zimmerdecke hinaus. Diesmal kam es dabei zur Verbindung zwischen ihm, dem Supramental und dem Psychischen Wesen. Der Moment dieser Berührung wurde als heftige Lichtexplosion im Körper erfahren, die das ganze Wesen erschütterte und zwei Tage lang innerlich durchleuchtet zurückließ.  Aus Unkenntnis und wegen der starken körperlichen Beteiligung stieg zunächst der Impuls auf: "Jetzt stirbst du!" Erklärungen wurden wie üblich erst im Nachhinein gegebenen. 

Sri Aurobindo merkte dazu an: "Es gibt keine feste Regel in solchen Dingen. Bei vielen kommt die Herabkunft zuerst und dann das Aufsteigen [des Bewusstseins], bei anderen ist es umgekehrt; bei manchen finden die beiden Vorgänge gleichzeitig statt. Wenn man das Bewusstsein über sich festigen kann, umso besser!" (Sri Aurobindo, Briefe über den Yoga)

 

Unmittelbar danach begannen für einige Wochen heftigste Hitzeschübe durch den Körper, die den Eindruck eines immensen Drucks auf die Körperzellen vermittelten und den Herzschlag beeinflussten.  Als wollte man austesten, wo die Grenzen liegen. Sie machten ein weiteres Funktionieren in der Außenwelt für eine ganze Weile unmöglich. In diesem Zeitraum kristallisierten sich drei bestimmte körperliche Bereiche heraus, die regelrecht "aufgebrochen" wurden. Fast so, als würde der gesamte Zellverbund "aufgelockert". Sie fühlten sich dabei vorübergehend "porös", wie stäubend und durchlässig an, was die innere Schau bestätigte. Das sollten für die weitere Zeit der Transformation die Hauptzentren der Arbeit bleiben.

Erst, als sich eine gewissen Regelmäßigkeit einspielte und diese Zeit der Anpassung vorüber war, wurde das Fließen des Lichts ein permanenter Zustand mit einer gewissen thematischen Rhythmisierung. Phasen überschießender energetischer Aufladung wechselten ab mit totaler körperlicher und "psychischer" Erschöpfung, die ebenso plötzlich wieder vollkommen verschwanden wie sie eingetreten waren. Ein typisches Merkmal auf diesem Weg, das einen nie an ein Krankheitssymptom glauben lässt. 

 

Hat man diese Phase der Arbeit im Körper erreicht, endet für lange Zeit die watteartige, liebliche Stille des alten Wegs und man wird für viele Jahre ein "Handwerker", "Bergarbeiter" oder "Wissenschaftler" im eigenen Leib. Jegliche Vorstellung von "sich selbst", einschließlich einer vermeintlichen Tugendhaftigkeit,  wird Schritt für Schritt zerlegt bis hinein in die vollkommene Aufdeckung jeglicher versteckter Begierden im Körperbewusstsein. 

Dieser Weg ist etwas VOLLKOMMEN ANDERES als man es von einem spirituellen Weg erwartet. In seinem Verlauf wird man nicht "heiliger", sondern authentischer, und man fühlt sich erinnert an den Spruch: "Wer sich die Hände nicht schmutzig machen will, darf nicht in den Stall gehen." Es ist unwahrscheinlich, dass Menschen aus dem Umfeld einen anfänglich als auf einem spirituellen Pfad befindlich wahrnehmen wie auf den alten Yogawegen. Was unter anderem daran liegt, dass das herkömmliche Alltagsleben weiterläuft und man dieses Bewusstsein in alle Handlungen hinein unerkannt verströmt. Dazu kommt, dass es sich bei dem Supramentalen Bewusstsein um ein läuterndes und klärendes Wahrheitsbewusstsein handelt. Anders als auf den herkömmlichen Yogawegen wird man in den Zustand der Göttlichen Liebe erst dann erhoben, wenn das "Haus leergefegt" wurde. 

