Die Such(e/t) nach Glück

 

Das Leben auf der Erde ist im wesentlichen ein Feld für den Fortschritt, und wie kurz ist doch das Leben für all den Fortschritt, den es zu machen gilt!

Seine Zeit mit der Befriedigung der eigenen schäbigen Begierden zu verlieren, ist reine Dummheit. Das wahre Glück ist nur möglich, wenn man das Göttliche gefunden hat. ...

Fast das ganze Elend der Menschheit rührt daher, dass die Menschen stets davon überzeugt sind, besser als das Göttliche zu wissen, was sie brauchen und was das Leben ihnen geben soll...

 

Mutter

 

 

Was ist Glück? Ist es gleichzusetzen mit Zufriedenheit? Ist es die Abwesenheit von Einsamkeit, Krankheit und Armut? 

Finden wir es in einer Partnerschaft, wird diese oft "Alltag" oder zerbricht. Haben wir uns nach Jahren ein eigenes Haus erarbeitet, kann es im Alter eine Arbeitsbelastung sein, die uns "besitzt". Viele der Menschen, die Ruhm und Wohlstand erreichten, sind getrieben von der Angst, all das wieder zu verlieren oder wollen immer mehr davon. Wirklich glücklich sind sie nicht. Was also fehlt ihnen? 

Einen kleinen Vorgeschmack bekommen wir unmittelbar, nachdem wir uns einen Herzenswunsch erfüllt haben. Nicht umsonst fühlen wir uns dann oft „wunschlos" glücklich: Die Bedürftigkeit ist für eine Weile zum Stillstand gekommen und wir waren dem reinen Sein am nächsten. Aber schon bald erhebt sich die nächste Notwendigkeit, das nächste Bedürfnis, der nächste Wunsch. 

Wahres Glück ist mehr als materieller Wohlstand, Familie, Freunde und Anerkennung durch unsere Mitmenschen für das, was wir tagtäglich in dieser Welt leisten. Wahres Glück empfindet keinen Mangel, es unterliegt keiner Schwankung, keiner Sucht oder Gier nach mehr oder dem Irrtum, dass uns andere Menschen etwas geben müssten. Wahres Glück ist das, was wir in unserem Innersten sind.

 

"Man sollte nicht von Gefühlen und Stimmungen abhängig sein, denn sehr oft täuschen sie uns. Zufriedenheit ist etwas ganz anderes. Manche Leute sind sogar in den besten Umständen unzufrieden, während andere in den schlimmsten Umständen ganz zufrieden sind.

Schau dir doch die Leute in der Welt ringsum an, sie sind durchaus glücklich mit ihren Umständen. Außerdem gibt es Leute, deren Zufriedenheit von ihrer Leber abhängt – ein krasser materialistischer Zustand. Auch gibt es Leute, die intensiv leiden, und dennoch weiß ihr innerstes Wesen, dass es einen Weg gibt, der sie zum Ziel führt." (Mutter zu einem Schüler 1938)

 

Seit den Anfängen des irdischen Seins, unserer Einkerkerung als Flamme des Göttlichen in die schier undurchdringlichen Schichten der Materie, sind wir auf der Suche nach jenem ursprünglichen, wahren glückseligen Zustand. Man könnte es als geheimen Antriebsmotor der Evolution bezeichnen. Aber dieser Zustand muss in diesem Körper „ent-deckt“ werden. Und das ist, was die Supramentale Transformation tut. Es ist tatsächlich so, dass selbst das Bewusstsein der Körperzellen Freude und Glückseligkeit empfinden kann, so unglaublich das für unseren Verstand klingt. Wenn das vollbracht ist, wird die Gier seiner vitalen Triebe und Bedürfnisse verschwunden sein, die die Zivilisation heute bestimmt.

In der Interaktion mit unseren Mitmenschen findet ein ständiger Energieaustausch statt. Zu manchen Zeiten geben wir, aber meistens nehmen wir, weil wir fühlen, das uns "etwas" fehlt. Halten wir unser Handeln auch für noch so altruistisch. Jeder egohafte Gewinn oder Sieg ist nichts weiter als eine laue Ersatzbefriedigung. Ein Notbehelf, weil wir meinen, die Quelle der Glückseligkeit in unserem Inneren verloren zu haben. Doch dem ist nicht so, sie wurde nur überlagert. Wir stehen unter einem Bann, unterliegen einer Art Hypnose, die jetzt wieder zurückgenommen wird – wenn wir das wollen. Das Supramentale Bewusstsein wird in dem Maße in uns wirksam, wie wir uns dafür öffnen. Wir sind gefordert, mitzuarbeiten, unser restliches Karma abzugelten und unseren Teil an niederer Natur und dessen Läuterung auf uns zu nehmen. Es wird kein "Erlöser" kommen, der uns das abnimmt und "für unsere Sünden stirbt". 

