Vampirismus – gibt es ihn tatsächlich?

 

 

 

 

Gibst du

 

     oder

 

          nimmst du?

Befindet man sich auf dem Weg der Supramentalen Transformation, wird man mit diesem Thema früher oder später konfrontiert. Neben einer mentalen Intuition, uns in Gegenwart von Menschen unwohl zu fühlen, reagiert jetzt das Bewusstsein der Körperzellen selbst zusätzlich auf jede Energieschwingung.  Das reicht von leichteren Störungen des Befindens wie z.B. plötzlich einsetzender Übelkeit, Schwindelgefühlen, Zahn- oder Kopfschmerzen bis hin zu handfesten "Krankheiten", die einen von einer Minute auf die andere ohne "Inkubationszeit" befallen. 

Nicht immer haben sie mit transformativen Schüben zu tun, sondern werden tatsächlich durch äußere Umstände oder Personen ausgelöst. Es braucht eine Weile, bis man lernt, diese zu indentifizieren. Manchmal sind es Menschen, denen wir sehr zugetan sind, und es schmerzt, den Kontakt abzubrechen. Niemand kann etwas dafür, und doch plagt man sich in der Übergangszeit vielleicht mit Schuldgefühlen herum. 

 

In den Abendgesprächen geht Sri Aurobindo auf das Thema des "vitalen Austausches" ein: Einmal in der Beziehung zwischen Yogi und Schüler, dann zwischen Mann und Frau: 

 

Frage: Es heißt, dass er [Ramakrishna] wegen der Sünden seiner Schüler Krebs bekam. 

 

Sri Aurobindo: Ja. Er sagte das selbst, und wenn er es sagte, muss es wahr sein. Weißt du, man sagt, er habe sich für und gegen die Ansicht ausgesprochen, der Guru habe viele Dinge der Schüler auf sich selbst zu nehmen.

Die Mutter tut das, weil sie sich mit dem Schüler vereinigt, sie nimmt sie in sich auf. Natürlich hält sie gleichzeitig viele Dinge davon ab, sich in ihr zu manifestieren. Ein berühmter Yogi sagte einem seiner Schüler, als dieser selbst ein Guru wurde: „Zusätzlich zu deinen eigenen Schwierigkeiten nimmst du die von anderen auf dich.“ Natürlich kann das nicht passieren, wenn man die Verbindung mit den Schülern abtrennt, was allerdings bedeutet, dass keine Arbeit getan wird und die Sadhaks auf sich selbst zurückgeworfen werden, ohne irgendwelche Unterstützung.

Diese Art Austausch ist sehr verbreitet. Wo immer sich zwei Personen treffen, geht ein Austausch vonstatten. Auf diese Art zieht man ohne Ansteckung durch Bakterien eine Krankheit auf sich. N. war sich dessen bewusst, was er von anderen empfing, kümmerte sich aber nicht darum, was er anderen weitergab. Nicht nur das, er dachte sogar, er verfüge über die Macht zum Guten oder zum Bösen. Schlechte Gedanken mögen sich auf andere auswirken. Aus diesem Grund betonte Buddha stets die Wichtigkeit richtigen Denkens. Man beobachtet, dass manche Leute nicht auskommen, ohne sich mit anderen auszutauschen.

Was ist denn die Leidenschaft von Mann und Frau zueinander? Nichts als dieser vitale Austausch, dieses gegenseitige Anzapfen von Kräften. Wenn eine Frau jemand anderen braucht, bedeutet dies, dass sie ein Bedürfnis nach einer vitalen Kraft von ihm empfindet. Dass Frau und Mann einander nachlaufen, läuft auf diesen Austausch oder dieses Anzapfen von Energie hinaus. Natürlich findet das unbewusst statt; sogar im gewöhnlichen Leben weiß eine Person, die eine andere nicht mag, den Grund nicht dafür, aber es bedeutet, dass ihre Vitalwesen sich nicht verstehen. ...