Alle Empfindungen, die in einem von der Umwelt unbemerkt auftreten, lassen sich weder künstlich herbeiführen, noch adäquat beschreiben, wenn man sie nicht selbst durchlebt hat. Etwas in uns weiß absolut sicher, dass das, was passiert, vollkommen "normal" ist, gleich einem Wieder-Erinnern, während der Verstand nichts versteht und man lernt, ihn zur Ruhe zu bringen. Dabei kann es für eine Weile etwas "holprig" zugehen. Man versteht sehr schnell das Ausmaß der Beanspruchung dieses Weges. 

 

 

       Eine besondere Herausforderung

 

So groß die Sehnsucht bei vielen sein mag, den Weg der Supramentalen Transformation einzuschlagen zu wollen: Es kann bestätigt werden, dass Sri Aurobindos Warnung berechtigt ist, ihn nicht aus rein mentalen oder ehrgeizigen Gründen zu wählen. Steckt man erst einmal darin, gibt es kein Zurück. Und es kommen Phasen auf einen zu, in denen man am liebsten ausbrechen würde. Und das nicht, weil man "unfähig" oder ein schlechter Schüler ist. Man hat sein inneres und äußeres Leben absolut und total zur Verfügung zu stellen. 

 

"Das Ziel des Yoga ist immer schwer zu erreichen, doch dieser Yoga ist schwieriger als irgendein anderer und nur für jene geeignet, die den Ruf für ihn haben, die die Fähigkeit und den Willen besitzen, allem zu begegnen, jeder Gefahr, selbst der des Fehlschlags, und die den Willen haben vorwärtszuschreiten einer völligen Selbstlosigkeit, Wunschlosigkeit und Hingabe entgegen."

*

"Dieser Yoga bezieht nicht nur die Verwirklichung Gottes mit ein, sondern auch eine völlige Weihung und Wandlung des inneren und äußeren Lebens, bis es bereit ist, ein göttliches Bewusstsein zu manifestieren und Teil einer göttlichen Arbeit zu werden. Dies bedeutet eine innere, viel anspruchsvollere und schwierigere Disziplin als es die rein ethischen und physischen Enthaltsamkeit sind. Man darf diesen Pfad, der ungleich weitreichender und mühsamer als die meisten Yogawege ist, nicht betreten, wenn man sich seines seelischen Rufes und seiner Bereitschaft, bis zum Ende durchzuhalten, nicht gewiss ist.

Wenn jemand für den Pfad bestimmt ist, dann werden ihn trotz aller Umwege des Mentals und Lebens alle Umstände auf die eine oder andere Weise zu diesem hinführen. Es ist das eigene seelische Wesen in ihm und die Göttliche Macht darüber, die zu diesem Zweck sowohl die Wechselhaftigkeiten des Mentals als auch die äußeren Umstände benutzen."

*

"Die spirituelle Bestimmung bleibt immer bestehen – sie mag sich verzögern oder für eine gewisse Zeit verloren erscheinen, aber sie wird niemals aufgehoben."

 

             (Sri Aurobindo, Briefe über den Yoga II,  DIE GRUNDVORAUSSETZUNGEN DES PFADES)

 

  ***

 

Von geradezu prophetischer Eindringlichkeit sind Sri Aurobindos Worte in dem Kapitel "DAS GESETZ DES WEGES" aus der Schrift "Die Stunde Gottes":

 

"Zuerst sei dir des Rufes sicher und der Antwort deiner Seele. Denn wenn es nicht der wahre Ruf ist, nicht die Berührung der Mächte Gottes oder die Stimme seiner Boten, sondern der Lockruf deines Ego, dann wird das Ende deiner Mühen ein erbärmliches spirituelles Fiasko oder gar ein tiefes Verhängnis sein.

Und wenn nicht die Leidenschaft der Seele, sondern nur die Zustimmung oder das Interesse deines Mentals auf den göttlichen Ruf antwortet, oder wenn es nur die Wünsche des niederen Lebens sind, die sich der einen oder anderen Annehmlichkeit unter den Früchten der Yogakraft oder der Yogafreude bemächtigen wollen, oder wenn bloß eine vorübergehende Gefühlsregung wie eine unstete Flamme aufflackert, angefacht von der Eindringlichkeit der [göttlichen] Stimme oder ihrer Süße oder Erhabenheit,  auch dann kann nur geringe Sicherheit für dich bestehen auf dem schweren Weg des Yoga.

