Der schmale Grat der Wahrheit

 

 

 

 

"Nur die Wahrheit kann uns retten:

Wahrheit in den Worten,

Wahrheit in den Handlungen,

Wahrheit im Willen,

Wahrheit in den Gefühlen."

Bildnachweis: Sudha Sundaram,  saaonline.net.in

Die Wahrheit des Integralen Yoga liegt jenseits von Verderbtheit und "Tugend"

 

Die Wahrheit ist ein schmaler Grat, der sich zwischen beiden erhebt. Bei der Verderbtheit würde niemand widersprechen. Wird aber die Tugend und vor allem die Tugendhaftigkeit als Leitlinie des spirituellen Pfades angezweifelt, wird es schwierig. Bis dieses Gebilde mit seinen starren Glaubensmustern zerlegt ist, bekommt man in diesem Yoga viele Schläge und Lernmöglichkeiten vor die Nase gesetzt. Was erschwerend hinzukommt ist die Angewohnheit, dass man vermeintliche Fehler oder mangelnde Tugendhaftigkeit sehr schnell beim Gegenüber zu erkennen glaubt und als störend empfindet. Und es dauert lange, bis man erkennt, dass es etwas ist, das in uns selbst nach Erlösung drängt. Die nötige Projektion des blinden Flecks nach außen.  

 

Nach den ersten Berührungen mit dem Göttlichen versuchen wir oft, dem Bild eines `spirituellen Menschen´ zu entsprechen, oder besser dem, was wir dafür halten. Unser aufgewühlter Verstand will das Erlebte mitteilen, und so haben wir einen verständlichen Selbstanspruch an uns selbst, uns auch entsprechend zu verhalten. Oder wir meinen, dass unser Umfeld das von uns erwartet, denn anfänglich ist kaum jemand vollkommen immun dagegen, was andere Menschen von ihm halten. Unser Mental als Teil des menschlichen Egos ist es gewohnt, jede Erfahrung zu analysieren, seine begrenzte Sichtweise darüber zu stülpen, sie zu "seiner" zu machen und dem hinzuzufügen, was wir als unsere "Identität" begreifen. Das war lange seine Aufgabe, um das Überleben zu sichern. Aber was die Wahrheit angeht, ist seine Sichtweise absolut begrenzt und verzerrt. 

Zudem hat jeder Mensch seine einzigartige Weise der Annäherung an das Göttliche und damit seine Wahrheit, die Dinge zu empfinden und zu sehen. Nichts davon lässt sich verallgemeinern und auf alle anderen übertragen. Wir werden DIE WAHRHEIT erst vollkommen "verkörpern", wenn eben auch unsere Körper transformiert und vergöttlicht sind. Nur im Göttlichen "treffen" wir uns, werden eins und erkennen. Alles andere ist der Versuch, dorthin zu kommen. 

Häufig begegnet man bis hinein in spirituelle Vereinigungen Verhaltensmustern der (ver-) urteilenden Art, sich für etwas Besseres und die eigene (Teil-)Wahrheit für die einzige zu halten. Verhält man sich nicht konform oder bringt Kritik an, ist die Reaktion zuweilen wenig "spirituell". Hier ist das sogenannten "spirituellen Ego" im Spiel. Ein Kumpan, der sich raffiniert hinter einem Zipfelchen Wahrheit verbirgt und nur durch schonungslose Ehrlichkeit und Mut gegenüber sich selbst und der Umwelt zu entlarven ist. 

 

Der Integrale Yoga hebt sich von allen bisherigen spirituellen Wegen dadurch ab, als man es hier mit einem Wahrheitsbewusstsein zu tun hat, das in seiner Läuterung alle menschlichen Wesensteile miteinbezieht. Auch die, an die unser Mental nicht herankommt. Erst, wenn die Supramentale Transformation durchlaufen wurde, ist die Verschmelzung mit dem Göttlichen integral, vollständig und die Wahrheit verkörpert. 

 

 

Der Wunsch, ein guter Mensch zu sein

 

An seinem Charakter zu arbeiten, die Beobachterrolle einzunehmen, als wären nicht wir der Handelnde, die Aspiration aufrecht zu erhalten, sich nicht unnötig in äußere Konflikte verwickeln zu lassen, sich in bedingungsloser Akzeptanz und Liebe zu üben, etc., sind Voraussetzungen für jeden spirituellen Pfad. Das heißt jedoch nicht, immer nur zu lächeln und das Leben kritiklos über sich hereinbrechen zu lassen. Das macht uns zum Spielball anderer Menschen, Umstände und manchmal auch wiedergöttlicher Energien. Das ist nicht gottgewollt, denn noch ist die Schöpfung nicht das, was das Göttliche Bewusstsein verwirklichen möchte. Und solange müssen wir auch kämpfen. 