Es lässt sich nicht genau bestimmen, ob es das Unvermögen des Vitals oder Nichtübereinstimmung ist. Man sieht, wie Leute – Männer und Frauen – heftig miteinander streiten, und doch können sie nicht voneinander lassen. Der Grund ist, dass jeder auf die Vitalkraft des anderen angewiesen ist. Natürlich wurde das Bedürfnis der Frau vom Mann auferlegt. Die Frau empfindet fast immer solch eine Notwendigkeit. Dies nennt man Verliebtheit. In allen Gesellschaften wurde die eheliche Mann-Frau-Beziehung eingeführt, so dass dieser Wechsel und Austausch aufeinander beschränkt bleibt und ein Gleichgewicht begründet werden kann.

 

Wenn man aber mehr zieht, dann besteht ein Risiko.

 

Natürlich. Wenn man mehr empfängt, als man gibt, dann mag dies schlechte Auswirkungen auf den anderen haben. Du weißt, was die Hindu-Astrologie über den „Rakshasa Yoga“ sagt: Ein Ehemann, der etliche Frauen nacheinander verliert, das bedeutet, dass er sie auszehrt, anstatt sie zu unterstützen.

 

Was sind Vampire?

 

Das sind jene, die dauernd das Vitalwesen anderer anzapfen, ohne irgendetwas zurückzugeben.

 

Sind sie so von Natur aus oder aufgrund einer Art Besessenheit?

 

Es kann beides sein. Es gibt männliche und weibliche Vampire. Da ist es auch das Vital, das seiner Natur nach expansiv ist. In solch einem Fall verspürt man das Bedürfnis, die Vitalkraft zu verausgaben. Und schließlich gibt es noch die Art eines expansiven Vitals – das Hitlersche Vital –, das sich auf andere Leute stürzt und diese unterjocht.

 

Ist psychische Liebe von dieser Art?

 

Natürlich nicht. Das Gesetz des Psychischen ist es, zu geben, ohne selbst Ansprüche zu stellen. 

 

 

***

 

 

Aus einer Unterhaltung zwischen Mutter und ihren Schülern zum Thema "Vampirismus", 12.Mai 1929:

 

 Es gibt Menschen, die wie Vampire sind. Was sind sie, und warum sind sie so?

 

Sie sind nicht menschlich; nur die Form, die Erscheinung ist so. Es sind Einkörperungen von Wesen aus einer Welt, die der physischen benachbart ist, einer Ebene, die wir die vitale Welt nennen. Das ist die Welt all der Begierden, Impulse und Leidenschaften, die Welt der Gewalttätigkeit, Gier, Arglist und aller Art von Unwissenheit, aber auch das ganze dynamische Vermögen ist dort, die Lebensenergien und viele Kräfte.

Die Wesen dieser Welt haben ihrer Natur nach eine seltsame Macht über die stoffliche Welt und können auf sie einen verderblichen Einfluss ausüben. Manche von ihnen sind aus menschlichen Teilen zusammengesetzt, die nach dem Tod in der vitalen Atmosphäre nahe der irdischen Ebene fortbestehen. Die Begierden und Gelüste der Menschen treiben dort auch nach der Auflösung des Körpers umher und bewahren ihre Form; oft suchen sie sich weiter zu bekunden und zu befriedigen, und die Geburt dieser Kreaturen aus der vitalen Welt ist die Folge davon. Aber sie sind unbedeutend, und wenn sie auch sehr unangenehm sein können, so kann man doch mit ihnen fertig werden.

Es gibt viel gefährlichere, die nie zu einer menschlichen Form gehört haben, nie in einem Menschenleib auf Erden geboren waren; denn meistens lehnen sie diese Art Geburt ab, die sie der Materie versklavt; sie bleiben lieber in ihrer eigenen Welt, um von dort aus, mächtig und unheilvoll, ihre Gewalt über die Erdenwesen aufrechtzuerhalten. Denn obwohl sie es ablehnen, auf Erden geboren zu werden, wollen sie doch mit der physischen Natur in Beziehung stehen, ohne aber durch sie gebunden zu sein.