Die äuβeren Hilfsmittel des sterblichen Menschen haben nicht die Kraft, ihn durch die strengen Prüfungen dieser spirituellen Reise und titanischen inneren Schlacht zu tragen. Sie geben ihm nicht den Mut, seine schrecklichen oder hartnäckigen Feuerproben zu bestehen oder seinen subtilen und entsetzlichen Gefahren zu begegnen. Allein der erhabene und unbeugsame Wille seines Spirits und das nicht zu löschende Feuer der unbesiegbaren lnbrunst seiner Seele reichen für diese schwierige Umwandlung und dieses hohe, unmöglich scheinende Streben aus.

Bilde dir nicht ein, der Weg sei leicht. Der Weg ist lang, mühevoll, gefährlich und schwierig. Auf Schritt und Tritt lauert ein Hinterhalt, an jeder Wende eine Falle. Tausend sichtbare und unsichtbare Feinde werden sich gegen dich erheben, schrecklich in ihrer Hinterlist gegenüber deiner Unwissenheit, furchtbar in ihrer Macht gegenüber deiner Schwäche. Und wenn du sie unter Schmerzen vernichtet hast, werden sich tausend andere erheben, um ihren Platz einzunehmen. Die HöIle wird ihre Horden ausspeien, um sich dir zu widersetzen, dich zu umzingeln, zu verwunden und zu bedrohen. Der Himmel wird dir mit seinen erbarmungslosen Prüfungen und seinen kalt leuchtenden Verweigerungen begegnen. Du wirst dich allein gelassen finden in deiner Not, die Dämonen wütend auf deinem Pfad, die Götter ungeneigt über dir. Uralt und mächtig, grausam, unbesiegt und nah und unzählbar sind die dunklen und schrecklichen Gewalten, die von der Herrschaft der Nacht und der Unwissenheit profitieren und keine Änderung zulassen und feindselig sind. Ungerührt und bedächtig, fern und vereinzelt und kurz in ihrem Erscheinen sind die Leuchtenden, die willens sind oder denen es erlaubt ist, dir zu helfen.

Jeder Schritt voran ist eine Schlacht. Es gibt schroffe Abstiege,  es gibt nicht enden wollende Aufstiege, und es gilt immer höhere Gipfel zu erobern. Jede erklommene Ebene ist nur eine Etappe auf dem Weg und offenbart endlose Höhen darüber. Jeder Sieg, den du für den endgültigen Triumph deines Kampfes hältst, erweist sich als das Vorspiel zu hundert hitzigen und gefahrvollen Schlachten....

Du aber sagst, Gottes Hand werde dich führen und nah sein die göttliche Mutter mit ihrem hilfreichen und barmherzigen Lächeln? Und du weißt nicht, daß Gottes Gnade weit schwerer zu gewinnen und zu bewahren ist als der Nektar der Unsterblichen oder Kuveras unermessliche Schätze? Frage seine Auserwählten, und sie werden dir sagen, wie oft der Ewige sein Antlitz vor ihnen verbarg, wie oft er sich ihnen entzog hinter seinem geheimnisvollen Schleier und wie sie sich allein in den Klauen der Hölle fanden, einsam im Schrecken der Finsternis, nackt und schutzlos in der Bedrängnis der Schlacht.

Und wenn seine Gegenwart hinter dem Sehleier fühlbar ist, so ist sie doch wie die Wintersonne hinter Wolken und schützt nicht vor Regen und Schnee und dem verheerenden Sturm und dem rauen Wind und der bitteren Kälte und dem Grau einer düsteren Atmosphäre oder bleiernen Eintönigkeit. Zweifellos ist die Hilfe selbst dann vorhanden, wenn sie sich zurückgezogen zu haben scheint, aber trotzdem gibt es den Anschein völliger Nacht ohne eine Sonne, die aufgehen wird, und ohne einen Stern der Hoffnung, der die Schwärze durchdringt.