Ruhig seine Meinung zu sagen, sich zu verteidigen, "Nein" zu sagen, ist erlaubt. Auf das „wie“ kommt es an. Es macht keinen Sinn, sich in endlose Wortgefechte verwickeln zu lassen, um rhetorisch als Sieger hervorzugehen. Derartige Siege fühlen sich schal an, denn sie entfernen uns von der spirituellen Konzentration und unser Bewusstseinsniveau sinkt.  

Zurückzuweisen, was uns nicht gut tut, ein Umfeld zu verlassen, das uns erstickt, kann durchaus erforderlich sein, wenn es nicht Teil unserer Lebensthemen für die Transformation ist. Vieles ist jetzt dafür vorgesehen, aus der Schöpfung zu verschwinden. Deshalb lehnen wir uns als logische Konsequenz dagegen auf.

Ob wir kämpfen sollen, uns zurückziehen oder ausharren, werden wir je nach Situation erkennen, wenn wir offen sind und uns der Göttlichen Führung anvertrauen. Dinge in unserem Alltag zu meiden, die wir fürchten, ist sinnlos. Ängste zu überwinden ist Teil dieses Yogas, und entsprechende Situationen werden wiederholt auf uns zukommen. Bis wir ihnen mit Gleichmut begegnen. Es ist das Göttliche, das in diesem Yoga die schwierigste Arbeit für uns tut und uns bei allem zur Seite steht, wir sind damit nicht allein.

 

Das Bemühen um Tugendhaftigkeit ist einer der größten Tricks unseres Egos auf diesem Weg. Gerade hier im Westen sind wir sehr auf unseren ausgereiften Intellekt konzentriert, der hervorragend analysiert und meist glaubt, für alles eine Lösung zu haben. Wohltätigkeit ist institutionalisiert, zuweilen korrumpiert und es ist fragwürdig, inwiefern damit die Ursachen für Elend bekämpft werden. Beurteilen wir also richtig,  ob und in welcher Form  Hilfe angebracht ist? 

Aktuell kursiert der Begriff des "Gutmenschen" im Netz. Vieles davon geht auf das christliche Verständnis von Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit zurück. Wäre nicht jeder gern ein guter Mensch, der durch kein böses Wort auffällt, sich stets geduldig und hilfsbereit verhält und niemanden verletzt? Wissen wir in jeder Situation, wessen unser Gegenüber gerade bedarf? Ersticken wir ihn nicht manchmal, wenn wir ihm unsere "Werte" und Ansichten "überstülpen"?

Andererseits: Wird das Böse in der Welt freiwillig abdanken, wenn wir ihm die andere Wange hinhalten oder warten, dass ein anderer für uns kämpft?  

 

 

Es ist eine der bittersten Erfahrungen der Mitleidigen, dass es nicht immer zum Besten der Seele, des Geistes oder des Leibes eines Menschen gewesen ist, ihn vor Leiden an seinem Leibe oder Geiste bewahrt zu haben. 

 

Sri Aurobindo

 

Regelmäßig wiesen Sri Aurobindo und Mutter darauf hin, dass als erstes die Lüge verschwinden und durch die Wahrheit ersetzt werden muss, bevor die Liebe sich manifestieren kann. Bereits Jesus Christus sprach vor über 2000 Jahren davon, dass er mit dem Schwert der Wahrheit zurückkommen werde. 

"Das ist eine Erfahrung, die sich mir immer klarer zeigt: damit sich der Kontakt mit dieser wahrhaftigen göttlichen Liebe manifestieren kann, d.h. sich frei ausdrücken kann, ist bei den Wesen und in den Dingen eine MACHT vonnöten,... die noch nicht existiert. Sonst gerät alles durcheinander." (Mutters Agenda, 16. September 1964)

 

Unser Körper als zukünftiger Tempel für das Göttliche muss vorbereitet und reingefegt werden. Und so beginnt der Weg wirklich anstrengend zu werden, wenn wir mental hart an uns gearbeitet haben und plötzlich die ersten dunklen Nischen in unserem Körperkleid durch das supramentale Licht aufgeschmolzen werden. Wir stellen fest, dass von da an unsere "liebliche" Seite regelrecht zerlegt wird. Das übersteht man nur durch kompromisslose Authentizität und Ehrlichkeit. Wir werden konfrontiert mit den wahren und zuunterst verborgenen Beweggründe hinter den Gedanken, Worten und Taten – bei uns selbst und zunehmend auch bei unserem Gegenüber. 