Ihre Methode besteht darin, zunächst über einen Menschen Einfluss zu gewinnen. Dann dringen sie langsam in seine Atmosphäre ein, und zuletzt können sie ihn vollständig in Besitz nehmen und die wirkliche Menschenseele und die Persönlichkeit ganz und gar vertreiben. Wenn solche Kreaturen derart einen irdischen Leib besetzt halten, haben sie das Aussehen eines Menschen, doch sicherlich keine menschliche Natur. Sie pflegen die Lebenskraft aus den Menschen zu ziehen; sie packen diese, wo immer sie sich von ihr nähren können. Kommen sie in eure Atmosphäre, so fühlt ihr euch plötzlich niedergeschlagen und erschöpft; bleibt ihr einige Zeit mit ihnen zusammen, so werdet ihr krank; lebt ihr mit einer von ihnen, so könnt ihr daran sterben.

 

Wie kann man denn solche Kreaturen aus seiner Umgebung vertreiben, wenn sie einmal darin sind?

 

Die in solchen Wesen verkörperte Macht ist von ganz stofflicher Art und wirkt nur aus der Nähe. Wenn ihr nicht im selben Haus wohnt wie sie oder euch nicht in ihrer Gesellschaft befindet, lauft ihr gewöhnlich keine Gefahr, unter ihren Einfluss zu geraten. Stellt ihr aber einen Kontakt zu ihnen her, brieflich zum Beispiel, so ermöglicht ihr einen Kräfteaustausch und setzt euch ihrem Einfluss aus, auch auf große Entfernung. Das klügste ist, jede Beziehung abzubrechen und nichts mehr mit ihnen zu tun zu haben — es sei denn, ihr habt ein großes okkultes Wissen und Vermögen und könnt euch schützen; doch selbst dann ist es immer gefährlich, mit ihnen zu verkehren. Sie zu bekehren hoffen, wie das manche tun, ist eitler Wahn, denn sie wollen gar nicht bekehrt werden. Sie haben nicht die geringste Neigung, eine Umwandlung zuzulassen, und alle Bemühung in dieser Richtung ist nutzlos.

Wenn diese Wesen in einem Menschenleib sind, wissen sie oft nicht, was sie wirklich sind. Manchmal haben sie ein vages Gefühl, auf nicht ganz gewöhnliche Weise Mensch zu sein. Dennoch gibt es welche, die bewusst, ja sehr bewusst sind; nicht nur wissen sie, dass sie nicht zur Menschheit gehören, sondern auch was sie sind, und handeln diesem Wissen entsprechend, indem sie ihre Ziele entschlossen verfolgen. Diese Wesen der vitalen Welt sind von Natur aus mächtig, und wenn sie dazu noch Wissen haben, sind sie doppelt gefährlich. Mit ihnen ist nichts zu machen; man muss sorgfältig allen Umgang mit ihnen meiden, wenn man nicht die Macht hat, sie zu vernichten. Seid ihr durch die Umstände gezwungen, mit einem von ihnen in Berührung zu kommen, so hütet euch vor dem Zauber, der von ihnen ausgeht. Wenn die vitalen Wesen sich auf der physischen Ebene offenbaren, haben sie immer hypnotische Kraft, denn das Zentrum ihres Bewusstseins liegt im Vitalen und nicht im Stofflichen; sie sind nicht vom stofflichen Bewusstsein umhüllt und gemindert.

 

Ist es nicht so, dass eine seltsame Faszination diese Kreaturen zum spirituellen Leben zieht?

 

Ja, weil sie spüren, dass sie nicht zu dieser Erde gehören, sondern anderswoher kommen; auch fühlen sie, dass sie Kräfte besessen hatten, die zur Hälfte verloren sind, und sie brennen darauf, diese wiederzugewinnen. So stürzen sie sich auf jeden, der ihnen Wissen von der unsichtbaren Welt geben kann. Doch halten sie die vitale Welt für die spirituelle, und ihre Suche gilt vitalen, nicht spirituellen Zielen. Manchmal trachten sie auch das Spirituelle zu verfälschen und daraus eine ihrer eigenen Natur gemäße Imitation zu machen. Das ist sogar eine Art Huldigung, eine Entschädigung, die sie auf ihre Weise dem spirituellen Leben leisten. Eine gewisse Anziehung zwingt sie dazu; sie haben sich gegen das göttliche Gesetz aufgelehnt — aber trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, empfinden sie irgendwie ihre Bindung an die Gegenwart des Göttlichen und fühlen sich zu ihm hingezogen.