Wunderschön ist das Gesicht der Göttlichen Mutter, doch auch sie kann hart und furchterregend sein. Ist denn die Unsterblichkeit ein Spielzeug, das man leichthin einem Kind schenkt, oder das göttliche Leben ein mühelos zu erringender Preis oder die Krone für einen Schwächling? Bemühe dich recht, und du wirst erlangen; vertraue, und dein Vertrauen wird am Ende gerechtfertigt sein. Doch das furchtbare Gesetz des Weges besteht, und keiner kann es aufheben."  

 

Es ist Gott selbst, der hier spricht. Hat man die Stimme Gottes einmal vernommen, hegt man keinen Zweifel daran. Die "Dunkle Nacht der Seele" ist allen spirituell Strebenden bekannt. Diese endlos scheinende Agonie der vollkommenen Abwesenheit Gottes. Im Integralen Yoga gehen die schwierigen Phasen erheblich verschärft darüber hinaus, wenn der Yoga die Körperzellen miteinbezieht und wir mit dem evolutionären Unterbewussten und Unbewussten in Berührung kommen, das dabei in unser Tagesbewusstsein aufsteigt und "persönlich wird", wie Mutter es nannte.   

Trotzdem darf man sich nicht entmutigen lassen. Bewahrt man die rechte Einstellung und vertraut darauf, dass es nicht unsere persönliche Kraft, sondern die der Seele ist, die beschlossen hat, diesen Weg bis zum Ende zu versuchen, und die einen stützt und beschützt, wird man irgendwann die ersten zarten Lichtreflexe der nahenden Morgendämmerung erleben. 

 

In dieser Zeit sind wir mit einer Front unsichtbarer Hindernisse konfrontiert. Sei es durch Menschen in unserem Umfeld oder unsichtbare Energien. Alles versucht, uns zurückzuhalten, uns einzureden, wir seien nicht normal, unterlägen einer Einbildung oder Selbstsuggestion, Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen, etc.; bis hin zu offener Verachtung, Anfeindung und Abwendung. Unsichtbare Einflüsse dringen unbemerkt in uns ein und zeigen jede noch zu findende Schwachstelle in unserem System auf, indem sie sie schmerzhaft berühren. Man darf sich davon nicht beirren lassen und muss ab einem gewissen Punkt eine eventuelle komplette Isolation in Kauf nehmen, wenn es die einzige Möglichkeit ist, die spirituelle Konzentration aufrechtzuerhalten.  Kernpunkt ist und bleibt die totale Überantwortung und Hingabe an das Göttliche Bewusstsein. 

 

Über Erfahrungen sollte man grundsätzlich erst reden, wenn sie eine gewisse Zeit zurückliegen, um ihre Wirkung nicht abzuschwächen. Auch muss man damit rechnen, dass man hauptsächlich mit Skepsis konfrontiert wird und von menschlicher Seite keinerlei Hilfe erwarten kann. Noch ist dieser Weg sehr selten. Mutter merkte an, kaum einer von 50 Millionen würde ihn beschreiten. Wer dazu berufen ist,  gehört zu den Pionieren der Zukunft und fühlt sich tatsächlich für lange Zeit keiner Welt mehr richtig zugehörig.

Fast immer in der Geschichte der Menschheit wurde die Wahrheit anfänglich lange geleugnet und bekämpft, bis sie sich als selbstverständlich entfaltete. 

Eine große Hilfe sind die körperlichen Erfahrungen des Lichts und die wundervolle Glückseligkeit der Körperzellen, wenn sie dieses neue Licht, dieses neue Leben, begierig trinken. An diesen Erfahrungen darf man vollkommen körperlich teilhaben, sie sind unverwechselbar und begleiten einen mit Unterbrechungen auf dem ganzen Weg. 

Die göttliche Führung stimmt ihr Wirken perfekt darauf ab, was wir (er-)tragen können. Auch, wenn wir zuweilen aufbegehren und meinen, dem nicht gewachsen zu sein. Wir werden immer wieder aufgerichtet in dem Maße, wie wir es brauchen. Wir müssen nur WOLLEN.  