 

Nehmen wir die Arbeit schließlich auf uns, werden wir in dem Prozess Schritt für Schritt immer mehr daran erinnert, dass wir nie etwas anderes als Liebe, Freude und Glückseligkeit waren. Wenn zu Beginn auch nur für kurze Zeit, häufen sich Momente, in denen wir heiter und zufrieden in uns ruhen, ungeachtet der äußeren Umstände.

 

"Dies schickte ich zur Konferenz der New Age Association. Sie hatten die Frage gestellt: "Besteht das Ziel des Lebens darin, glücklich zu sein?..." Darauf habe ich geantwortet:

Dies ist genau die umgekehrte Sicht der Dinge.

Der Sinn des menschlichen Lebens ist die Entdeckung des Göttlichen und seine Manifestation. Natürlich führt diese Entdeckung zum Glück, aber dieses Glück ist die Folge und nicht das Ziel an sich. Und dieser Irrtum, die bloße Folge für das Ziel des Lebens zu halten, war die Ursache des meisten Elends, das die Menschheit heimgesucht hat."

 

Satprem: Was verstehen sie denn überhaupt unter „Glück"!

 

"Ja. Jeder denkt, es sei sein persönliches kleines Glück, und das macht die ganze Misere aus.

Sie sagten: "to be happy" [glücklich zu sein]: "Is the aim of life to be happy?" [Ist es das Ziel des Lebens, glücklich zu sein?]... UNGEHEUERLICH! Denn genau das hat alles entstellt, das ist die Ursache von allem. "Ich bin glücklich, wenn ich jemanden töte – deshalb töte ich jemanden". (Mutter lacht)

 

Satprem: Ja, immer stellt man die kleine Person ins Zentrum.

 

"Ja, immer, immer."

                                                                                                                    (Mutters Agenda, 28. März 1970)

 

 

Im Integralen Yoga steht das Göttliche Bewusstsein im Mittelpunkt, dem wir uns als Diener zur Verfügung stellen. Ohne Erwartungen, ohne Recht auf die Art und Weise des Verlaufs, der sich bei jedem individuell gestaltet, oder darauf, wie lange es dauern wird, bis wir ankommen.  

Aber am Ende warten die wahre Freude und die wahre Glückseligkeit. 

 

 

Es ist ein Irrtum, die Freude und das Glück zu verwechseln. Die beiden sind sehr verschieden. Nicht nur die Vibrationen sind verschieden, sondern auch die Farben.

Es gibt ein Blau, ein helles silbernes Blau (das Blau von der Fahne des Ashrams), sehr leuchtend und transparent, das ist die Farbe des Glücks. Es ist etwas Passives, Frisches, das kühlt, verjüngt.

Dagegen ist die Farbe der Freude ein goldenes Rosa, ein blasses Gold, das etwas Rot enthält, auch ein sehr blasses Rot. Es ist aktiv, warm, kräftigend, verstärkend. Das erste ist die Sanftmut, das zweite ist die Zärtlichkeit.

Und die Glückseligkeit – das, was ich spontan Glückseligkeit nenne – ist die Verbindung von beiden. Sie liegt ganz auf der Höhe des supramentalen Bewusstseins, in einem diamantenen Licht: ein ungetöntes, funkelndes Licht, das alle Farben enthält. Freude und Glück sind wie die zwei Seiten eines Dreiecks, dessen Spitze die Glückseligkeit bildet.

Die Glückseligkeit enthält zugleich Kühle und Wärme, Passivität und Aktivität, Ruhe und Tat, Sanftmut und Zärtlichkeit. Die göttliche Zärtlichkeit... ist etwas sehr verschiedenes von der Sanftmut, es ist ein äußerster Grad von Freude, eine so starke Vibration für den Körper, dass er den Eindruck hat zu zerspringen; dann muss er weiter werden.

Das diamantene Licht der Glückseligkeit besitzt die Macht, alle feindlichen Kräfte aufzulösen. Nichts kann ihm widerstehen. Kein Bewusstsein, kein Wesen, kein feindlicher Wille kann sich ihm nähern, ohne unmittelbar aufgelöst zu werden, denn es ist das Licht des Göttlichen in seiner reinen Schöpferkraft.

 

Mutter, 22. Januar 1958

 

 

 

 

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