Bis in unser körperliches Zellbewusstsein hinein wird der Göttliche Funke freigelegt von der zähen evolutionären Schicht des Unbewussten und Unterbewussten. Was dabei nach oben kommt, ist schmachvoll. Es ist u.a. all das, was wir freiwillig nie jemand anderem zeigen würden. Wenn das passiert, lässt es jedes Bedürfnis nach Anerkennung unserer spirituellen "Heiligkeit" oder Abgrenzung als etwas Besseres wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. Jegliches unangebrachte Helfersyndrom oder Missionierungsbedürfnis wird zerlegt.

Wir stecken alle gleichermaßen in dieser globalen "unterirdischen" Vernetzung, niemand ist dagegen gefeit, solange die Transformation nicht vollendet ist.  Es wird einem nur bewusster, je länger an einem gearbeitet wird. Und man lernt. 

Ebenso unangebracht ist es, wenn unser Umfeld den Anspruch an uns richtet, wir müssten als spirituelle Menschen für alles Verständnis haben und kritiklos und selbstlos ständig unser Wohlwollen über jeden ausschütten. Egal, wie man uns behandelt. Es ist der Durchlässigkeit und zunehmenden Empfindlichkeit des Körpers auf diesem Weg geschuldet, dass manche Menschen unserem Körper z.B. Übelkeit, Kopf- oder Zahnschmerzen bereiten, wenn ihre netten Worte und ihre wirklichen Beweggründe nicht übereinstimmen. Von weniger netten ganz zu schweigen oder der Angewohnheit, Energien abzuziehen, die wir ihrer Meinung nach ja im Überfluss haben müssten.  Dahinter steckt der falsch verstandene Anspruch, das Göttliche hätte in erster Linie unsere Wünsche zu erfüllen.  

 

Die spirituellen Läuterungen dieses Weges können wir nicht kontrollieren, und jeder noch so liebevoll und heilig anmutende Zeitgenosse verbirgt dieselbe unheilige Schmach in den unsichtbaren Netzen seines Fleischkleids wie der vermeintliche Schurke, über den in der Fernsehreportage berichtet wird. Kratzt man an den Mäntelchen mancher "Spiritueller", tritt das verborgende Hässliche zuweilen erschreckend heftig zutage. Im Laufe der Transformation geschieht das durch das Einwirken des Supramentals unweigerlich, wir können nichts dagegen tun. Unser tugendhaftes Mäntelchen wird uns regelrecht entrissen, wie Sri Aurobindo es so wunderbar beschreibt. Man versteht es erst wirklich, wenn es einem selbst passiert: 

 

"Mein Geliebter nahm mir das Kleid der Sünde, und ich ließ es freudig fallen; dann zupfte Er an meinem Kleid der Tugend, da aber schämte ich mich und wehrte Ihm voller Bestürzung.

Erst als Er es mir mit Gewalt entriss, sah ich, wie verborgen mir meine Seele gewesen war." 

 

 

 

Wir blicken überall in Spiegel

 

Wie schnell empören wir uns über das Verhalten anderer? Können wir ganz sicher sein, dass es nicht unsere eigenen verdeckten Themen sind, die sie uns spiegeln? Und selten übernehmen Provokateure die Verantwortung für ihre Worte und Taten, wenn sich in einer Gegenreaktion entlädt, was sie verursachten. Während sie hinter ihrer freundlichen Fassade verborgen ihre eigenen egohaften Ziele verfolgten – bewusst oder unbewusst. Das kann man im Kleinen bis hinein in die Medienlandschaft und Politik gut beobachten.

Reagiert etwas in uns enttäuscht, beleidigt, verletzt oder fordert unser Konkurrenzverhalten heraus, ist es in uns noch nicht erlöst. Darum haben wir grundsätzlich an uns selbst zu arbeiten. In diesem Yoga hören diese Prüfungen bis zuletzt nicht auf. Keiner von uns ist in Gottes Augen "besser" oder "schlechter" als ein anderer, nur auf unterschiedlichen Stationen seines ganz individuellen evolutionären Weges. Und wissen wir mit Sicherheit, ob ein schwieriger Mensch, über den wir uns ob seiner vermeintlichen Schlechtigkeit immer wieder empören, nicht bewusst diese unschöne Maske übergezogen hat, um uns in dieser Inkarnation zu unserer Weiterentwicklung zu verhelfen? Oder ob es ein karmischer Ausgleich ist, den wir in Geduld und Liebe zu erlösen haben? Vielleicht auch im Streit, in der Auseinandersetzung, bis wir alles damit zusammenhängende gelebt, uns zu eigen gemacht, geklärt, erkannt und Gott dargeboten haben? 