Quälen uns dringliche Fragen, bekommen wir immer eine Antwort, indem wir z.B. die betreffende Textstelle in den Werken von Sri Aurobindo, Mutter o.a. finden, wenn wir ein Buch aufschlagen. 

Aus diesem Grund wurden auf diesen Seiten Zufallsbotschaften angelegt. Vielleicht können Sie eine Hilfe sein. 

 

 

Auch Mutter wurde regelmäßig von ihren Schülern befragt und gab geduldig und verständlich Auskunft: 

 

"Warum wollt ihr den Joga? Um Macht zu gewinnen? Um Ruhe und Frieden zu finden? Um der Menschheit zu dienen? Keiner dieser Gründe beweist ausreichend, dass ihr für den Pfad bereit seid. Auf folgende Frage müsst ihr Antwort geben:

Wollt ihr den Joga aus Liebe zum Göttlichen? Ist das Göttliche das höchste Ziel eures Lebens, so sehr, dass es euch ganz unmöglich wäre, ohne es auszukommen? Fühlt ihr, dass der eigentliche Zweck eures Daseins das Göttliche ist, ohne das es stumpf und sinnlos wäre?

Dann, und nur dann lässt sich sagen, dass ihr für den Pfad bereit seid.

Dies ist die erste Stufe: Sehnsucht nach dem Göttlichen.

Die nächste Stufe besteht darin, diese Sehnsucht zu vertiefen, sie immer wach zu halten, sie lebendig und stark zu machen. Dahin führt euch einzig Konzentration — sich auf das Göttliche ausrichten, sich unbedingt und ganzheitlich seinem Willen und seiner Absicht weihen.

Sammelt euch im Herzen. Dringt so weit und so tief ein als möglich. Zieht alle Fäden eures schweifenden Bewusstseins ein, haltet sie zusammen und taucht in das Schweigen eures inneren Wesens.

Eine Flamme brennt in der ruhigen Tiefe eures Herzens: dies ist das Göttliche in euch — euer wahres Wesen. Hört auf seine Stimme. Folgt seinen Eingebungen.

Es gibt noch andere Zentren der Sammlung, z. B. eines über dem Kopf und eines zwischen den Augenbrauen. Jedes hat seine Wirksamkeit und bringt seine besonderen Ergebnisse. Das zentrale Wesen aber wohnt im Herzen, und aus dem Herzen erwächst jede dynamische Regung, aller Umwandlungswille, alle Kraft der Verwirklichung." 

*

"Um den Druck der Herabkunft des Göttlichen auszuhalten, müsst ihr sehr stark und machtvoll sein, sonst geht ihr in Stücke.

Es gibt Leute, die fragen: „Warum ist das Göttliche noch nicht erschienen?“ Nun, weil ihr nicht bereit seid. Wenn schon ein kleiner Tropfen euch singen, tanzen und schreien lässt, was würde geschehen, wenn das Ganze herunterkäme?

Darum sagen wir denen, die in ihrem Körper, ihrem Vitalen und ihrem Geist keine genügend feste und weite Grundlage haben: „Zieht nicht“, das heißt, „versucht nicht mit Gewalt, die Kräfte des Göttlichen anzuziehen, sondern wartet im Frieden und in der Ruhe.“ Denn sie könnten die Herabkunft gar nicht aushalten. Doch jenen, die das nötige Fundament haben, sagen wir im Gegenteil: „Strebt und zieht.“ Denn sie können die herabkommenden Kräfte des Göttlichen aufnehmen, ohne aus der Fassung zu geraten.

Manchen geschieht es, dass ihnen, sobald sie sich dem Göttlichen zuwenden, jede materielle Stütze und alles, was sie lieben, entzogen wird. Hegen sie zu jemand eine Zuneigung, so verlieren sie ihn ebenfalls.

Das geschieht nicht jedermann, sondern nur denen, die berufen werden."  