Darum sieht man sie bisweilen als Mittler dienen, indem sie solche, die zum spirituellen Leben auf Erden bestimmt sind, miteinander in Verbindung bringen. Diese Rolle übernehmen sie nicht freiwillig, sondern zwangsläufig. Es ist eine Art Vergütung, die sie zu entrichten haben. Denn sie spüren den Druck des herabsteigenden Lichts, und sie ahnen, dass die Zeit gekommen oder doch nahe ist, wo sie wählen müssen zwischen ihrer Bekehrung und ihrer Auflösung — wählen, entweder sich dem göttlichen Willen hinzugeben und ihren Platz im Großen Werk einzunehmen, oder aber im Unbewussten zu versinken und nicht mehr zu sein. Der Kontakt mit einem Wahrheitssucher gibt solchen Kreaturen die Gelegenheit zur Wandlung. Alles hängt davon ab, wie sie diese Gelegenheit nutzen. Ergreifen sie sie in der richtigen Weise, so kann sie ihnen den Weg zur Befreiung öffnen und sie aus der Falschheit, Dunkelheit und Erbärmlichkeit herausholen, die den eigentlichen Stoff bilden, aus dem die vitalen Wesen gemacht sind, und sie zur Erneuerung und zum wahren Leben führen. 

 

Für eine Weile mag es hilfreich sein, durch den Kontakt zu anderen Menschen einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Überprüft man seine eigenen Regungen ehrlich, bekommt man dadurch  eventuell Schwachstellen aufgezeigt, die in uns noch in Resonanz gehen und kann daran arbeiten. Allerdings muss man sich davor hüten, sich nur noch auf die "dunklen" Seiten zu konzentrieren. Wir werden damit oft genug durch die Arbeit des Supramentalen Lichts in uns konfrontiert und man muss das nicht zusätzlich suchen und forcieren. Sich auf das Göttliche, die Führung der Mutter und die zu erwartende Verwirklichung auszurichten, ist grundsätzlich der bessere Weg.

Auch sollte man gerade zu Beginn der zunehmenden Sensibilität gegenüber anderen Menschen nicht den gesamten Bekanntenkreis misstrauisch scannen. Man wird herausfinden, wenn einem die Gegenwart eines Menschen nicht gut tut und wie man sich vorsichtig distanzieren kann.

Den vampirhaften Mächten, von denen hier die Rede ist (siehe auch hier), sind wir ohnehin nicht gewachsen. Es ist Zeitverschwendung, uns unnötig lang mit zehrenden und aufwühlenden Energien aufzuhalten, um interessiert herauszufinden, womit wir es zu tun haben. Ab einem bestimmten Fortschritt in der Sadhana ist es besser, Menschen zu meiden, die uns immer wieder aus der spirituellen Konzentration kippen lassen und selbst voranzuschreiten. Der Weg ist lang genug.   

Haben wir den Verdacht, dass sich solch eine Person in unserem Umfeld aufhält und wir uns nicht davon entfernen können, ist es noch wichtiger, sich Mutters Schutz zu unterstellen, den Kontakt zu ihr nicht abreißen zu lassen und um Abhilfe zu bitten.  

 

In dem Film "Die Prophezeiungen von Celestine" nach dem gleichnamigen Kultbuch von James Redfield wurde recht anschaulich versucht, den zwischenmenschlichen Energieaustausch bildlich darzustellen und zu erklären. Viele spirituelle Filme enthalten Details grundlegender Wahrheiten. Der Spirit hinter den Dingen versucht auf mancherlei Weise, zu uns durchzudringen.  

 

 (Bild: pixabay, Bru-nO, bearbeitet)

 

 

 

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