So erfährt man zum Beispiel, sobald man sich auf einen spirituellen Pfad begeben hat, dass der Anspruch, bedingungslos zu lieben, geprüft wird, indem einem plötzlich lauter ungehobelte Gesellen über den Weg laufen. Ein Ausweichen ist zuweilen unmöglich, denn oft ist es ein Familienangehöriger, ein Arbeitskollege, der Lebenspartner, ein Kind, der Vermieter oder Mieter, der Bus- oder Taxifahrer, ... Verlässt man die Situation, so man das kann, kommt alsbald der nächste um die Ecke. 

 

Sünde ist eine List und Verkleidung von Krishna, um sich vor dem Blick der Tugendhaften zu verstecken. Sieh, o Pharisäer, Gott im Sünder, lass Sünde in dir selbst dein Herz läutern, und umarme deinen Bruder.

 

Sri Aurobindo

 

Mutters Kommentar zu diesem Aphorismus:

"Sri Aurobindo sagt uns auf seine schlagende und humorvolle Art, dass die Göttliche Wahrheit ebenso jenseits von Tugend wie von Sünde ist." 

 

 

Diesen Yoga tut man nicht für sich allein

 

Es ist tröstlich, zu wissen, dass durch unsere globale Vernetzung nur ein Teil dieser Schmach an Hass, Wut, Scham, Schuldgefühlen, Ängsten, Neid,  etc. wirklich "unser" ist. Wird etwas in uns bereinigt, erhebt sich ein Teil aus dem Schwingungsfeld der globalen Materie und "dockt" mit an, weil es in Resonanz dazu geht. Für eine Weile ergreift das, was hochkommt, unser ganzes Sein, wobei es sich dann tatsächlich so anfühlt, als wäre all das Teil unserer Persönlichkeit. Mutter sagte: "Dann wird es persönlich!" Wir haben somit unseren An-teil an dem unschönen irdischen Morast auf uns zu nehmen in diesem Yoga, und das ist sehr herausfordernd. 

Die betreffenden Körperstellen kann man mit der Zeit deutlich identifizieren, denn zusätzlich zu den psychischen Begleiterscheinungen dessen, was da in unser Tagesbewusstsein aufsteigt, sind alle Erfahrungen grundsätzlich körperlich. Mit der Zeit kristallisiert sich unser ganz eigenes Problemfeld und die zu erledigenden Aufgaben in diesem Leben heraus. Meist haben wir sie wegen der Hartnäckigkeit, mit der sie in unserem Leben immer wieder in Erscheinung treten, schon geahnt.  

Eine gute Möglichkeit, wiederkehrende körperliche Problemfelder und ihre tieferen Ursachen zu verstehen, ist das Buch "Metamedizin. Jedes Symptom ist eine Botschaft." Ob nun alle Ausführungen darin absolut zutreffen oder nicht.  

 

 

"Prüfe dich erbarmungslos, und du wirst dich deinen Mitmenschen gegenüber gütiger und mitfühlender verhalten."

 

Sri Aurobindo

 

 Mutters Kommentar dazu: 

 

"Sehr gut! (Mutter lacht) Das ist sehr gut.

Das tut allen gut, nicht wahr?

Besonders den Leuten, die sich für sehr überlegen halten.

Aber es entspricht wirklich etwas sehr Tiefem. ...

Es entspricht einem Zustand, in dem man sich so VOLLKOMMEN mit allem identifiziert, was existiert, dass man konkret zu all dem wird, was anti-göttlich ist – worauf man es hingeben kann. Man kann es hingeben und durch dieses Opfer wirklich transformieren.

Im Grunde genommen stellt dieser Wille nach Reinheit, nach dem Guten (was sich in der gewöhnlichen Mentalität ausdrückt als das Bedürfnis, tugendhaft zu sein) das GROSSE HINDERNIS im Menschen für eine echte Selbsthingabe dar. Der Ursprung der Falschheit und besonders die eigentliche Wurzel der Heuchelei liegt hier: in der Weigerung, den eigenen Anteil der Last der Schwierigkeiten auf sich zu nehmen. Dieses Problem berührte Sri Aurobindo in seinem Aphorismus auf sehr einfache, direkte Art und Weise.

Versucht nicht, tugendhaft zu sein.* Seht, wie weit ihr mit allem, was anti-göttlich ist, verbunden und EINS seid, nehmt euren Teil der Last an, akzeptiert, selbst unrein und falsch zu sein, denn so könnt ihr den Schatten aufnehmen und ihn hingeben. In dem Maße, wie ihr fähig seid, ihn aufzunehmen und hinzugeben, werden sich auch die Dinge ändern. 