 

(7. April 1929, Gespräche mit der Mutter)

 

 

 

              Bin ich für diesen Weg "geeignet"? 

 

    Zur Frage der "Tauglichkeit" für den Integralen Yoga ergab sich zwischen Sri Aurobindo und seinen Schülern eine interessante Unterhaltung:

 

 

Schüler: Wie kommt es, dass für den Yoga untaugliche Personen sich von ihm angezogen fühlen, während dafür geeignete Personen nicht von ihm angezogen werden?

 

Sri Aurobindo: Was meinst du mit „angezogen werden“?

 

Ich will damit sagen, dass etwas in ihnen sie zu diesem Yoga drängt, aber dann stellt sich heraus, dass sie dafür untauglich sind und einfach hineingestoßen wurden, um später daran zu zerbrechen.

 

Meinst du also, der Mensch wurde durch etwas Feindliches in den Yoga gedrängt, dass aber nichts in ihm das wollte?

  

Ja.

  

Das kann nicht sein. Etwas in dem Menschen, der den Yoga ausüben möchte, will die Wahrheit, aber andere Teile in ihm vermögen ihr nicht zu folgen.

 

Das heißt, solche Personen taugen nicht für den Yoga, und trotzdem nehmen sie ihn auf und zerbrechen daran.

 

Was ist „Tauglichkeit“?

 

Wir verstehen darunter ein Streben nach der Wahrheit, eine gewisse Stärke im vitalen Wesen und ein entwickeltes Mental.

 

Nun, ein Mensch mag alle diese Eigenschaften haben, von denen du sprichst, und er mag stark erscheinen und trotzdem nicht fähig sein durchzukommen, während ein anderer Menschen schwach erscheinen mag, doch etwas im Hintergrund schreitet ein, und er kann durchkommen. In diesen Dingen gibt es keine mentalen Regeln.

 

Wenn sie aber nicht geeignet sind, was drängt sie dann zum Yoga?

 

Wie ich schon sagte, etwas in ihnen will den Yoga und drängt sie dazu. In einigen Fällen ist es das „Schicksal“, das sie dazu drängt.

 

Was heißt „Schicksal“?

 

Nun, das ist ein Allgemeinbegriff, der etwas Unerklärliches überdeckt. (Lachen)

 

Bedeutet es, dass ein Mensch auf den Weg gedrängt wird, weil er dazu „auserwählt“ ist?

 

Ja, du kannst es als „auserwählt“ oder als „akzeptiert“ oder als irgendetwas bezeichnen; das hilft dir aber nicht weiter.

 

Aber viele Menschen denken, sie seien auserwählt, und dennoch haben sie keinen Erfolg.

 

Es geht nicht darum, dass man „denkt“, man sei auserwählt. Es gibt viele Leute, die denken, sie seien akzeptiert – während sie es überhaupt nicht sind. Andererseits gibt es solche, die fast bis zum Schluss hartnäckig glauben, sie seien nicht akzeptiert, um dann festzustellen, dass sie dennoch erfolgreich waren.

 

Ich dachte an X – ob irgendetwas in ihm den Yoga wirklich wollte.

 

Wie meinst du das? Er hatte auf jeden Fall etwas, das den Yoga wollte, sonst wäre er nicht dazu gedrängt worden. Aber die Arroganz seines Mentals und vitalen Wesens stand ihm im Weg, und er vergab seine Chance.

 

Nehmen wir den Fall der Leute aus dem Umfeld von X – so sehr sie sich auch anstrengen, sie kommen nicht voran, und dennoch verfolgen sie hartnäckig einen Pfad, den sie Sadhana nennen. Ich frage mich, warum sie dies tun und ob ihr Tun irgendeinen Nutzen hat?

 

Offensichtlich, weil etwas in ihnen den Yoga will, aber der Adhar, die materielle Instrumentation, eignet sich nicht. Und was den Nutzen betrifft, wie willst du den Nutzen kennen? Etwas wirkt, und das andere sind sozusagen Materialien im Kochtopf. Einige werden zubereitet, andere nicht. Man kann nicht warten und das spirituelle Leben erst aufnehmen, nachdem alle Bedingungen sicher sind. Und was ist Tauglichkeit?