Versucht nicht, zu den Reinen zu gehören. Akzeptiert, mit jenen zu sein, die in der Dunkelheit sind, und gebt all dies hin in totaler Liebe."

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* Satprem: Bei der ausschnittweisen Veröffentlichung dieses Gesprächs im Ashram-Bulletin im April 1962 veranlasste mich Mutter (trotz meines Protestes), diesen Satz abzuändern. Anstatt "Versucht nicht, tugendhaft zu sein", formulierte sie: "Versucht nicht, tugendhaft zu erscheinen", und sie fügte hinzu: "Es hätte sonst eine nachteilige Wirkung. Die Leute verstehen nie, oder vielmehr, sie verstehen auf ihre Weise. Sie würden das als Ermutigung auffassen, Dummheiten zu machen, schlecht zu sein, schlechte Gefühle zu hegen, und sie würden sich sagen: Wir sind die Lieblinge des Herrn! Du erinnerst dich, es gibt einen Brief von Sri Aurobindo in dieser Art an Leute, die alles Schlechte in sich ausleben wollten – er sagte ihnen, daß dies nun wirklich nicht angehe!" 

 

 

Es ist eine immense Herausforderung in diesem Yoga, dass man es zulassen und aushalten muss, zumindest temporär immer und immer wieder, von diesen dunklen Anteilen "psychisch" vollkommen "verschluckt" und beherrscht zu werden, die entsprechenden körperlichen Schmerzen und Verkrampfungen auszuhalten, sie gleichzeitig immerfort dem Göttlichen Bewusstsein darzubieten, dabei noch möglichst gelassen zu bleiben ..., bis sie geläutert und umgewandelt sind. Man scheitert oft genug oder glaubt, es zu tun, weil es so schmachvoll ist. Aber im Hintergrund baut sich gleichzeitig immer mehr eine unsichtbare Kraft auf, die man in den ruhigen Phasen deutlich spürt.

Deshalb wies Sri Aurobindo immer wieder auf die Schwierigkeiten dieses Weges hin und empfahl diesen Yoga nur jenen, die einen Ruf dafür erhalten haben. 

 

***

 

In jedem Atom schlummert das Göttliche Bewusstsein. Es gibt nichts außerhalb des Göttlichen Bewusstseins. Oder anders ausgedrückt: das Göttliche Bewusstsein ist alles, was existiert. Und erst, wenn unser ganzes Sein einschließlich des Körpers bis in die letzte Zelle von Freude, Licht, Glückseligkeit und Liebe zum Göttlichen erfüllt ist und vom Ihm allein gelebt wird, sind wir in der Lage, jeder Bewegung des Höchsten zu folgen. In einem Körper und unter Beibehaltung unserer seelischen Individualität, die sich im Laufe der Evolution herausgebildet hat. Schmerz, Leid und Tod, wie wir ihn kennen, haben dann ein Ende.

Wie genau das sein wird, was genau wir sein werden, kann uns kein Mensch auf diesem Planeten sagen. Nach Sri Aurobindos und Mutters Aussage ist dieser Schritt noch nie in der Evolution erfolgt. Wir müssen das Abenteuer mutig auf uns nehmen.

Bis ein erstes Supramentales Wesen in Erscheinung tritt und die Dinge auf diesem Planeten sich grundlegend äußerlich und augenscheinlich verändern, nannte Sri Aurobindo einen Zeitraum von etwa 300 Jahren. 

Mutters und Satprems Beschreibungen sind bislang das Einzige, das wir haben. Sie entsprechen sich in den wesentlichen Details und werden ebenso erfahren. Sobald man selbst das erste Mal erlebt, wie die Körperzellen das Supramentale Licht selig "trinken", weiß man, was beide in Worten versuchten, auszudrücken.

Vorher weiß man NICHTS. Bis dahin hat man nicht die leiseste Ahnung, wie es ist, wenn der Körper in Göttlicher Wahrheit badet. Wenn das Göttliche Bewusstsein in unseren Körperzellen freigelegt und wiedererweckt wird, körperlich spürbar erblüht wie Millionen winziger glückseliger leuchtender Blütenknospen, die sich sehnsuchtsvoll dem Göttlichen in Liebe entgegenstrecken und ergeben.

Und doch ist es eine Tatsache: Es ist unsere Zukunft – wenn wir das wollen.      

 

 

 

 

 

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Zuletzt bearbeitet: 16. November 2018


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