 

Ich weiß es nicht. Ich möchte, dass Sie es mir sagen.

 

Ich bin noch keinem begegnet, der alle Voraussetzungen erfüllt, die für den Yoga notwendig sind. Was stellst du dir unter Tauglichkeit vor?

 

Wir sehen einige Leute, die uns für diesen Yoga „tauglich“ erscheinen, aber sie praktizieren ihn nicht, während andere, die nichts haben, ihn praktizieren und nichts daraus gewinnen.

 

Und es gibt Fälle, wo ein Mensch, den man für stark hält, zusammenbricht, wohingegen der schwache Mensch es irgendwie schafft durchzukommen.

 

Was sind die Voraussetzungen für den Erfolg in diesem Yoga?

 

Ich habe sie schon oft genannt. Es kommen diejenigen durch, die eine zentrale Aufrichtigkeit besitzen. Das bedeutet nicht, dass in allen Teilen des Wesens Aufrichtigkeit herrscht. In diesem Sinne ist keiner vollständig bereit. Wenn aber eine zentrale Aufrichtigkeit besteht, dann ist es möglich, sie in allen Teilen des Wesens zu begründen.

Die zweite Notwendigkeit ist eine gewisse Empfänglichkeit im Wesen, das, was wir das „Sich-Öffnen“ für die höhere Macht auf allen Ebenen nennen.

Die dritte Voraussetzung ist Kraft, um die höhere Macht halten zu können, eine gewisse ghanatwa, eine Masse, welche die Macht halten kann, wenn sie herabkommt.

Was das Etwas, das drängt, betrifft, so gibt es zwei Dinge, die im Allgemeinen drängen: Das eine ist das zentrale Wesen, das andere ist Schicksal. Wenn das zentrale Wesen etwas tun möchte, dann treibt es den Menschen dazu. Selbst wenn der Mensch vom Kurs abkommt, wird er wieder auf den Pfad zurückgedrängt. Natürlich kann das zentrale Wesen durch das Mental oder irgendeinen anderen Teil seines Wesens Druck auf ihn ausüben. Wenn der Mensch ausersehen ist, wird er auch auf den Weg gedrängt, um entweder durchzukommen oder zu zerbrechen.

 

Es gibt Leute, die denken, sie seien ausersehen oder erwählt, und wir sehen, dass sie keineswegs „erwählt“ sind.

 

Natürlich denken viele Leute, dass sie speziell „erwählt“ und die Ersten und „Auserwählten“ seien und so weiter. All das ist nicht von Belang.

 

Können Sie denn sagen, wer von all jenen, die hierhergekommen sind [in den Ashram], tauglich ist?

 

Das ist sehr schwer zu sagen. Aber so viel kann gesagt werden: Jeder, der hierhergekommen ist, hat eine Chance durchzukommen, wenn er genügend Ausdauer hat.

 

Es besteht auch die Möglichkeit, zu scheitern.

 

Natürlich, und außerdem ist das ganze Universum ein Spiel der Kräfte, und man kann nicht immer warten, bis alle Bedingungen für den Erfolg erfüllt sind. Man muss Risiken eingehen und seine Chance wahrnehmen.

 

Was bedeutet „Chance“? Bedeutet es, dass dieser Weg nur eine Möglichkeit unter vielen anderen ist, oder bedeutet es, dass man im Yoga Erfolg haben könnte?

 

Es bedeutet nur, dass man erfolgreich sein kann, wenn man seine Chance auf die richtige Weise wahrnimmt. X zum Beispiel hatte seine Chance.

 

Jene, die auf dem Weg fallen oder ausrutschen, bewegen sie sich in ihrer Evolution abwärts?

 

Das kommt darauf an. Letzten Endes mag der Yoga für sie verloren sein. 

 

 

(ABENDGESPRÄCHE MIT SRI AUROBINDO Aufgezeichnet von A. B. Purani; 20. September 1926) 

 

 

 

 

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